Hunderte Bürger waren nach dem Freitagsgebet zum Hauptquartier bewaffneter Brigaden marschiert - ein Blutbad war die Folge.

© APA/SABRI ELMHEDWI

Tripolis
11/16/2013

Libyen: Milizen richten Blutbad an

Was als friedliche Demonstration begonnen hatte, endete in einem Gewaltexzess: 43 Tote, mehr als 460 Verletzte.

Bei gewaltsamen Zusammenstößen in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am Freitag mindestens 43 Menschen getötet und mehr als 460 Personen verletzt worden. Eine zunächst friedliche Demonstration gegen eine mächtige Miliz war in blutige Gewalt umgeschlagen. Die libysche Regierung rief in einer Stellungnahme zum Waffenstillstand auf, „um die Ordnung in der Hauptstadt wiederherstellen zu können“.

Imame und der Mufti von Tripolis hatten sich zuvor in den Freitagsgebeten hinter die Stadtregierung gestellt und zu den Demonstrationen gegen alle Milizen aufgerufen. Viele hundert Menschen beteiligten sich. Sie zogen mit weißen Flaggen als Zeichen ihrer Friedfertigkeit sowie mit den Landesflaggen auf die Straße und sangen gemeinsam die Nationalhymne. Vom Meliana-Platz zogen die Demonstranten zum Hauptquartier der besonders berüchtigten Misrata-Miliz im südlichen Stadtteil Gharghur.

Aus den belagerten Gebäuden wurden schließlich Schüsse abgefeuert. Zuerst zielten sie in die Luft, schließlich in die Menge.
Unter die Demonstranten mischten sich nach den ersten Schüssen bewaffnete Mitglieder von in Tripolis beheimateten Milizen. Sie stürmten schließlich das Areal mit mehreren Häusern, in denen sich die Misrata-Milizionäre verschanzt hatten.

Ministerpräsident Ali Seidan forderte nach den Vorfällen alle Milizen auf, Tripolis zu verlassen. "Der Gebrauch von Waffen außerhalb des Militärs und der Polizei ist gefährlich", sagte Seidan.

Erst vor einer Woche hatten sich rivalisierende Milizionäre in Tripolis heftige Gefechte geliefert. Dabei war ein Mann getötet worden.

Instabilität als Konstante

Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 waren die Milizionäre zunächst als Helden gefeiert worden, doch weigern sie sich seitdem, ihre Waffen abzugeben oder sich in die neuen Sicherheitskräfte einzugliedern. Die Milizen bekämpfen sich auch gegenseitig und widersetzen sich der Aufforderung der schwachen Zentralregierung, die Hauptstadt Tripolis zu verlassen. Im Oktober wurde Ministerpräsident Seidan zeitweise von Bewaffneten entführt. Die anhaltenden Kämpfe in dem OPEC-Land und die daraus resultierenden Exporteinbußen hielten am Freitag auch den Ölpreis hoch.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.