Politik | Ausland
19.03.2018

Langsam nimmt in Syrien die Nachkriegsordnung Formen an

Nachdem der IS nahezu besiegt ist, kommen Damaskus und Ankara ihren Militär-Zielen nahe.

Diesen Moment genoss Bashir al-Assad sichtlich: Noch ehe der Teil der Rebellen-Hochburg Ost-Ghouta nahe Damaskus gänzlich erobert war, trat der syrische Machthaber dort schon auf und ließ sich feiern. Dass die beiden anderen Aufständischen-Gebiete nahe der Hauptstadt ebenso fallen, dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Damit konnte der Despot seinen Konsolidierungskurs (mit der Hilfe Russlands und des Iran) fortsetzen und "die Gefährdung von Damaskus" eindämmen, wie Brigadier Walter Feichtinger zum KURIER sagt. Auch die übrigen Widerstandsinseln – außer Idlib – würden demnächst "bereinigt" werden.

Das syrische Regime sitzt also wieder ganz fest im Sattel und ist ein Gewinner in dem Konflikt – als solcher wird es auch die Nachkriegsordnung bestimmen, gemeinsam mit Russland und dem Iran.

"Militär-Fußabdruck"

Ungetrübt wird die Freude bei Assad aber nicht sein. Denn die Türkei hat im Land jetzt "einen großen militärischen Fußabdruck" hinterlassen, wie Feichtinger meint. Indem sie mit verbündeten Milizen die Kurden-Region um Afrin eingenommen hat, kontrolliert sie im Norden weite Gebiete, die sie dem Damaszener Regime laut eigenen Angaben nie mehr überlassen wird. Zwar wolle man sich wieder zurückziehen, hieß es am Montag in Ankara, doch Feichtinger sieht keinen schnellen Abgang, "die Türken sind militärisch jetzt hoch motiviert".

Spannend werde daher sein, ob die Türkei, wie Präsident Tayyip Erdoğan angekündigt hat, auch das kurdische Territorium östlich des Euphrats erobern will – bis hin zur irakischen Grenze. Davor hätten die USA ihren NATO-Verbündeten zwar gewarnt, so der Militärstratege an der österreichischen Landesverteidigungsakademie, "aber ich gehe davon aus, dass nun im Hintergrund starke Gespräche zwischen den beiden stattfinden".

Brennpunkt Idlib

Solche vermutet Feichtinger auch zwischen Ankara und Damaskus im Fall der letzten mächtigen Rebellen-Hochburg Idlib. Dorthin "haben sich sehr viele Islamisten zurückgezogen" (oder wurden gar eskortiert). Im Süden stehen Assads Truppen, im Norden Erdoğans, die mit einigen Idlib-Milizen verbündet sind. "Ich denke aber nicht, dass es zwischen den beiden Mächten derzeit zu einer direkten Konfrontation kommen wird. Daran kann niemand ein Interesse haben, schon gar nicht die Russen", analysiert Feichtinger.

Große Verlierer der jüngsten Entwicklungen sind jedenfalls die Kurden. Zuvor von den USA und Russland im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) unterstützt, die de facto besiegt ist, wurden sie jetzt von allen Seiten im Stich gelassen.