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Politik Ausland
01/15/2020

Kritik an Sponsor: Thunberg matcht sich mit Federer

Credit Suisse vergebe „ungrüne“ Darlehen.

Für Roger Federer war es ein unerwartetes Match. Der 38-jährige Schweizer Tennisprofi und jahrelange Nummer eins der Sportart, musste sich mit Greta Thunberg duellieren. Und das kam so: Federer wird unter anderen von der Schweizer Großbank Credit Suisse gesponsert. Finanzinstitute mögen für kritische Geister per se verdächtig erscheinen, Klimaschützer haben bei der Credit Suisse aber besondere Kritikwürdigkeit ausgemacht. Laut Thunberg hat die zweitgrößte Schweizer Bank seit 2016 Unternehmen für den Abbau fossiler Brennstoffe mit 15 Milliarden Dollar finanziert. Sie und andere Umweltschützer forderten den Tennisprofi auf, seinen Werbevertrag (wird auf 6,5 Millionen Euro im Jahr geschätzt, Anm.) mit der Bank zu beenden.

Federer antwortete mit Bedacht: „Ich nehme die Auswirkungen und die Bedrohung durch den Klimawandel sehr ernst. Ich bin den jungen Klimaaktivisten dankbar, dass sie uns alle dazu zwingen, unser Verhalten zu überprüfen.“ Er wolle mit seinen Sponsoren nun über wichtige Themen sprechen.

Thunberg bedankte sich bei Federer für das Statement, legte aber nach. Er möge die Bank auf den sofortigen Ausstieg aus allen Investitionen in fossile Energie drängen. Credit Suisse selbst entgegnete, dass der Anteil am Kreditgeschäft, der sich auf fossile Brennstoffe beziehe, unter drei Prozent liege. Die Bank unterstütze ihre Kunden beim Übergang zu Geschäftsmodellen, die weniger CO2-Emissionen verursachten.

Weltspitze

Österreich sieht sich in diesem Geschäft als Vorreiter: „Nicht allen ist bewusst, dass Österreichs Industriebetriebe in Sachen Innovation und Klimaschutz zu den Weltbesten zählen“, heißt es seitens der Industriellenvereinigung (IV). Mit ihren Produkten sei sie am Weltmarkt in den Bereichen Mobilität, Anlagenbau für erneuerbare Energieträger, innovatives Bauen und Umwelttechnologie erfolgreich. „Kaum wo werden -intensive Produkte, wie Zement, Stahl oder Papier, klimaschonender produziert als in Österreich“ so die IV.

Europa sei für nur knapp zehn Prozent der weltweiten -Emissionen verantwortlich. Österreich stehe für 0,2 Prozent des weltweiten -Ausstoßes. Fast drei Viertel des Stroms werde hierzulande durch erneuerbare Energie erzeugt. Der Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen liege auf niedrigem Niveau.

„Immer restriktivere Klimaziele und noch höhere Energiesteuern für Unternehmen in Österreich führen daher zu keiner ökologisch spürbaren Lösung, weil sie praktisch keinen Effekt auf das Weltklima haben“, so die IV. Es ergebe daher keinen Sinn, die Produktion in Regionen zu vertreiben, wo Umweltschutz keinen hohen Stellenwert habe. Wirksamer Klimaschutz seien nur durch technologische Innovationen möglich.

Das sehe man beim Thema Energieeffizienz, wo Innovationen bei Speichertechnologien entscheidende Fortschritte gebracht hätten: Energie mittels diverser Akku-Technologien zu speichern, sei heute weltweit deutlich günstiger, als noch vor zehn Jahren.

Auch Siemens – das Unternehmen kam wegen eines Auftrags für ein Kohlebergwerk in Australien unter Druck – sieht sich zu unrecht in der Kritik. Bis 2030 will man als einer der ersten Industriekonzerne weltweit eine neutrale CO2-Bilanz zu erreichen. Gelingen soll das durch Energieeffizienz, dezentrale Energiesysteme, Optimierung der Fahrzeugflotte und Strom aus erneuerbaren Quellen. Energie- und Wasserverbrauch, Abfallerzeugung und Schadstoffemission sollen in allen Geschäftsbereichen verringert werden.