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Politik Ausland
08/14/2021

Kritik an Laschet: Bisheriger Wahlkampf "überzeugt niemanden"

Die deutsche Union verliert in Umfragen, Spitzenkandidat Armin Laschet steht wenige Woche vor dem Wahltag unter großem Druck.

von Sandra Lumetsberger

Die Macht der Bilder kann im Wahlkampf unerbittlich sein. Armin Laschet (CDU) weiß das zu gut. Sein spontaner Lacher im Flutgebiet wurde eingefangen und hängt ihm noch immer nach. Nun tourt er gerade durchs Land und versucht ein anderes Bild zu vermitteln. Er stieg beim Besuch eines Jugend-Boxcamps in Frankfurt gleich selber in den Ring, streifte sich für den Fotografen Boxhandschuhe über und teilte aus. So viel Kampfgeist hätten sich einige in der Union auch im Wahlkampf gewünscht.

Doch bisweilen ist Laschet zurückhaltend, um nirgends anzuecken, und lässt klare Positionen aus, so die Kritik. Doch die Sowohl-als-auch-Strategie, die bei Angela Merkel erfolgreich war, geht bei ihm nicht auf: Er wird als zögerlich und zaudernd wahrgenommen.

Sechs Wochen vor der Wahl sind Laschets Werte am Tiefpunkt, die Union sackte ab. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) übte nun Kritik. Im Handelsblatt fordert er eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung. „Wir müssen die Themen in den Mittelpunkt rücken, die für die Menschen wichtig sind.“ Der bisherige Wahlkampf „überzeugt niemanden“. Der Anspruch müsse bei 30 Prozent sein, so Günther.

Derzeit liegt man bei 23 Prozent. 2017 waren es 33 Prozent – das bisher schlechteste Wahlergebnis. Die Frage, ob Markus Söder mehr mobilisieren hätte können, geistert nach wie vor durch die Union. Der CSU-Chef lässt keine Gelegenheit aus, sich für den besseren Kandidaten zu erklären.

Für Laschet sei das eine große Last, sagt Politologe Wolfgang Schroeder. Er sieht ihn eingekeilt zwischen Söder und dem Kanzleramt, das bei Laschets bisherigen inhaltlichen Vorschlägen oft ein Veto einlegte. „Die Menschen fragen sich, wie das dann in Regierungszeiten sein wird, wenn er sich nicht gegenüber den eigenen Leuten durchsetzen kann.“

Die Menschen fragen sich, wie das dann in Regierungszeiten sein wird, wenn er sich nicht gegenüber den eigenen Leuten durchsetzen kann“

Politologe Wolfgang Schroeder | über Laschet

Einen Wechsel des Kanzlerkandidaten von Laschet auf Söder – wie es ein Umfrageforscher rät und es sich laut Spiegel-Befragung eine Mehrheit der Unionsanhänger wünscht – erteilte Günther eine Abfuhr: „Wir sind klug beraten, jetzt alle an einem Strang zu ziehen.“ Er sei überzeugt, dies würde der Union in den Umfragen helfen und die Sympathiewerte von Laschet steigern.

Für den Wahlkampfauftakt in Berlin holt er sich Hilfe von einer, die im Beliebtheitsranking nach wie vor führt: Merkel soll ihn am 21. August unterstützen. Zwischen den beiden gab es im Pandemie-Management Unstimmigkeiten, bei Laschets Wahl zum Kanzlerkandidaten hatte sie sich im Parteivorstand zurückgehalten. Es wird sich zeigen, wie sie es beim Wahlauftakt hält.

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