Brasiliens Präsident Bolsonaro

© APA/AFP/EVARISTO SA

Politik Ausland
04/16/2020

Kopf-in-den-Sand: Diese vier Präsidenten pfeifen auf das Virus

"Grippchen", "Psychose": Die vier Staatschefs von Brasilien, Nicaragua, Weißrussland und Turkmenistan leugnen als Letzte die Corona-Gefahr.

von Ingrid Steiner-Gashi

Während die ganze Welt mit drastischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus kämpft, leugnen noch immer vier Staatschefs die Gefahr. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, Daniel Ortega in Nicaragua, Alexander Lukaschenko in Weißrussland und Gurbanguly Berdymukhamedov in Turkmenistan weigern sich allesamt, die Pandemie zur Kenntnis zu nehmen.

Als "die Straußenbande" bezeichnet sie deshalb der brasilianische Politikprofessor Oliver Stuenkel - frei nach den Vögeln, die ihren Kopf einfach in den Sand stecken. Was treibt die vier an?

Bolsonaros "kleine Grippe"

Bolsonaro pfeift demonstrativ auf alle Empfehlungen zur sozialen Distanz. Bei einem Besuch in einer Bäckerei in der Hauptstadt Brasilia aß und trank der Präsident jüngst inmitten einer Menschenmenge. Einige Personen trugen Mundschutz, Bolsonaro nicht.

Der 65-Jährige hatte für Schlagzeilen gesorgt, als er das Coronavirus als "gripezinha" (kleine Grippe) verharmloste und eine "Rückkehr zur Normalität" forderte. Im größten Land Lateinamerikas wurden aber bisher bereits mehr als 29.000 Infektionen mit dem Virus und 1.760 Todesfälle bestätigt.

Lukaschenko sieht nur eine "Psychose"

Weißrusslands Präsident Lukascheno hingegen sah die Pandemie lange Zeit als "Psychose" an. Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung gab es kaum. Erst am Dienstag sagte er schließlich, die WHO solle die Lage im Land begutachten: Die Experten sollten den Bürgern zeigen, dass die Regierung nichts verberge. Nach offiziellen Zahlen  wurden inzwischen mehr als 2.200 Corona-Fälle gemeldet. 29 Infizierte starben - obwohl der Staatschef höchstpersönlich versprochen hatte, dass niemand sterben würde.

Geradezu trotzig zeigte sich der 65-jährige Lukaschenko vor wenigen Wochen in Eishockey-Montur im Stadion in Minsk bei einer Partie. Wintersport sei das beste Mittel im Kampf gegen das Coronavirus, meinte der Staatschef launig.

Somit setzt ausgerechnet der als "letzter Diktator Europas" verschriene Lukaschenko in diesen Krisenzeiten auf beispiellose Freiheiten statt auf Verbote und Strafen.Weltweit für Aufsehen sorgte zuletzt auch, dass Belarus als einziges Land seine erste Liga noch Fußball spielen lässt.

Lukaschenko, der seit mehr als 25 Jahren regiert - so lange wie niemand sonst in Europa - schlägt weiter alle Bedenken in den Wind. Schon gar nicht, sagte er, sehe er einen Grund, die Präsidentenwahl im August abzusagen. Da will er noch einmal antreten.

Freizügige Ostern

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega war indessen seit Beginn der Corona-Krise wochenlang abgetaucht und hat damit Spekulationen über seinen Gesundheitszustand ausgelöst. Zuletzt war der 74-Jährige, der von den vergangenen 41 Jahren 24 Jahre lang regiert hatte, vor rund einem Monat bei einer Videokonferenz mit anderen zentralamerikanischen Präsidenten gesehen worden. Vor zwei Tagen tauchte er plötzlich wieder auf und bekräfigte in einer TV-Ansprache, dass Nicaragua seinen Sonderweg in der Coronakrise fortsetzen werde. Erklärungen auf seine auffällig lange Abwesenheit gab es keine.

Verordnete Einschränkungen veranlassen? Keine Spur: Tausende Nicaraguaner sind zu Ostern in Badeorte gereist oder haben an Festivals teilgenommen. Während die Bischöfe in dem katholischen Land wegen der Pandemie Prozessionen ohne Publikum abhielten und zum Daheimbleiben aufriefen, hatte die linke Regierung von Präsident Ortega Dutzende Veranstaltungen während der Karwoche organisiert und den Tourismus angekurbelt.

Gefährlicher Sonderweg

Das kleine Land zwischen Pazifik und Atlantik geht innerhalb Lateinamerikas einen gefährlichen Sonderweg in der Corona-Krise. Weder schließt es Schulen, noch schränkt es das öffentliche Leben wesentlich ein.

Begründet wird dies damit, dass es in Nicaragua nur neun Corona-Infizierte und keine lokale Übertragung gebe. Die Initiative "Observatorio Ciudadano COVID-19 en Nicaragua" hatte allerdings am Donnerstag von zehn Mal mehr Betroffenen berichtet.

Das Wort Corona existiert gar nicht - in Turkmenistan

Am allertiefsten steckt offenbar der Staatschef Turkmenistans Gurbanguly Berdymukhamedov seinen Kopf in den Sand: Das autoritär geführte Land in Zentralasien will das Coronavirus überhaupt aus dem täglichen Sprachgebrauch verdrängen - notfalls auch mit Staatsgewalt. Das Wort sei bereits aus Informationsbroschüren der Behörden über die Krankheit gestrichen worden, berichteten unabhängige lokale Medien.

Selbst wer die Pandemie in Privatgesprächen erwähne, könne  festgenommen werden. Das passt ins Bild des autoritären Stils von Präsident Berdymuchammedow.

Trotz der Weigerung, das Coronavirus zu erwähnen, ergreifen die Behörden Vorsichtsmaßnahmen. An Bahnhöfen und Bushaltestellen wird den Berichten zufolge die Temperatur gemessen. An gut besuchten Orten und in Bankfilialen werden Feuchttücher ausgeteilt. Dort müssten sich Menschen auch Desinfektionsspray in den Mund sprühen. Veranstaltungen sind nicht verboten.

Nachbarland Iran stark betroffen

Offiziell habe sich niemand mit dem Virus infiziert, hieß es in den Berichten. Es gebe aber bereits erste Fälle. In Turkmenistan am Kaspischen Meer leben rund sechs Millionen Menschen. Das abgeschottete Land liegt an der Grenze zu dem vom Sars-CoV-2-Virus besonders stark betroffenen Iran.

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