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09.11.2017

Kongresswahlen 2018: US-Demokraten setzen auf Frauen

Frauen führten die Partei in Virginia und New Jersey zum Erfolg. Ihr Antrieb ist der Ärger über Präsident Trump.

Es war ein Facebook-Posting, das Ashley Bennett dazu brachte, als Abgeordnete des Regionalparlaments von New Jersey zu kandidieren.

"Wird die Demonstration rechtzeitig vorbei sein, damit die Frauen das Abendessen kochen können?", hatte der republikanische Politiker John Carman gefragt, während im Jänner Millionen Frauen in Washington gegen Donald Trump auf die Straße gingen.

Noch nie zuvor hatte Bennet, eine Krankenhausangestellte, sich einer Wahl gestellt. Doch als sie das Posting las, beschloss die 32-Jährige, auf der Seite der Demokraten John Carmans Sitz im Atlantic County Board zu erobern, dem gesetzgebenden Gremium in ihrer Region. Und das schaffte sie.

Gegen Sexismus, für Frauenrechte

Wie Bennett traten diese Woche auch andere Frauen in New Jersey und Virginia zum ersten Mal überhaupt für ein politisches Amt an, verärgert über einen Staatschef, der Frauenrechte mit Füßen tritt und keinen Hehl aus seinem Sexismus macht.

Zu ihnen zählt Jenny Durkin, eine frühere Staatsanwältin. Die bekennende Lesbe wird die erste Bürgermeisterin Seattles seit den 1920er-Jahren.

Ebenso erfolgreich kandidierte Jennifer Carroll Foy, die im Wahlkampf Zwillinge geboren hatte. Sie zieht ins Parlament von Virginia ein - an der Seite der Transsexuellen Danica Roem.

Der Erfolg der Frauen in New Jersey und Virginia war so gewaltig, dass die Demokraten nun - ein Jahr nach Hillary Clintons Niederlage bei den Präsidentenwahlen - wieder Morgenluft wittern. Allein in Virginia stieg der Frauenanteil im dortigen Parlament von 17 auf 30 Prozent.

"Ich bin sprachlos", sagt die Frauenrechtsexpertin Jennifer Lawless der Washington Post. Grund sei nicht nur die schiere Zahl der weiblichen Kandidaten, sondern deren großer Erfolg. Vielen gelang es, altgediente republikanische Abgeordnete, teils nach Jahrzehnten im Amt, politisch zu beerben.

Auch Stephanie Schriock ist begeistert: "So schaffen wir ein Momentum für 2018", ist die Vorsitzende von Emily's List überzeugt, eines politischen Aktionskomitees (PAC), das demokratische Abtreibungsbefürworterinnen im Wahlkampf unterstützt. "Frauen werden den Weg weisen."

Warnung an Republikaner

Im November 2018 stehen Kongresswahlen und in 36 Bundesstaaten auch Gouverneurswahlen an. Die Demokraten hoffen, das Repräsentantenhaus oder den Senat in Washington und auch Gouverneursposten von den Republikanern zurück zu erobern. Bereits jetzt haben 40 Frauen ihre Kandidatur als Gouverneurinnen angekündigt, Dutzende wollen neu in den Kongress einziehen.

Manche Beobachter warnen allerdings davor, zu viel in das Ergebnis von Wahlen in lediglich zwei Bundesstaaten hineinzuinterpretieren. Zumal diese traditionell eher den Demokraten zugewandt seien. Doch eine Warnung an die Republikaner, so sieht es auch der frühere Abgeordnete David Ramadan in der New York Times, sei der Erfolg der Frauen allemal.