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Porträt
03/13/2020

Bayern wählt: Bleibt Söder der starke Mann?

Bayern wählt am Sonntag Bürgermeister, Landräte und Gemeindereatsmitglieder: Söder muss sein Image als Schwergewicht in der Union verteidigen.

von Sandra Lumetsberger

"Hallo Sandra" – mit warmer Stimme und freundlichen Augen begrüßt einen Markus Söder dieser Tage auf dem Handy. Um dann an die Kommunalwahlen zu erinnern. Mehr als 420.000 Mal wurde Söders Wahlaufruf, den man für Freunde und Bekannte personalisieren kann, verschickt. Knapp 400 Namen hat er dafür eingesprochen. Es ist ihm also ernst.

Wenn die Bayern diesen Sonntag ihre Bürgermeister, Landräte, Gemeinderatsmitglieder wählen, geht es für den 53-jährigen CSU-Chef und Ministerpräsidenten um viel. In den ländlichen Gebieten war die CSU über Jahrzehnte stark, schlug Wurzeln von der Sparkasse bis zur Musikkapelle. Eine Niederlage, wie sie sein Vorgänger Horst Seehofer 2014 erlebte (die CSU rutschte unter 40 Prozent, Anm.), könnte ihn als bundespolitischen Mitspieler bremsen. Als Chef einer Regionalpartei, die ihre Wähler damit lockt, bayerische Interessen in Berlin durchzusetzen. Oder als Königsmacher, der über den gemeinsamen Kanzlerkandidaten mitentscheidet; manche sehen ihn sogar als Anwärter, auch wenn er dementiert.

Derzeit gilt Söder als starker Mann in der Union. Die Schwester CDU ist orientierungslos, der Parteitag im April zur Kür des neuen Chefs ist wegen des Coronavirus verschoben.

Söder konnte in der CSU trotz Wahlschlappe 2018 die Reihen immerhin schließen. Zuletzt begeisterte er die CDU-Delegierten auf deren Parteitag mit einer Rede. Nach der umstrittenen Ministerpräsidentenwahl in Thüringen fand er als Erster aus CDU/CSU klare Worte: "Das ist kein guter Tag für Thüringen, kein guter Tag für Deutschland und erst recht keiner für die Demokratie in unserem Land."

In Berlin schaut man heute anders auf den Mann, dem Seehofer einst „Schmutzeleien“ vorwarf. Damals rangelten sie um die Vorherrschaft in Bayern. Söder fiel weniger durch Ämter (bayerischer Europa-, Umwelt- Finanzminister), mehr durch Sprüche auf, die oft ein Bumerang waren. Als er 2018 vor der bayerischen Landtagswahl die Rhetorik verschärfte, von "Asyltourismus" sprach, gingen sogar CSU-Wähler auf die Straße. Söder ruderte nach Kritik von sämtlichen Seiten zurück und gelobte Besserung.

Grüner, jünger, weiblicher

Er tritt nun als Staatsmann auf, versucht die CSU zu modernisieren und gab die Losung aus, grüner, jünger und weiblicher zu werden.

Das hat vor allem mit dem Erstarken der bayerischen Grünen zu tun. Bei der Landtagswahl 2018 wurden sie Zweite, dank 190.000 CSU-Stimmen. Seither sind auch die hintersten Winkel Bayerns ergrünt: Es gibt 150 neue Ortsverbände.

Markus Söder will ihnen Themen abgraben. Er bekämpft wie kein anderer Unionspolitiker die AfD mit scharfen Worten ("Wir müssen aufpassen, dass das braune Gift nicht weiter sickert, ins demokratische Grundwasser kommt"). Und wirkt fast zärtlich beim Thema Klimaschutz. Dieser solle im Grundgesetz stehen, sagte er. Er pflanzte Blühstreifen im Hofgarten der Staatskanzlei, gewährte dort drei Bienenvölkern Unterschlupf – und ließ sich mit Spaten und Pflänzchen am Waldboden kniend fotografieren. Auf Facebook stand dazu der Text: "Der Wald ist grüne Lunge und wichtiger -Speicher. Er gehört fest zu unserer Heimat."

So viel zu seinen Signalen, nachhaltige Aktionen fehlen bisher: Der CSU-Chef, der eine Arbeitsgruppe zum bundesweiten Ökostrom-Ausbau leitet, hat noch keinen Durchbruch erzielt. Gleichzeitig ackert er auf anderen Feldern, gilt es doch angestammte Wähler zu halten: Landwirten, die gegen die EU-Düngemittelverordnung demonstrieren, verspricht er eine "Bauernmilliarde". Autofahrer umwirbt die CSU mit einer Online-Kampagne gegen Tempolimits.

Ob sie alle Söders Botschaft hören und es ihm gelingt, was die CSU lange ausmachte – sämtliche Milieus zu bündeln –, wird sich zeigen. Um auf Nummer sicher zu gehen, dämpfte er seit Wochen die Erwartungen: "Wir werden natürlich ein anderes Ergebnis bekommen als vor sechs Jahren", sagte er Mitte Februar in die Kameras und Mikrofone. Für diesen Fall zeichnet sich ebenfalls ab, wie er sich aus der Schusslinie hält: Berlin, fehlender Rückenwind und Thüringen, so wird die Botschaft an die Schwesterpartei lauten.

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