Seit 50 Jahren führt die marxistische Guerilla-Organisation FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) Krieg gegen den Staat.

© Reuters/JAIME SALDARRIAGA

Kolumbien
06/14/2014

Wahlen entscheiden über Frieden mit Rebellen

Präsidentenwahl. Präsident Santos’ Herausforderer ist gegen Gespräche.

von Irene Thierjung, Walter Friedl

Ein Ende des Krieges oder Krieg ohne Ende." Das ist Juan Manuel Santos’ Motto. Kolumbiens Präsident versucht seit seiner Wahl 2010, Frieden zu schaffen. Seit 50 Jahren führt die marxistische Guerilla-Organisation FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) Krieg gegen den Staat. 220.000 Menschen starben, vier Millionen wurden zu Binnenflüchtlingen. Seit 2012 führt Santos Friedensverhandlungen mit der FARC. Und auch mit der kleinen Nationalen Befreiungsarmee ELN plant er Gespräche. Ob und wie weiterverhandelt wird, entscheidet sich am Sonntag. In einer Stichwahl tritt der rechtsgerichtete Santos, der beim ersten Wahlgang am 25. Mai 26 Prozent der Stimmen erhalten hat, gegen seinen ebenfalls rechten Herausforderer Oscar Ivan Zuluaga (29,3 Prozent) an. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Wenn Santos gewinnt, will er die Verhandlungen "beschleunigen".

Referendum nötig

Zuluaga steht den Gesprächen kritisch gegenüber. Er beharrt mit Blick auf gemäßigte Wähler aber nicht mehr auf deren Stopp. Die Rebellen wurden in den vergangenen Jahren geschwächt. Zudem wäre ein Friedensvertrag ohnehin nur bindend, wenn er per Referendum bestätigt wird.

"Es ist sehr wichtig, dass es den Friedensprozess gibt", sagt die Ex-Guerillera Vera Grabe, 62, im KURIER-Gespräch. Hohe Hürden seien der Drogenhandel, eine der Haupteinnahmequellen der FARC, sowie die Zukunft von deren Führung. Die Deutschstämmige, die auf Einladung der entwicklungspolitischen Organisation VIDC in Wien war, hatte nach einem Friedenspakt zwischen der Regierung und ihrer Guerilla-Bewegung M 19 im Jahr 1990 die Waffen niedergelegt. "Das war befreiend. Vor allem, dass wir uns nicht mehr verstecken mussten", erzählt die Frau, die von 1974 bis 1990 im Untergrund lebte. Der Positionswechsel war aber nicht einfach: "Zuerst haben wir von außen gegen den Staat gekämpft, danach haben wir uns politisch von innen für den Staat eingesetzt."

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