Politik | Ausland
20.06.2018

Kindertrennungen in den USA: "Ein moralisches Versagen"

Mehrheit der Amerikaner gegen Trennung von Familien an US-Grenze, doch Trump will hart bleiben.

Hunderte Demonstrationen in US-Städten, Unverständnis von Parteikollegen, Kritik von seiner eigenen Frau – der Druck auf US-Präsident Donald Trumps „Null-Toleranz-Politik“ an der Grenze zu Mexiko steigt. Und scheint ihn kalt zu lassen: "Wenn die Eltern für ihren illegalen Grenzübertritt belangt werden sollten, dann muss man die Kinder wegnehmen", sagte Trump am Dienstag.

Rund 2300 Kinder wurden von ihren Eltern getrennt und in Baracken gesperrt, diese Bilder lösten weltweit Entsetzen aus. "Herr Präsident, haben Sie keine Kinder?", rief Juan Vargas, ein Abgeordneter der Demokraten, erbost bei einem Protest im Kapitol aus und forderte Trump auf, mit dieser Praxis aufzuhören.

Kritik aus eigenen Reihen

Selbst aus den eigenen Reihen wird der Druck auf Trump größer - mehrere prominente Senatoren von Trumps Republikanischer Partei forderten, Familien nicht auseinander zu reißen, nur weil sie versuchten, illegal aus Zentralamerika in die USA zu gelangen.

Unternehmensverbände verurteilten die Praxis der Grenzschützer ebenfalls scharf. Die republikanischen Senatoren Ron Johnson, Ted Cruz und John Kennedy forderten Trump auf, Familien zu erlauben zusammenzubleiben, wenn sie die Grenze illegal überschritten haben sollten. Im Repräsentantenhaus machte ein ähnlich lautender Gesetzesentwurf die Runde.

Mehrheit lehnt Trennung ab

Eine zwischen dem 16. und 19. Juni erstellte Umfrage von Reuters und dem Meinungsforschungsinstitut IPSOS ergab, dass 57 Prozent der Befragten das Vorgehen an der Grenze ablehnen. 28 Prozent waren dafür, Kinder von ihren Familien zu trennen. 15 Prozent gaben an, nicht zu wissen, wie sie antworten sollten. Trump wies alle Kritik zurück. Schuld seien die Demokraten, weil sie neue Einwanderungsgesetze blockierten.

Wütende Demonstranten haben die US-Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen wegen der umstrittenen Familientrennungen beim Abendessen in einem mexikanischen Restaurant in Washington beschimpft. „Wie können Sie ein mexikanisches Abendessen genießen, während Sie zehntausende Menschen deportieren oder einsperren, die hierherkommen um Asyl in den Vereinigten Staaten zu suchen?“ rief einer der Aktivisten, wie auf einem von der Gruppe veröffentlichten zehnminütigen Video zu sehen ist. „Wir fordern Sie auf, die Familientrennungen zu stoppen und sich zu entschuldigen.“ Ein anderer Demonstrant merkt an, dass die Ministerin ausgerechnet in einem mexikanischen Restaurant speist.

Der US-Staat New York will die Regierung in Washington nun wegen der umstrittenen Praxis verklagen. Das kündigte der demokratische Gouverneur Andrew Cuomo am Dienstag an. Das Vorgehen der Regierung Trumps sei "ein moralisches Versagen und eine menschliche Tragödie", erklärte er.