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Politik Ausland
10/04/2021

Kein Christbaum, kein Truthahn? Briten befürchten "Albtraum-Weihnachten"

Vom Christbaum über den Truthahn bis zu Spielzeug könnten heuer fehlen – wegen der Brexit-Versorgungskrise und Covid. Premier Johnson steht während seines Tory-Parteitages unter Druck.

von Georg Szalai

Ist die Sprit-Panik in Großbritannien, samt Hamsterkäufen und Handgreiflichkeiten an Tankstellen, eine Vorschau auf eine noch größere Bescherung zur schönsten Zeit des Jahres? "Albtraum-Weihnachten" befürchten jedenfalls Experten und Medien wegen der von Brexit und Covid verursachten Versorgungsprobleme für so manche Familie.

Teure Produkte

So könnten nach der bereits im Sommer aufgekommenen Angst vor Truthahn-Mangel auch andere klassische britische Fest-Speisen wie Würstel im Schlafrock und Weihnachtsschinken sowie Christbäume ausgehen – sowohl Nadelbäume als auch ihre künstlichen Verwandten. Auch Spielzeuge und andere Geschenke wie Elektronikwaren und Fahrräder könnten heuer mancherorts fehlen, warnen Branchenvertreter. Und wer begehrte Produkte ergattern kann, muss damit rechnen, tiefer in die Tasche zu greifen.

Kein Wunder also, dass auch diverse Fans des britischen Premiers Boris Johnson und seiner Konservativen zum Beginn ihres Parteitags, dem ersten physischen seit 2019, trotz des größten Wahlsieges seit mehr als 30 Jahren (2018) am Sonntag wenig Feierstimmung verspürten. Umfragen zeigen zunehmende Unzufriedenheit im Land. Laut YouGov finden nur mehr vier Prozent der Briten, dass Brexit, den der Premier stolz "vollendete", bisher sehr gut, 14 Prozent dass er ziemlich gut läuft. Aber 53 Prozent sehen ihn als sehr oder ziemlich schlecht; im Juni waren es in dieser Wertung nur 38 Prozent gewesen.

Als Gründe für die Versorgungskrise identifizieren laut "Opinium" 70 Prozent die Regierung, gleich hinter der Pandemie; 68 Prozent geben Brexit und 67 Prozent Johnson selbst die Schuld.

Sogar Leute in den eigenen Reihen ärgert, dass Johnsons Team Versorgungsprobleme nur provisorisch zu lösen versucht, etwa mit befristeten Visa für 5.000 Lkw-Fahrer und 5.500 für Geflügelfabriksarbeiter aus der EU oder, so der neueste Vorschlag, dem Einsatz von Häftlingen.

"Warum ist diese Regierung so passiv und wandelt ohne Strategie und sinnvollen Plan von Krise zu Krise?", fragt sogar der konservative Telegraph und diagnostiziert bei Wählern Enttäuschung, die "zu einer wachsenden Wut über Chaos und Inkompetenz mutiert, die diese Regierung zunehmend ausstrahlt."

Für politische Gegner ist das ein Geschenk. Sogar die Ex-Brexit Partei, die jetzt Reform UK heißt, will die Versorgungskrise und steigende Energie- und andere Lebenshaltungskosten als politische Waffe einsetzen. "Boris interessiert sich nur für Boris", kritisiert ihr Chef Richard Tice. Auch wenn Johnson beschwichtigt und betont, die Krise sei temporär, stellt sich sein Team laut Times darauf ein, dass die Krise Monate andauern könnte. Angelehnt an ein Schimpfwort sprechen Kritiker im Hinblick auf die Regierung von einer "EFFing"-Krise ("Fucking") – für Energy, also Energie, Fuel (Sprit) und Food (Essen).

Weihnachtswunder

Johnson wird laut Kommentatoren auf dem Parteitag zeigen wollen, dass auch ihm die Ideen nicht ausgegangen sind. Und er muss – wie 2020 im Fall des in letzter Minute fertig verhandelten Brexit-Abkommens mit der EU – auf ein Weihnachtswunder hoffen.

Sophia in London, die kein Fan von Johnson ist, twitterte eine Idee, um ein frohes Fest zu sichern: "Wer für Brexit gestimmt hat, darf diese Weihnachten keine Würstel im Schlafrock essen."

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