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Ex-Ministerin Kneissl will Österreicherin bleiben, aber in Russland sterben

Trotz aller Probleme will Kneissl ihre Staatsbürgerschaft nicht wechseln. Kritik übt sie am Alkoholismus in Russland, nicht aber an der Politik.
Karin Kneissl

Ungeachtet ihrer Probleme mit Österreich strebt die nach Russland übersiedelte Ex-Außenministerin Karin Kneissl keine russische Staatsbürgerschaft an. Dies erklärte sie vergangene Woche in einem Interview mit einem Lokalmedium aus der südöstlich von Moskau gelegenen Region Rjasan, wo sie in einem Dorf ein Haus renoviert. Kneissl erzählte von Schwierigkeiten des Dorflebens und beklagte sich über Alkoholismus vor Ort. Kritik am politischen Kurs ihrer Wahlheimat vermied sie.

„Ja, ich hatte ernsthafte Probleme mit Österreich, nicht nur mit der Politik und mit Medien, sondern auch auf einer rechtlichen Ebene. Aber ich habe nicht vor, meine Identität zu ändern“, erklärte sie dem Lokalmedium ya62.ru und betonte, dass das in ihrem Alter auch nicht mehr möglich sei. Ob sich ihre „rechtliche“ Probleme auch auf Forderungen von NEOS-Politikern beziehen, Kneissl im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit in Russland die österreichische Staatsbürgerschaft zu entziehen, blieb dabei unklar.

Alkoholismus als gesellschaftliches Problem

Ausführlich sprach die Ex-Politikerin, die an der St. Petersburger staatlichen Universität einen offiziösen Geopolitik-Thinktank leitet, jedoch den 400-Einwohner-Ort Giblizy in der Region Rjasan vier Autostunden östlich von Moskau als Wohnort auserkoren hat, über Dorfprobleme in Russland. Es sei auffällig, dass es im russischen Dorf fast keine Menschen zwischen 15 und 50 Jahren gebe. Neben alten Menschen lebten hier nur kleine Kinder, die von ihren Großmüttern aufgezogen würden, erzählte sie.

Sehr auffällig sei vor Ort Alkoholismus. „Am schlimmsten ist es für mich, Mütter zu sehen, die alkoholkrank sind, und ihre Kinder, die leiden“, sagte sie. Wenn Mütter keine Lebensmittel im Geschäft kauften, sondern Alkohol, sei das ein großes gesellschaftliches Problem.

Russische Sprache als „wirkliche Herausforderung“

Kneissl selbst sieht sich im russischen Dorf mit einer „Vielzahl an Alltagsschwierigkeiten“ konfrontiert und auch das Erlernen der russischen Sprache habe sich für sie als „wirkliche Herausforderung“ erwiesen. Emigration sei eine schwierige Sache, und sie sei nicht nach Russland gezogen, weil sie ein einfaches Leben gesucht habe. Dass sie die erste Person aus dem Westen sei, die nach einem Ministerposten nach Russland übersiedelt sei, habe sie nicht gewusst.

Probleme sah sie auch mit ihrer Wahrnehmung als „Bankomat“ und dem Irrglauben vieler Russinnen und Russen, dass sie ein reicher Mensch wäre. Dies sei nicht der Fall und in Ermangelung von Geld könne sie auch keine Baufirma mit der Renovierung ihres Hauses beauftragen, das sie bereits viel Kraft, Nerven und Gesundheit gekostet habe. Nach all den Mühen plane sie keine weitere Übersiedlung. „Ich bin kein sonderlich religiöser Mensch, bete jeden Tag aber für eines: Dass ich eines Tages ruhig in meinem eigenen Haus sterben würde. Das ist mein einziger Wunsch“, sagte sie.

„Absolut neue Bedrohungen“

Die politische Situation im aktuellen Russland blieb in Kneissls Interview mit dem Regionalmedium weitgehend ausgespannt und sie erwähnte auch den Namen des russischen Präsidenten Wladimir Putin kein einziges Mal. Die aktuelle internationale Lage erinnere sie an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, wo auch die verwandtschaftlichen Beziehungen von Monarchen den Anfang eines Weltkriegs nicht verhindern hätten können. Aktuell würde man sehen, dass Wirtschaftsbeziehungen selbst keine Friedensgarantie darstellten. „Wir leben in einer Zeit gewaltiger Risken“, erläuterte die Österreicherin, und sprach von „absolut neuen Bedrohungen“. Drohnen, Roboterwaffen und Künstliche Intelligenz würden immer aktiver in der Kriegsführung verwendet. Sie selbst sei diesbezüglich sehr beunruhigt.

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