Ex-Ministerin Kneissl: "Kein Zufall, dass Hitler aus Österreich kam”

Die frühere österreichische Außenministerin Karin Kneissl spricht bei einer Pressekonferenz 2019.
Parteiübergreifende Empörung nach jüngsten Aussagen der ehemaligen Außenministerin.

Vor mehr als sieben Jahren kehrte Karin Kneissl der heimischen Innenpolitik den Rücken. Für innenpolitische Aufreger ist die ehemalige Außenministerin aber immer noch zu haben. 

Jüngster Anlassfall: Ein einstündiges Interview, das sie einem kleinen Youtube-Kanal gab, sorgte am Freitag für empörte Reaktionen quer durch (fast) alle Parteien.   

Kneissl bezeichnet darin die Österreicher unter anderem als "Hyänen“

"Wenn ich etwas vermisse aus Europa, dann Frankreich, nicht Österreich. In Frankreich waren die Menschen menschlich, in Österreich Hyänen", sagt Kneissl in dem Video. 

Die 59-Jährige lebt seit rund eineinhalb Jahren in einem Dorf in der russischen Region Rjasan und sieht sich dort längst als "Teil der lokalen Gemeinschaft". Dort habe sie nach eigenen Angaben ein "neues Kapitel“ begonnen. 

Bereits im vergangenen Jahr hatte sie Österreich öffentlich als ein Land voller "Kleingeistigkeit, Neid und Minderwertigkeitskomplexe“ beschrieben. 

Es scheint so, als habe Kneissl ihrem Heimatland mittlerweile nicht mehr "nur" den Rücken gekehrt, sondern vielmehr mit Österreich gebrochen.

Das verdeutlicht allem voran eine Aussage, die Kneissl nicht zum ersten Mal tätigt. Sie schildert persönliche Erfahrungen aus einem österreichischen Dorf, in dem sich Menschen gegen sie gewandt hätten. Daraus leite sie die Überzeugung ab, dass es "kein Zufall“ gewesen sei, dass Adolf Hitler aus Österreich stamme. 

Einen nahezu identischen Vergleich hatte sie bereits vor zwei Jahren in einem anderen YouTube-Interview gezogen und damit heftige Kritik ausgelöst. 

Das nunmehrige Video hat aktuell 25.000 Aufrufe. Gepostet wurde es auf dem Youtube-Account "Brücke nach Osten" mit lediglich 842 Abonnenten. Das Kneissl-Interview ist derzeit der einzige Content. 

Kritik aus der Politik

Und dennoch haben die jüngsten Aussagen in Wien parteiübergreifend Empörung ausgelöst. NEOS-Klubobmann Yannick Shetty wirft Kneissl vor, in russischen Propagandamedien weiterhin mit dem Titel der ehemaligen Außenministerin aufzutreten, um Österreich und seine Bevölkerung zu diffamieren.

Auch ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti reagiert scharf. Kneissls Aussagen würden zeigen, wie rasch der Patriotismus der FPÖ ende. Sobald Russland rufe, bleibe von "Austria First“ nichts mehr übrig.

Shetty spricht von "blauer Doppelmoral“ und fordert Aufklärung über Kneissls Tätigkeit in Russland. Aus der ÖVP kommt zudem der Vorwurf, die FPÖ habe sich nie klar von Kneissl distanziert. 

FPÖ-Generalsekretär und Nationalratsabgeordneter Christian Hafenecker betitelte die Kritik als "durchschaubares Ablenkungsmanöver“ der Regierungsparteien und warf NEOS-Klubobmann Yannick Shetty vor, mit altbekannten Vorwürfen gegen die FPÖ zu agitieren. Parteichef Herbert Kickl, einst Regierungspartner Kneissls, äußerte sich bislang nicht zu den aktuellen Aussagen.

Von Wien nach Moskau

Kneissl war von 2017 bis 2019 Außenministerin in der Regierung Kurz I. Zwar wurde sie von der FPÖ nominiert, Parteimitglied war sie jedoch nie. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie unter anderem durch ihren Tanz mit Wladimir Putin bei ihrer Hochzeit in der Südsteiermark.

Karin Kneissl und Wladimir Putin tanzen, während die Hochzeitsgäste zusehen.

Auf ihrer Hochzeit im Jahr 2018 tanzte die damalige Außenministerin Karin Kneissl mit Wladimir Putin.

Nach ihrem Ausscheiden aus der Politik lebte Kneissl zunächst in Frankreich und später im Libanon. Seit 2023 hält sie sich in Russland auf, wo sie den regierungsnahen Thinktank GORKI leitet. Sie selbst bezeichnet sich als "politischen Flüchtling“.

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