Politik | Ausland
02/14/2019

Kanzler auf Tour: Was Österreich von Südkorea lernen kann

Reisen, Reden, Arbeitsgespräche: Der KURIER unterwegs mit Bundeskanzler Kurz durch Ostasien.

Er mag ja geglaubt haben, es hinter sich gelassen zu haben. Aber in Seoul holt es Sebastian Kurz wieder ein: das Anspielen auf seine Jugend. Es ist Ban Ki-moon, ehemaliger UN-Generalsekretär und ausgewiesener Österreich-Freund, der den österreichischen Bundeskanzler bei einer Nachhaltigkeits-Konferenz als Keynote-Speaker vorstellt und dem staunenden Publikum erzählt, dass Kurz mit 27 Außenminister geworden ist („In dem Alter bin ich erst unten ins Außenministerium eingestiegen“, sagt Ban Ki-moon). Kurz sei ein „Symbol einer neuen Generation“, der jetzt schon als Regierungschef „sein Land verändert“.  Der solcherart Geschmeichelte schränkt ein: Er sei inzwischen gealtert, nicht in seiner Zeit als Außenminister, aber „im ersten doch anstrengenden Jahr als Bundeskanzler“.  Da tut es gut, rauszukommen in die weite Welt.

„If it is Thursday, this must be Korea.“ Frei nach dem legendären Film über US-amerikanische Touristen, die in sieben Tagen Europa bereisen („If it is Tuesday, this must be Belgium“), besuchten Kanzler Kurz, Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und eine große österreichische Delegation gestern Korea. Beziehungsweise dessen Hauptstadt Seoul, für mehr war ja dann doch keine Zeit.

Was man in weniger als 24 Stunden alles unterbringt:

 

Besagte Rede an der Yonsei Universität, wo Ban Ki-moon und Altbundespräsident Heinz Fischer schon auf den gerade erst gelandeten hohen Besuch aus Österreich warteten. Das Wiener Ban Ki-moon-Center ist Mitveranstalter des „Global Engagement and Empowerment Forums“ für nachhaltige Entwicklung, und Kurz absolviert eine Tour d‘horizon über eine Welt, deren „einzige Konstante die rasante Veränderung ist“. Nachhaltige Entwicklung sei ein Kompass der Orientierung beim Streben nach Friede, Gerechtigkeit und Wohlstand, sagte Kurz. Österreich liege beim weltweiten Nachhaltigkeitsindex auf Rang 9 und wolle Rang 5 erreichen.

Ein Arbeitsmittagessen mit Boo Keun Yoon, dem Vizevorsitzenden von Samsung. „Gerade im Bereich Digitalisierung können wir viel lernen von Südkorea und Japan, etwa was das 5 G-Netz in Südkorea anlangt“, sagte Kurz. Österreich wolle in Sachen 5 G an die Spitze der EU kommen, Korea sei es bereits weltweit.

Ein Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in im Blue House in Seoul und eines mit Ministerpäsident Lee Nak-yeon im Regierungsgebäude. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel vor dem neuerlichen Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un Ende des Monats war ebenso Thema wie die Lage in Europa (Brexit) sowie die Wirtschaftsbeziehungen – Südkorea ist immerhin nach China und Japan drittgrößter Exportmarkt Österreichs in Asien. Das bilaterale Handelshoch von 2,6 Milliarden Euro  sei bemerkenswert inmitten der Tendenzen des weltweiten Protektionismus, sagte Lee. Und jährlich besuchen mehr Südkoreaner Österreich (320.000) als Japaner.

Grundlagenforschung und Anwendung

Minister Faßmann hängte Termine an der Seoul National University und mit dem Wissenschaftsminister You Young Min an und unterzeichnete ein Kooperationsabkommen in Sachen Wissenschaft und Forschung. Faßmanns Neugier in Seoul: „Wie gelingt es, Forschungsergebnisse mit der wirtschaftlichen Praxis zusammenzubringen?“ Es gebe ja oft eine Kluft zwischen der Grundlagenforschung und der Anwendung, „und Korea hat diese Kluft gut überwunden“, sagte Faßmann dem KURIER. Und: Korea gebe 4,23 Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung aus (Österreich: 3,1). Der Premierminister wiederum streute Rosen für die österreichische Grundlagenforschung, Österreich habe immerhin 20 Nobelpreisträger hervorgebracht.

Heute heißt es dann für die Österreicher: If it is Friday, this must be Japan.