Julian Assange, der Nawalny des Westens?

Julian Assange, der Nawalny des Westens?
Der Whistleblower wird von rechts und links mit dem toten Kremlkritiker gleichgesetzt. Der Vergleich hinkt – Kritik an der juristischen Jagd auf Assange ist dennoch angebracht.

Umringt von Fotografen, Kameraleuten und Journalisten steht Stella Assange, Ehefrau des Wikileaks-Gründers und Menschenrechtsanwältin, vor dem Gerichtsgebäude des Londoner High Courts. "Dieser Fall ist ein Eingeständnis der Vereinigten Staaten, dass sie investigativen Journalismus kriminalisieren." Dann folgt ein Satz, der aufhorchen lässt: "Was Nawalny passiert ist, kann auch Julian passieren. Er muss freigelassen werden, diese Farce muss enden."

Stella Assange vergleicht den Fall ihres Mannes mit dem des in Haft verstorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny. Diese Kritik gegenüber den USA – und dem "scheinheiligen Westen" im Allgemeinen – griffen auch rechtspopulistische und weit links stehende Medien und Politiker auf: von der Schweizer Weltwoche über den rechtsextremen Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke ("Heute ist es #Nawalny im "autokratischen Rußland" morgen ist es vielleicht schon Julian #Assange im "freien Westen") bis zur Gefolgschaft des Bündnisses um Sahra Wagenknecht und zur linken Gruppierung DiEM25 des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis.

Indirekt wird damit das US-Justizsystem mit dem in Russland gleichgesetzt – und ein immer totalitärer agierender Staat, in dem Scheinprozesse zum Alltag gehören, relativiert.

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