Weißes Haus
04/10/2014

Kommt eine dritte Ära Bush?

Zuerst George, dann George W., jetzt Jeb: Der dritte Spross der Bush-Dynastie könnte ins Weiße Haus einziehen.

von Evelyn Peternel

Noch sind es Medienspekulationen, denn erst Ende des Jahres wird feststehen, ob er es wirklich macht. Doch die Chancen dürften nicht schlecht stehen: Jeb Bush, jüngerer Bruder von George junior und Sohn von George senior, werden Ambitionen auf das höchste Amt im Staat nachgesagt.

VonWashington PostundNew York Times abwärts berichten alle darüber, dass der jüngste Spross des Bush-Imperiums jener Mann sein soll, der sich im Präsidentschaftswahlkampf nach der Ära Obama behaupten könnte – denn die Kandidatin, mit der er es zu tun bekommen wird, ist alles andere als ein Leichtgewicht. Hillary Clinton soll 2016 das Weiße Haus für sich erobern wollen – und eine zweite Niederlage nach 2008 wird sie nicht riskieren.

Die Spekulationen werden vor allem dadurch genährt, dass der jüngere Bush-Bruder derzeit öfter öffentlich in Erscheinung tritt – und genau dort, wo es politisch klug erscheint: Ob nun bei den Evangelikalen im Süden, dem „Grand Old Party“-Großspender Sheldon Adelson oder beim 25-Jahr-Amtsjubiläum seines Vaters.

„Tweedledee and Tweedledum”

Großes politisches Talent wird dem heute 61-Jährigen schon seit Kindheitstagen attestiert – vor allem in den Augen seiner Eltern gilt der jüngere der beiden Bushs als das Goldkind der Dynastie. Dass es dennoch sein Bruder ins Oval Office geschafft hat und nicht er, dürfte allerdings genau mit dieser Erwartungshaltung zu tun haben.

George und sein kleiner Bruder kandidierten nämlich Anfang der 90er zeitgleich für Gouverneurs-Ämter; ein Familien-Rennen, das ihnen die Spitznamen „Tweedledee and Tweedledum” eintrug. Genau das stieß Barbara Bush, der Matriarchin des Clans, auf – ihre Kinder nahmen sich schließlich auch gegenseitig Spendengelder weg. Die Folge: George W., offenbar der sturere der beiden, setzte sich durch – „W. war getrieben vom Eifer, seine Eltern Lügen zu strafen – einer der stärksten Triebe der Welt“, begründet Maureen Dowd in derNew York Timesseinen Siegeszug.

Wenig konservative Konkurrenz

Doch jetzt scheint die Zeit für den jüngeren Bush aber reif. Und das, obwohl er seit sieben Jahren kein öffentliches Amt mehr bekleidet hat. Die Gründe dafür dürften in der mangelhaften Konkurrenz liegen: Rick Santorum, bei den republikanischen Vorwahlen 2012 Zweiter hinter John McCain, würde zwar gerne, ist der Grand Old Party aber vermutlich doch zu bibeltreu und antimodernistisch. Neben ihm hat sich noch Rand Paul in Stellung gebracht, der aber gerade im wichtigen außenpolitischen Feld eine Linie dem Isolationismus anhängt – in Zeiten von Krim-Krise und Weltwirtschaftskrise auch bei Konservativen nicht gern gesehen.

Und Kandidaten wie Ted Cruz, bekennender Tea-Party-Aktivist, und Chris Christie, der erst kürzlich in einen Skandal um die Sperrung einer Brücke aus politischen Eifersuchts-Motiven verwickelt war, werden von vornherein wenig Chancen zugestanden.

Gemäßigte Töne

„Viele wollen antreten, aber wer von denen hat schon das Kaliber für den Präsidentenjob?", fragt sich auch Jennifer Rubin, Kolumnistin der Washington Post. Jeb Bush scheint sich diese Stärke selbst zuzugestehen – möglicherweise glaubt er aber auch, zu viel davon zu haben. Zuletzt sorgte er für Irritationen, weil seine Linie in puncto Immigration so gar nicht konservativ klang; illegale Immigranten würden nicht aus Gier in die USA kommen, sondern zumeist nur, um für ihre Familie zu sorgen – einen „Akt der Liebe“ nannte dies der kleine Bruder von George W., der selbst seit 40 Jahren mit einer gebürtigen Mexikanerin verheiratet ist.

Dass dies in den Reihen der eher rechten Republikaner nicht nur für Freude sorgt, liegt auf der Hand. Aber vielleicht ist sogar das politisches Kalkül, mutmaßt so manch erzkonservativer Beobachter. Er wäre immerhin seit langem der erste republikanische Anwärter aufs Hohe Haus, der ganz bewusst andere Töne in der Grand Old Party anschlägt.

Die Kunst des George W. Bush

Den Zeitpunkt der Ausstellungseröffnung hat man wohl nicht mit Absicht so gewählt: Zufall also, dass zeitgleich in Afghanistan gewählt wird – 12 Jahre nach dem Sturz der Taliban, einem blutigen Umsturz, den der ausstellende Künstler herbeigeführt hat.

Der Künstler, das ist George W. Bush: Der einst mächtigste Mann der Welt hat jene Männer und Frauen porträtiert, die seine Amtszeit begleitet haben – Angela Merkel findet sich darunter, auch Tony Blair oder Vaclav Havel. 20 Werke des einstigen Herrschers über das Oval Office sind jetzt im eigenen Museum der Bush-Familie in Dallas zu sehen. Der Titel der Schau: "The Art of Leadership: A President's Personal Diplomacy." Bush ist damit in allen Medien vertreten – und ist vom einstigen Kriegstreiber zwar nicht zum Liebling der Kunstelite, aber immerhin zur liebevoll belächelten Netz-Ikone aufgestiegen.

Bilder der Ausstellung

„Wow, er ist ein Maler“

2005 spekulierte die New York Times noch darüber, ob Bush mit einem iPod in der Hand nicht die Aktien von Apple ins Bodenlose fallen lassen könnte – heute fragen Portale wie Buzzfeed sogar schelmisch danach, ob er nicht in der hauseigenen Tier-Abteilung gut aufgehoben wäre. Schließlich malt er mit Vorliebe seine Hunde, wenn er sich selbst nicht gerade in der Badewanne porträtiert. Vanity Fair nennt ihn gar ein „Hipster Icon“.

Bushs Unbeholfenheit, die ihm während seiner Amtszeit gerne Spott aus Europa eingetragen hat, passt nun viel besser – als Outsider-Künstler kann man schließlich viel leichter naive Dinge von sich geben. Von Jay Leno gefragt, was die Porträtierten denn wohl zu seiner Kunst sagen würden, meinte der einstige Präsident: „Ich denke, sie werden sagen: ‚Wow, George Bush ist ein Maler‘“.

Forrest-Gump-Kunst

Der Guardian stellte mit einem gewissen Maß an Traurigkeit fest, dass Bushs Kunst ihn sogar vermenschliche: Es sei, als „spräche man nett über das jüngste Kunstprojekt des Familienidioten“, schreibt das britische Blatt. Bushs Kunst sei irgendwie wie jene von Forrest Gump. Mit dem simplen Unterschied, dass Gumps politischer Einfluss sich in Grenzen hält.

Und dieser war bei Bush nicht zu verachten: Abseits des Internet-Hypes um seine Post-Polit-Aktivitäten gilt der 43. US-Präsident nach wie vor als eine der umstrittensten Führungspersonen der letzten Jahrzehnte; dies vor allem durch die US-Einsätze in Afghanistan und im Irak. Mehr als 600.000 tote Zivilisten im Irak und Afghanistan gehen auf das Konto dieser beiden Kriege – es ist also durchaus interessant, wie diese „zivilisierte Kunst eine überraschend große Menge an Blut einfach wegwischen“ kann, wie der Guardian passenderweise schreibt.

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