Insgesamt sollen 150 Peschmerga-Kämpfer bei der Verteidigung Kobanes helfen.

© REUTERS/YANNIS BEHRAKIS

IS-Terror
10/31/2014

Peschmerga in Kobane eingetroffen

Die seit Tagen erwartete Verstärkung ist eingetroffen. Zehn Fahrzeuge passierten die syrisch-türkische Grenze.

Die seit Tagen erwartete Verstärkung für die kurdischen Verteidiger der nordsyrischen Stadt Kobane ist eingetroffen. Im Schutz der Dunkelheit erreichte ein Konvoi mit Peschmerga-Kämpfern die belagerte Stadt, während Kampfflugzeuge der internationalen Koalition Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat angriffen.

Nach tagelangem Warten machte sich der aus dem Nordirak über die Türkei in Marsch gesetzte Konvoi mit rund 150 Peschmerga-Kämpfern auf den Weg in das belagerte Kobane. Für ihren Kampf gegen die IS hatten die Peschmerga auch schwere Waffen mitgebracht. Auf dem Weg zur Grenze jubelten kurdische Zivilisten den Kämpfern zu. Später bestätigte ein Sprecher der Kurden, dass der Konvoi sicher in der Stadt eingetroffen sei. Zuvor noch hatten Kampfflugzeuge der internationalen Koalition Stellungen der IS bei Kobane angegriffen.

Symbolischer Erfolg

Der IS belagert die vor allem von Kurden bewohnte Stadt seit Wochen. Die Extremisten beherrschen in Syrien bereits rund ein Drittel der Fläche des Landes. Ein Sieg in Kobane wäre für den IS militärisch, vor allem aber auch symbolisch ein großer Erfolg, da selbst US-Luftangriffe sie nicht hätten aufhalten können.

Die Regierung in Ankara hatte ihre Erlaubnis gegeben, dass die Peschmerga-Kämpfer über ihr Staatsgebiet nach Kobane verlegt werden dürfen. Sie tut sich jedoch mit jeder Hilfe für die kurdischen Volksschutzeinheiten dort schwer, da diese mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden sind. Die PKK ist in der Türkei als Terrororganisation verboten.

15.000 Islamisten als IS-Schlachtenbummler

Der Unterhaltungswert einer Videobotschaft von El-Kaida-Chef Al Zawahiri ist folgender: Ein Mann liest eine Botschaft dogmatischen Inhaltes, starres Bild, eine Stunde Text, Ende. Der Islamische Staat ist da prägnanter: Ein Leichen-Foto auf twitter hier, eine Koransure da, dazwischen ein Katzenfoto, auf das eine wüste Drohung folgt. Und das zieht – vor allem neue „Follower“ und „Liker“ an. Aber nicht nur das. Laut einem UN-Bericht haben sich seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges 15.000 Menschen aus mindestens 80 Staaten dem IS ("Islamischer Staat") und anderen dschihadistischen Gruppen in Syrien angeschlossen. Von einem Strom in „beispiellosem Ausmaß“ ist die Rede. Und von Herkunftsländern, die bisher keinerlei Probleme mit islamistischen Strömungen gehabt hätten. Und so würden plötzlich chilenisch-norwegische Dschihadisten um den Erdball reisen.

Es handelt sich um einen Bericht eines Sonderkomitees des UN-Sicherheitsrates, das sich mit der Beobachtung von El-Kaida befasst. Und betont wird darin vor allem die völlig unterschiedliche Kommunikationsstrategie des IS im Vergleich zu El Kaida: professionell, schnell, unter Einbeziehung neuer Kommunikationsmedien. Ungeachtet der formellen Trennung der beiden Organisationen wird der IS in dem Bericht jedoch als Splittergruppe der El Kaida betrachtet – mit denselben Zielen, jedoch mit einer anderen Strategie.

Tatsächlich werden die Zahlen an IS-Sympathisanten oder tatsächlichen Kämpfern beinahe täglich nach oben revidiert. US-Sicherheitskreise gehen derzeit laut Washington Post davon aus, dass monatlich rund 1000 Islamisten nach Syrien reisen. Und ungeachtet der Luftangriffe der Anti-IS-Allianz breitet sich der Islamische Staat aus. Nach tagelangen Kämpfen mit der syrischen Armee fiel dem IS am Freitag ein Gas-Feld nahe der strategisch wichtigen Stadt Homs in die Hände.

Die UNO will den IS jetzt mit lokalen Waffenstillstandszonen in Syrien besser bekämpfen – und Hilfslieferungen an die lokale Bevölkerung ermöglichen. Laut UN-Sondergesandtem Staffan de Mistura könnte eine Solche Zone etwa Aleppo umfassen, wo Syrische Armee und Rebellen der Freien Syrischen Armee FSA einander in einem aussichtslosen Stellungskrieg zu zermürben versuchen, während der IS gegenüber der FSA zunehmend an Boden gewinnt. Zuletzt hatte auch US-Verteidigungsminister Chuck Hagel eingeräumt, dass das Assad-Regime von den internationalen Luftschlägen profitiere.

Anschlag in Europa verhindert

Was in dem UN-IS-Bericht aber auch betont wird, ist die Herausforderung für die Heimatstaaten der Terrorkämpfer, die ein derartiger Zustrom eines Tages bringen wird – und auch schon bringt. Wie erst jetzt bekannt wurde, wurden bereits im März in der Schweiz drei Iraker mit angeblichen Verbindungen zum IS festgenommen, die einen Anschlag in Europa geplant haben sollen. Laut Anklageschrift ist von einer „Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht“ die Rede. Aus ermittlungstechnischen Gründen sei die Öffentlichkeit erst jetzt informiert worden.

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