Marketingmaschine IS – 1000 Islamisten reisen angeblich monatlich aus aller Welt nach Syrien

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Terrorismus
10/31/2014

15.000 Islamisten als IS-Schlachtenbummler

Der IS – und vor allem seine Anhängerschaft – gibt Rätsel auf. Laut UNO-Bericht haben 15.000 Ausländer aus 80 Staaten sich ihm angeschlossen

von Stefan Schocher

Der Unterhaltungswert einer Videobotschaft von El-Kaida-Chef Al Zawahiri ist folgender: Ein Mann liest eine Botschaft dogmatischen Inhaltes, starres Bild, eine Stunde Text, Ende. Der Islamische Staat ist da prägnanter: Ein Leichen-Foto auf twitter hier, eine Koransure da, dazwischen ein Katzenfoto, auf das eine wüste Drohung folgt. Und das zieht – vor allem neue „Follower“ und „Liker“ an. Aber nicht nur das. Laut einem UN-Bericht haben sich seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges 15.000 Menschen aus mindestens 80 Staaten dem IS ("Islamischer Staat") und anderen dschihadistischen Gruppen in Syrien angeschlossen. Von einem Strom in „beispiellosem Ausmaß“ ist die Rede. Und von Herkunftsländern, die bisher keinerlei Probleme mit islamistischen Strömungen gehabt hätten. Und so würden plötzlich chilenisch-norwegische Dschihadisten um den Erdball reisen.

Es handelt sich um einen Bericht eines Sonderkomitees des UN-Sicherheitsrates, das sich mit der Beobachtung von El-Kaida befasst. Und betont wird darin vor allem die völlig unterschiedliche Kommunikationsstrategie des IS im Vergleich zu El Kaida: professionell, schnell, unter Einbeziehung neuer Kommunikationsmedien. Ungeachtet der formellen Trennung der beiden Organisationen wird der IS in dem Bericht jedoch als Splittergruppe der El Kaida betrachtet – mit denselben Zielen, jedoch mit einer anderen Strategie.

Tatsächlich werden die Zahlen an IS-Sympathisanten oder tatsächlichen Kämpfern beinahe täglich nach oben revidiert. US-Sicherheitskreise gehen derzeit laut Washington Post davon aus, dass monatlich rund 1000 Islamisten nach Syrien reisen. Und ungeachtet der Luftangriffe der Anti-IS-Allianz breitet sich der Islamische Staat aus. Nach tagelangen Kämpfen mit der syrischen Armee fiel dem IS am Freitag ein Gas-Feld nahe der strategisch wichtigen Stadt Homs in die Hände.

Die UNO will den IS jetzt mit lokalen Waffenstillstandszonen in Syrien besser bekämpfen – und Hilfslieferungen an die lokale Bevölkerung ermöglichen. Laut UN-Sondergesandtem Staffan de Mistura könnte eine Solche Zone etwa Aleppo umfassen, wo Syrische Armee und Rebellen der Freien Syrischen Armee FSA einander in einem aussichtslosen Stellungskrieg zu zermürben versuchen, während der IS gegenüber der FSA zunehmend an Boden gewinnt. Zuletzt hatte auch US-Verteidigungsminister Chuck Hagel eingeräumt, dass das Assad-Regime von den internationalen Luftschlägen profitiere.

Anschlag in Europa verhindert

Was in dem UN-IS-Bericht aber auch betont wird, ist die Herausforderung für die Heimatstaaten der Terrorkämpfer, die ein derartiger Zustrom eines Tages bringen wird – und auch schon bringt. Wie erst jetzt bekannt wurde, wurden bereits im März in der Schweiz drei Iraker mit angeblichen Verbindungen zum IS festgenommen, die einen Anschlag in Europa geplant haben sollen. Laut Anklageschrift ist von einer „Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht“ die Rede. Aus ermittlungstechnischen Gründen sei die Öffentlichkeit erst jetzt informiert worden.

Kurden rufen zu weltweiten Solidaritäts-Protesten auf

Kurdische Gruppen haben für diesen Samstag zu weltweiten Solidaritäts-Protesten für die von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bedrängte syrische Stadt Kobane aufgerufen. "Am 1. November soll überall auf der Welt gezeigt werden, dass der Widerstand von Kobane gegen den IS-Faschismus nicht allein ist", teilte das Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit am Freitag mit.

In Österreich sind Demonstrationen in Wien, Graz, Linz und Salzburg geplant. In Deutschland wurde zu Demonstrationen unter anderem in Berlin und Hamburg aufgerufen. Auch in der Schweiz und zahlreichen anderen Ländern wurden Proteste geplant.

In der Türkei, wo die meisten Kurden leben, warnte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu vor gewalttätigen Demonstrationen. "Ich fordere unsere Bürger auf: Nehmt nicht an solchen Gewalttaten teil", sagte Davutoglu nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag. "Die Störung der öffentlichen Ordnung wird nicht erlaubt werden."

Bei Protesten im Zusammenhang mit Kobane waren in der Türkei in der ersten Oktoberhälfte mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. Viele davon starben bei Zusammenstößen von Islamisten mit kurdischen Nationalisten. Kurdische Gruppen werfen der Türkei vor, einem drohenden Fall der Grenzstadt Kobane an den IS tatenlos zuzusehen.

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