IS-Terror in Moskau: Bereits 143 Tote, Russland hat den Westen im Visier

Aftermath of deadly attack on Moscow concert hall
Russische Ermittler prüfen eine Verwicklung der USA und anderer Staaten. Großbritannien weist das als "völligen Unsinn" zurück.

Nach dem Terroranschlag auf eine Konzerthalle bei Moskau ist die Zahl der Toten auf 143 gestiegen. Ein Verletzter sei im Krankenhaus gestorben, teilte die Gesundheitsbehörde des Gebietes Moskau am Mittwoch mit. "Die Ärzte haben alles Mögliche getan", sagte Behördenleiter Michail Muraschko der Agentur Tass zufolge. Weitere 80 Opfer des Anschlags lägen in Kliniken in Moskau und im Umland, darunter sechs Kinder. Bei vier Patienten sei der Zustand sehr kritisch, so Muraschko.

Russische Ermittler prüfen eine mögliche Verwicklung des Westens in den Anschlag auf eine Konzerthalle bei Moskau. Dies geschehe auf Bitten von Abgeordneten, teilte die Ermittlungsbehörde am Mittwoch in Moskau mit. Untersucht werde eine mögliche "Organisation, Finanzierung und Durchführung von Terroranschlägen" gegen Russland seitens der USA und anderer westlicher Länder.

Am Dienstag hatte der Direktor des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, erklärt, Geheimdienste westlicher Staaten sowie der Ukraine hätten den Anschlag gebraucht, um Panik in Russland auszulösen. "Die USA, Großbritannien und die Ukraine stecken hinter dem Anschlag auf die Moskauer Konzerthalle." Allerdings hat sich ein Ableger der radikalen IS-Miliz mehrfach zu dem Anschlag bekannt.

Entsetzen und Mitgefühl

Die Ukraine hatte den Vorwurf einer Beteiligung an dem Attentat auf die Konzerthalle Crocus City Hall umgehend als Lüge bezeichnet. Der US-Regierung zufolge gibt es keine Anhaltspunkte für eine Verwicklung der Ukraine. Der britische Außenminister David Cameron schrieb auf dem Kurznachrichtendienst X: "Russlands Behauptungen über den Westen und die Ukraine im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Crocus City Hall sind völliger Unsinn."

Viele Staaten hatten ihr Entsetzen wegen des Anschlags und ihr Mitgefühl für die Opfer erklärt - darunter die USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und die Ukraine. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sagte dazu am Mittwoch, Russland sei dankbar für die Worte der Unterstützung und des Mitgefühls, die es aus der ganzen Welt erhalten habe.

Moskau-Terroranschlag: Drei Verdächtige bekennen sich schuldig

Der radikal-islamische ISPK, der afghanische Ableger der Extremisten-Organisation Islamischer Staat (IS), hat sich zu dem Anschlag bekannt, bei dem am Freitagabend mindestens 139 Menschen ums Leben kamen. Die Regierungen in Paris und Washington erklärten, sie hätten Geheimdienstinformationen, wonach die militante Gruppe tatsächlich hinter dem Attentat steckt.

Einschüchterungsversuche?

Gleichwohl sagte Sacharowa, es sei "extrem schwer zu glauben", dass der Islamische Staat die Kapazität habe, den Anschlag auf die Konzerthalle auszuführen. Auch der russische Präsident Wladimir Putin hatte umgehend die Ukraine für den Anschlag verantwortlich gemacht. Am Montag erklärte er jedoch, dass radikale Islamisten hinter der Tat steckten. Allerdings passe der Angriff auch zu ukrainischen Einschüchterungsversuchen, sagte er. "Diese Gräueltat ist möglicherweise nur ein Glied einer Kette von Versuchen, derjenigen, die sich seit 2014 durch die Handlungen des neonazistischen Kiewer Regimes im Krieg mit unserem Land befinden."

Russland hatte im März 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. Am 24. Februar 2022 begann Russland die großangelegte Invasion seines Nachbarlandes.

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