Tausende Tote, Milliardenkosten: Die düstere Bilanz nach fünf Wochen Krieg
Der Krieg begann mit dem Tod des Ayatollah Ali Khamenei, ausgeschaltet von einer israelischen Rakete am Morgen des 28. Februar. Vierzig Tage später ist der Konflikt erstmals pausiert, nachdem sich der Iran mit den USA und Israel auf eine Waffenruhe einigen konnte, die im besten Fall dauerhaft halten soll. Eine erste Bilanz dieser knapp fünf Wochen fällt schon jetzt verheerend aus – obwohl sie in weiten Teilen noch unvollständig ist.
Iran: Mindestens 3.600 Tote
Vor allem im Iran sind die kolportierten Zahlen kaum belastbar. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) geht dort von rund 1.900 Toten und 20.000 Verletzten aus. Die US-Menschenrechtsorganisation HRANA schätzt die Todeszahl in ihrem neuesten Bericht dagegen auf mindestens 3.600, darunter seien mindestens 1.700 Zivilisten und 250 Kinder. Nicht inkludiert sind die 104 iranischen Soldaten, die Anfang März vor der Küste Sri Lankas starben, als ihr Schiff von einem US-U-Boot versenkt wurde.
Laut Angaben des US-Zentralkommandos (CENTCOM) seien 13.000 Ziele im Iran beschossen worden, der Großteil davon Militärstellungen und Infrastruktur. Analysten beschreiben jedoch zahlreiche Angriffe auf zivile Infrastruktur – etwa auf die größte Brücke des Landes, die Teheran mit der Großstadt Karaj verbinden sollte und vorige Woche kurz vor der Inbetriebnahme von US-Raketen zerstört wurde.
Der Iran-Experte Vali Nasr von der Johns-Hopkins-Universität zählt massive Schäden an mehr als 30 Universitäten, 700 Schulen und Zehntausenden Wohngebäuden auf: „Hier wurden politische, soziale, industrielle und wirtschaftliche Einrichtungen zerstört, die oft mehr als einhundert Jahre alt waren.“ Die iranische Regierung berichtete zudem von mehr als 2.000 Angriffen auf das Stromnetz.
Eine der zahlreichen Drohungen Donald Trumps in den letzten Tagen war es, den Iran „zurück in die Steinzeit“ bomben zu wollen. Auch wenn das Ausmaß der Schäden im Land noch nicht restlos geklärt ist, meint Nasr: „Es wird etliche Jahre dauern, die zerstörte Infrastruktur wiederaufzubauen“, was durch die aufgrund von US-Sanktionen eingeschränkten Importe zusätzlich erschwert werde.
USA: Nur 13 tote Soldaten
Aufseiten der USA sind die Verluste dagegen überschaubar. Lediglich 13 US-Soldaten kamen ums Leben, etwa 300 wurden verwundet. Das American Enterprise Institut (AEI) schätzt die Kosten des Krieges für das US-Militär auf bis zu 31 Milliarden Dollar.
Der Großteil entfällt auf verschossene Munition und die kostspielige Verlegung Tausender Soldaten. Die Kosten für zerstörtes oder beschädigtes Material würden etwa 3,6 Milliarden ausmachen. Am teuersten sei die nötige Reparatur des Flugzeugträgers Gerald R. Ford. Schmerzhafter ist dagegen der Verlust vergleichsweise billiger Systeme, deren Nachbau jedoch Jahre dauert: Radarsysteme und Aufklärungsflugzeuge.
Golfstaaten bleiben einstellig, viele Tote im Irak
Kein Golfstaat hat die Schäden bisher beziffert, fast alle verzeichneten einstellige Todeszahlen – nur die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) geben 14 Tote an. Im Irak starben bisher 117 Menschen, darunter Zivilisten sowie Mitglieder der Iran-treuen schiitischen Milizen und US-treuen kurdischen Milizen im Land.
Mehr als 1.500 Tote im Libanon
Israel beziffert die bisherigen Kosten des Krieges für seine Streitkräfte auf etwa 17 Milliarden Dollar. Den Großteil davon verschlingt jedoch die Bodenoffensive im Libanon, an der sich das US-Militär nicht beteiligt.
Auch hierbei zeigt sich ein massives Ungleichgewicht: Während rund 400 Hisbollah-Kämpfer getötet worden sein sollen, starben in Israel bei Raketenangriffen bisher 23 Zivilisten, dazu vier im Westjordanland und elf israelische Soldaten im Libanon. Die libanesische Regierung – die nicht mit der Hisbollah verbündet ist – spricht dagegen von mehr als 1.500 Toten im Land, darunter 130 Kinder. Hinzu kommen zehn Soldaten der Armee und drei Blauhelme der UNIFIL-Friedenstruppe, die bei israelischen Luftschlägen getötet wurden.
Zumindest dieses Leiden wird weitergehen: Laut Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll die Waffenruhe nicht für Israels Krieg gegen die Hisbollah gelten.
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