Iran-Krieg: Warum Trump im letzten Moment kehrt machte

Am Dienstag drohte Trump noch mit der "Auslöschung der Zivilisation“ des Iran, nun schweigen die Waffen für 14 Tage. Wie kam es zum Rückzieher? Und was passiert in zwei Wochen?
U.S. Präsident Donald Trump

Selbst für Donald Trump war diese Ansage eine Grenzüberschreitung. "Eine gesamte Zivilisation wird heute Nacht sterben und nie wieder zurückkommen“, hatte er den Mullahs Dienstagmorgen auf Truth Social gedroht. Zwölf Stunden später folgte dann der Rückzieher: 88 Minuten vor Ablauf seines Ultimatums zur Öffnung der Straße von Hormus verkündete er lapidar, er werde die Deadline um zwei Wochen verschieben, wenn der Iran die Meeresenge freigibt. Teheran akzeptierte – und feierte das als Sieg, ebenso wie Trump.

Hat Trump wieder zurückgezogen, was ihm bereits den Beinamen TACO (Trump always chickens out – Trump kneift immer) eingetragen hat? Oder sind die Mullahs eingeknickt? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

Was hat Donald Trump erreicht?

Er hat die Öffnung der Straße von Hormus und eine zweiwöchige Verhandlungsphase erwirkt. Zwar hatte er erst vor wenigen Tagen behauptet, dass ihn die Straße von Hormus nicht interessiere und andere Staaten, die Öl bräuchten, für die Öffnung im Alleingang sorgen müssten. Jetzt verkauft er die Öffnung als Sieg, auch wenn die nur unter den Bedingungen des Iran stattfindet – Teheran überwacht jedes Schiff und kassiert für die Durchfahrt Gebühren in Höhe von zwei Millionen Euro pro Schiff.

Dazu behauptet Trump, er habe sein Kriegsziel, den kompletten Regimewechsel, erreicht. Das stimmt zwar auf personeller Ebene, da beinahe das gesamte Führungspersonal der Islamischen Republik gezielt getötet oder ausgetauscht wurde. Die neuen Gesichter sind aber keineswegs moderater oder US-freundlicher als die alten.

Wie kam es zum Waffenstillstand?

Über Vermittlungen Dritter. Trump hatte mehrfach behauptet, US-Unterhändler hätten Irans Vertreter getroffen, Teheran hat das aber immer abgestritten. Nun haben intensive diplomatische Bemühungen Pakistans sowie ein Drängen Chinas die Iraner wohl zur Annahme des Deals bewegt.

Hat der Iran nachgegeben?

Das ist umstritten. In den vergangenen Tagen hatte Trump seine Rhetorik zusehends verschärft. Er drohte mit der Zerstörung von Kraftwerken und Brücken, was einem Kriegsverbrechen gleichkäme. Im Iran verließen daraufhin viele Menschen die Städte, um Angriffen zu entgehen.

Ob das Teheran zum Einlenken gebracht hat, ist umstritten – das Regime hat Drohungen solcher Art bisher immer in den Wind geschlagen, und in vielen arabischen Staaten herrschte sogar Angst, dass Teheran nun noch aggressiver agieren würde. Eingelenkt dürfte Teheran eher haben, weil China interveniert hat – Peking ist der wichtigste Abnehmer iranischen Öls, von dem der Großteil durch die Straße von Hormus transportiert wird.

Ist Donald Trump eingeknickt?

Das sagen zumindest seine Kritiker. Zuletzt hieß es immer öfter, er suche vehement nach einem Ausweg aus dem Krieg, da mit den steigenden Spritpreisen seine Umfragewerte ins Bodenlose sinken und selbst im eigenen Lager die Risse immer größer werden. Dazu kommt, dass jeder Tag Krieg Unsummen kostet und sich die US-Waffenbestände zusehends leeren – nicht zu reden von den Zwischenwahlen, die im Herbst anstehen.

Ein Indiz dafür, dass Trump wohl eingeknickt ist, ist seine Erwähnung des iranischen Zehn-Punkte-Plans in seinem Truth-Social-Posting als Basis für Gespräche. Der Iran fordert darin den Abzug aller US-Soldaten, ein Ende der Sanktionen, die Aushändigung eingefrorener Staatsvermögen, die volle Kontrolle über die Straße von Hormus sowie Entschädigungszahlungen für die Zerstörung der vergangenen fünf Wochen – dem können die USA nur schwer zustimmen.

Gab es auch internen Druck auf Trump?

Kurz vor seinem Rückzug veröffentlichten die New York Times einen Vorabdruck eines Buchs der Journalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan, in dem sie Israels Premier Benjamin Netanjahu bezichtigten, Trump zum Krieg überredet zu haben. Er habe dem US-Präsidenten einen sicheren Sieg samt Regimewechsel versprochen, obwohl CIA-Direktor John Ratcliffe das als "lächerlich" bezeichnet und der Generalstab große Bedenken gehabt haben soll.

Das setzte Trump ebenso zu wie wachsender Widerstand innerhalb des Militärs gegen seine Auslöschungsfantasien. Das US-Zentralkommando sperrte sich wohl auch praktisch dagegen: Laut dem Wall Street Journal sei die Zahl der vom Central Command genehmigten Angriffsziele im Iran "weit geringer" gewesen als von Trump angedroht – zivile Ziele seien keine darunter gewesen.

Druck dürfte Trump auch von seinen Silicon-Valley-Sponsoren bekommen haben. Viele Financiers der amerikanischen KI-Revolution stammen aus der Golfregion; sie haben den Tech-Firmen zu verstehen gegeben, dass sie sich zurückziehen würden, wenn Trump den Krieg eskaliert.

Was ist eigentlich mit dem Uran, dem eigentlichen Kriegsauslöser?

Die 440 Kilogramm angereichertes Uran, die der Iran laut Trump dazu ja nützen will, um eine Atombombe zu bauen, wurden von den US-Streitkräften im Kriegsverlauf nie gefunden. Sie dürften zumindest zum Teil in der Nähe der Atomanlage Isfahan lagern, wo am Wochenende ein abgeschossener US-Offizier mit einem riskanten Militäreinsatz gerettet wurde.

Donald Trump sagte nun, er werde sich "darum noch kümmern" – sonst hätte er der Waffenruhe nicht zugestimmt. Wer das tun würde und wie das aussehen soll, ließ er allerdings offen. Teheran hat allerdings offenbar andere Vorstellungen davon, wie mit dem radioaktiven Material umzugehen ist: In der Farsi-Version des Zehn-Punkte-Plans taucht ein Passus namens "Zustimmung zur Anreicherung" auf – in der englischen Version, die iranische Diplomaten an Journalisten weitergaben, fehlt dieser Begriff.

Wie soll es nun weitergehen?

In den kommenden zwei Wochen soll genau über diese offenen Fragen verhandelt werden. Angeführt werden könnten die Gerüchten zufolge von US-Vizepräsident JD Vance. Er gehörte bisher zu den größten Kriegsskeptikern, soll aber laut US-Medien bei den Iranern als Verhandler mehr Glaubwürdigkeit besitzen als Trumps derzeitige Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner.

Die Positionen sind allerdings sehr weit auseinander. Dass Trump all den Forderungen des Iran in dessen Zehn-Punkte-Plan zustimmt, ist unwahrscheinlich das wäre ein schlechterer Deal als alle, die seine Vorgänger je mit dem Iran geschlossen haben. Kritiker bemängeln sogar, dass Trump dem Iran bereits jetzt die volle Kontrolle über die Straße von Hormus zugestanden hat bis zum Angriff der USA und Israels hatte Teheran diese Handhabe nämlich nicht.

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