Waffenstillstand: Wie es jetzt mit Irans geheimem Atomprogramm weitergeht

Teheran beharrt vorerst auf wichtigen Teilen seines Atomprogramms. Trump hat dessen endgültiges Aus angepeilt.
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Es sind rund 400 kg Uran, der radioaktive Anteil so hoch angereichert, dass man das Material sehr schnell für eine Atombombe scharf machen kann: Das ist die wahrscheinlich wichtigste Errungenschaft des Atomprogramms, das der Iran seit mehr als zwei Jahrzehnten betreibt. Wo sich dieses Uran allerdings befindet, darüber gibt es vorerst nur Rätselraten und wilde Theorien. Zuletzt vermutete das Regime in Teheran sogar, die Hollywood-reife Rettungsoperation zur Rettung eines abgeschossen US-Kampfjet-Piloten sei lediglich Tarnung gewesen, um in einer Kommandooperation das Uran aus seinem Versteck im Iran zu bergen. Die sei gescheitert.

Iran will weiter Uran anreichern

Ob der Iran bereit ist, das Material freiwillig zu übergeben, ist vorerst unklar. In dem 10-Punkte-Plan, den das Regime vorgelegt hat, und über den nun verhandelt wird, ist zumindest in einer Version die Fortsetzung der Uran-Anreicherung enthalten. Trump dagegen hüllt seine Haltung jetzt in großspurige, aber unscharfe Formulierungen: Um das Atomprogramm werde man sich "perfekt kümmern".

Gezielte Tötungen und Zerstörungen 

Tatsächlich steht das Atomprogramm nicht erst in diesem Krieg im Brennpunkt der Angriffe der USA und Israels. Schon bei den großen Luft-Offensiven im Vorjahr, die inzwischen als 12-Tages-Krieg bezeichnet werden, nahmen die Kampfjets vorrangig die Anlagen des iranischen Atomprogramms ins Visier. So wurden die Hallen mit tausenden Anreicherungs-Zentrifugen angegriffen und großteils zerstört. Unbekannt aber blieb, welche Teile des Atomprogramms schon zu diesem Zeitpunkt in unterirdische Anlagen verlegt worden waren, etwa jene in Fordo südlich von Teheran. Die US-Luftwaffe setzte dort auch spezielle bunkerbrechende Bomben ein, wie erfolgreich, blieb umstritten.

 

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Sattelitenaufnahme einer mutmaßlich zerstörten iranischen Atomanlage

Israel wiederum betreibt seit Jahren die gezielte Tötung iranischer Atomwissenschaftler. In Friedenszeiten wurden die von Agenten des Geheimdienstes Mossad ermordet, etwa durch ferngezündete Sprengsätze. Im Rahmen der jetzigen Luftangriffe gab es zahlreiche Operationen, die gegen Forschungsinstitute an Universitäten im ganzen Land gerichtet waren. Noch vor wenigen Tagen wurde ein Labor angegriffen, an dem mutmaßlich an Raketen geforscht wurde. Israel besitzt Informationen über das gesamte iranische Netzwerk an Wissenschaftlern in sämtlichen Bereichen, die mit dem Atomprogramm und dem Bombenbau in Verbindung stehen- und das bis zu jungen Forschern, die gerade an ihrer Doktorarbeit arbeiten. Auch von denen kamen in den vergangenen Wochen Dutzende ums Leben, wurden gezielt getötet.

Ein Atomprogramm unter Kontrolle - oder gestoppt?

Ob Teile des Atomprogramms auch in Zukunft aktiv bleiben können, wird Gegenstand der Verhandlungen sein. Zuletzt international geregelt wurde das durch das in Wien geschlossene Atomabkommen von 2015. Schon damals verpflichtete sich das Mullah-Regime, nur eine geringe Menge von Uran zu behalten und den Rest abzuliefern. Damals übernahm Russland große Teile des Materials. Auch das Raketenprogramm wurde reduziert, aber nie vollständig eingestellt.

Mit Trumps Aufkündigung dieses Atomdeals 2018 während seiner ersten Amtszeit begann Teheran wieder die Urananreicherung zu beschleunigen, stellte neue schnellere Zentrifugen in Dienst und trieb sein Raketenprogramm voran. Ob der jetzt angepeilte Deal die atomaren Ambitionen des Mullah-Regimes tatsächlich endgültig stoppt, oder wieder nur unter Kontrolle stellt, ist noch unklar. Auf die Herausgabe der 400 Kilogramm hochangereicherten Urans wird Trump wohl kaum verzichten können.

  

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