Iran-Lagebericht, Tag 5: Hisbollah unter Druck, Verstärkung für Zypern
Die Lage im Iran-Krieg bleibt unübersichtlich. Wir versuchen täglich, Ihnen die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden auf einen Blick zusammenzufassen.
© REUTERS/Shir Torem
Seit Samstag tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten. Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe gegen den Iran unentwegt fort, der reagiert mit großflächigen Drohnen- und Raketenangriffen auf fast alle Staaten der Region. Dieses Briefing bietet einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse der letzten 24 Stunden in betroffenen Ländern.
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Iran
- Zehnte Angriffswelle: Israel und die USA bombardierten erneut etliche Ziele im Iran. Wie in den Tagen zuvor geriet die Hauptstadt Teheran besonders stark unter Beschuss. Ein israelischer F-35-Kampfjet schoss über Teheran einen iranischen Jak-130-Flieger vom Himmel. Das war der erste abgeschossene iranische Kampfjet seit Kriegsbeginn. Israel und die USA halten weiter die Lufthoheit.
- Die Begräbniszeremonie für den getöteten Ayatollah Ali Khamenei soll am Mittwochabend beginnen und drei Tage andauern.
- Als aussichtsreichster Nachfolger gilt offenbar dessen Sohn Mojtaba Khamenei. Israel werde jeden Nachfolger sofort töten, wenn er sich ähnlich extrem äußern sollte wie Ali Khamenei, drohte Israels Verteidigungsminister Israel Katz.
- Warum das wichtig ist: Unter Ayatollah Ali Khamenei war das erklärte Ziel der islamischen Republik Iran die Zerstörung Israels und der USA. Es ist zu erwarten, dass sein Sohn sich ähnlich äußern wird. In diesem Fall dürfte er sofort zum Ziel neuer israelischer Angriffe werden.
Libanon
- Israels Armee rückte im Süden des Libanon weiter vor und besetzte neue Gebiete, die Lage blieb am Mittwochvormittag unübersichtlich. Bei Luftangriffen auf zwei Dörfer sollen sechs Menschen getötet worden sein.
- Israel bombardierte ein Hotel in einem Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut. Dabei seien fünf Menschen getötet worden, eine Rezeptionistin sei schwer verletzt. Insgesamt wurden im Libanon seit Montag 40 Menschen getötet.
- Warum das wichtig ist: In vergangenen Konflikten griff Israels Armee im Libanon fast immer nur Gebiete an, die von der Hisbollah kontrolliert werden: Den Süden des Landes, die Bekaa-Ebene im Osten und die südlichen Vororte Beiruts. Der Angriff auf das Hotel ist deshalb eine Grenzüberschreitung: Es liegt nicht in einem Stadtteil, der von der Hisbollah kontrolliert wird.
Israel
- Die 17. Angriffswelle iranischer Raketen und Drohnen flog in der Nacht auf Mittwoch in Richtung Israel, vor allem auf die Küstenmetropole Tel Aviv und auf die nördliche Hafenstadt Haifa.
- Auch aus dem Libanon flogen Raketen in Richtung der israelischen Grenze.
- Verletzte gebe es keine, fast alle Geschosse seien abgefangen worden, so Israels Regierung. Am Dienstag seien 45 Menschen verletzt worden.
- Warum das wichtig ist: Die israelische Luftraumverteidigung hält den Luftangriffen aus dem Iran und dem Libanon vorerst weiter stand. Nur vereinzelt kamen Geschosse durch, am Mittwoch gab es jedoch vorerst keine weiteren Toten.
Vereinigte Arabische Emirate (VAE)
- Ein Drohnenangriff auf Dubai löste einen Brand in der Nähe des US-Konsulats aus. Es gab keine Verletzten.
- Der US-Militärstützpunkt al-Udeid wurde von einer iranischen Rakete getroffen. Auch hierbei gab es keine Opfer.
- Warum das wichtig ist: In den VAE, vor allem in der Touristenmetropole Dubai, sitzen nach wie vor Tausende internationale Touristen fest. Sie werden in diesen Tagen nach und nach mit Charterflügen auf Kosten der Regierung ausgeflogen. Die VAE verzeichneten seit Samstag mehr als 1.000 iranische Angriffe.
Syrien
- Die syrische Armee postierte in der Nacht auf Mittwoch tausende Soldaten und etliche Raketeneinheiten an die Grenze zum Libanon. Das sei eine "Verteidigungsmaßnahme gegen jede Aktion, die die Hisbollah gegen Syrien starten könnte".
- Warum das wichtig ist: Syrien war unter dem Ex-Dikator Baschar al-Assad eng mit der Hisbollah im Libanon verbündet. Der jetzige syrische Führer Ahmed al-Saraa war einst selbst ein islamistischer Miliz-Kämpfer - diese Aktivität zeigt aber, dass er sich offenbar von der Hisbollah abwendet.b
Katar
- Zehn mutmaßliche iranische Spione wurden am Mittwoch in Doha festgenommen. Sie hätten Verbindungen zu den Revolutionsgarden und wollten militärische Infrastruktur ausspionieren, so die katarische Regierung.
- Warum das wichtig ist: Katar trat in den Monaten zuvor als Vermittlerstaat auf, vor allem zwischen Israel und den vom Iran unterstützten Terrormilizen Hamas und Hisbollah. Dass der Kleinstaat trotzdem ins Visier gerät, könnte seine Haltung zum Iran in Zukunft beeinflussen.
Irak
- Eine US-Militärbasis in der Nähe von Bagdad wurde von einer Drohne getroffen, aber nicht beschädigt.
- Kämpfer einer islamistischen Miliz griffen in der Kurdenregion, in Erbil, ein Hotel an, in dem US-Soldaten untergebracht waren.
- Warum das wichtig ist: Der Irak befindet sich kurz nach der letzten Parlamentswahl in einem Regierungsbildungsprozess. Dieser wird durch den aktuellen Krieg extrem erschwert, weil im Land US- und Iran-freundliche Parteien und Strömungen einander gegenüberstehen.
Zypern
- Ein "verdächtiges Flugobjekt" aus dem Libanon flog am Mittwochvormittag in Richtung Zypern. Die Regierung schloss daraufhin den Luftraum, entwarnte aber gleichzeitig, es gäbe "keinerlei Anzeichen, dass eine Bedrohung für das Land vorliegt".
- Warum das wichtig ist: Zypern ist EU-Mitglied. Ein Angriff auf den Inselstaat würde also die Beistandsklausel des EU-Vertrags aktivieren, EU-Staaten müssten also zur Hilfe eilen. Griechenland brachte deshalb zwei F-16-Kampfjets und zwei Fregatten nach Zypern, Frankreich schickt eine Fregatte sowie Luftabwehr- und Anti-Drohnen-Systeme. Großbritannien, das eine große Basis auf Zypern betreibt, schickt einen Zerstörer.
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