Proteste gegen TTIP mehren sich - Absage wäre für Thaler ein Fehler.

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Interview
09/04/2016

Absage an TTIP sei ein Fehler: "Man vergibt eine Chance"

Der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Los Angeles, Rudolf Thaler, über die Bedeutung von TTIP.

von Daniela Kittner

KURIER: Herr Thaler, immer mehr Politiker gehen auf Distanz zum Freihandelsabkommen der EU mit den USA. Wie wichtig ist TTIP für Europa?

Rudolf Thaler: 40 Prozent des Welthandels spielen sich derzeit zwischen Europa und den USA ab. Für Europa ist TTIP die Chance, ein Gegengewicht zur tektonischen Verschiebung der Marktdynamik vor allem in Richtung Asien zu schaffen.

Wie bedeutend ist TTIP speziell für Österreich?

Österreich verdient sechs von zehn Euro im Ausland, und die USA sind inzwischen zum zweitwichtigsten Exportmarkt für heimische Unternehmen aufgestiegen.

Aber das hat ja auch ohne TTIP funktioniert.

Schon. Aber ohne TTIP vergibt man eine Chance. TTIP würde für die Exportwirtschaft weniger Bürokratie, Kosten und Zölle bedeuten und Zertifizierungen, die aufwendig und teuer sind.

Im US-Wahlkampf wird Stimmung gegen Freihandel gemacht. Ist das Zustandekommen von TTIP noch realistisch?

Es wird vor allem gegen den Freihandel mit Mexiko und gegen das transpazifische Abkommen mit Asien Stimmung gemacht. Das ist mit TTIP nicht vergleichbar, weil es sich um Wirtschaftsräume mit sehr unterschiedlichem Entwicklungsniveau handelt. TTIP spielt in den US-Medien kaum eine Rolle.

Was halten Sie von der Chlorhuhn-Debatte in Österreich?

Etwas Schauerliches herauszupicken und das ganze Abkommen auf das Chlorhuhn zu reduzieren – von dieser unsachlichen Ebene sollte man wegkommen. Wenn man ehrgeizig mit den USA verhandelt und ein gutes Ergebnis erzielt, wird man die Österreicher für das Abkommen gewinnen können. Man sollte am Ball bleiben.