Einige Stunden gab es selbst für Diktator Kim Jong-Un zumindest auf dem Computer nichts zu sehen. Ganz Nordkorea war offline.

© APA/EPA/RODONG SINMUN

Internet
12/23/2014

Nordkorea stundenlang komplett offline

Das ganze Land blieb zehn Stunden offline – ein möglicher Rache-Hackerangriff?

von Ingrid Steiner-Gashi

Als Internetgroßmacht ist das kommunistische Nordkorea nicht gerade bekannt. Doch dass das Reich Kim Jong-Uns am Dienstag fast zehn Stunden offline blieb, war auch für das Regime in Pjöngjang eine herbe Erschütterung. Eine offizielle Erklärung für den Totalausfall gab es freilich nicht.

Weltweit schossen sofort die Gerüchte ins Kraut: Nordkorea sei Opfer eines sogenannten Überlastungsangriffs geworden. Dabei werden die Server mit so vielen Anfragen überhäuft, bis sie zusammenbrechen.

Für das Internet-Entwicklungsland Nordkorea ist dabei kein gigantischer Aufwand nötig: Das Land verfügt nur über vier Netzwerke und rund 1000 IP-Adressen – damit könnte man in Europa ein Dorf ans Netz anschließen. Der Angriff könnte also auch von einer privaten Hackergruppe gestartet worden sein. Er könnte aber auch eine Art Cyber-Retourkutsche der USA für den mutmaßlichen nordkoreanischen Hackerangriff auf den Sony-Konzern in Hollywood gewesen sein. Sicherheitsexperten gaben jedoch zu bedenken: „Das ist nicht die Art und Weise, wie Regierungen arbeiten.“

Immer offline

An der überwiegenden Mehrheit der rund 24 Millionen Nordkoreaner ist der Internet-Ausfall ohnehin spurlos vorübergegangen – nur die allerwenigsten Mitglieder der militärischen und politischen Elite des Landes sowie einige Universitäten haben überhaupt Internet-Zugang.

Selbst Mobiltelefone haben noch immer Seltenheitswert. Knapp zwei Millionen Geräte sind mittlerweile im Umlauf, doch telefonieren kann man damit nur im eigenen Land. Smartphones gibt es zwar, aber Internetanbindung gibt es keine.

Eine Leitung ins Ausland steht nur jenen rund 400 Ausländern zur Verfügung, die in Nordkorea leben – und sie wiederum können niemanden in Nordkorea anrufen. Zu groß ist die Angst des Regimes, es könnte die Kontrolle über seine Bevölkerung verlieren. Nachrichten könnten hereinkommen, die das hermetisch abgeschottete Regime unbedingt draußen halten will.

Bis vor zwei Jahren mussten sogar Ausländer bei der Einreise ihr Handy am Zoll abgeben. Erst bei der Ausreise erhielten sie es wieder zurück. Mittlerweile dürfen Touristen ihr Mobiltelefon mitnehmen, aber nur mit einer nordkoreanischen SIM-Card telefonieren. Überwachung ist vorprogrammiert.

Nicht ganz auszuschließen ist, dass der Totalausfall des Internet in Nordkorea auf ein simples technisches Problem zurückzuführen war. Es wäre wenig überraschend in einem Land mit notorischem Strommangel. Nur für eines gibt es in Nordkorea immer Beleuchtung: für die Statuen und Bilder der verstorbenen Diktatoren Kim Il-Sung und Kim Jong-Il.

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