Impfen vor Kühlregal in Washingtoner Supermarkt - und mit prominenter Beobachterin: Vizepräsidentin Harris

© APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

Politik Ausland
04/22/2021

Impfungen in Supermärkten, Stadien, Drogerien - das Erfolgsrezept der USA

US-Präsident Joe Biden jubelt über 200 Millionen Stiche in nur 90 Tagen.

von Ulrike Botzenhart

Wo gehen alle Menschen hin? Richtig. In den Supermarkt. Warum also nicht einfach dort impfen? Gedacht, getan: Amerikaner können sich vor Milchregalen genau so impfen lassen wie neben der Blumenabteilung. Rasch, unbürokratisch. Impfstoff gibt es in den USA genug. Der wird im Land selbst erzeugt und aus "nationalen Sicherheitsgründen" auch nicht exportiert. Und so konnte Joe Biden jetzt jubeln, dass bereits 200 Millionen Impfungen verabreicht wurden.

Damit hat der US-Präsident sein zu Amtsbeginn im Jänner ausgegebenes Ziel, innerhalb von 100 Tagen 100 Millionen Amerikaner gegen Covid zu immunisieren. Als das rasch erreicht war, gab er als neues Ziel 200 Millionen Dosen in 100 Tagen vor. Auch das ist nun locker vor der Zeit erreicht. Ende April werden es hundert Tage, seit der Demokrat im Weißen Haus eingezogen ist.

Es war höchst an der Zeit: Mehr als eine halbe Millionen Menschen sind in den USA bereits durch das Coronavirus gestorben.

Bidens Vorgänger Donald Trump hatte die Pandemie fast bis zum Schluss runtergespielt, obwohl er selbst daran erkrankte. Er spielte auch das als Kleinigkeit herunter, dabei war sein Gesundheitszustand - wie die Welt später erfahren sollte - weit schlechter, als von ihm vorgespielt.

Als Biden das Kommando übernahm, war damit sofort Schluss. Seitdem wird überall geimpft: In riesigen Sportstadien, Drogerien, an Tankstellen, in großen Geschäften aller Art und auch durchs Autofenster bei Drive-In-Impfstationen. Und das mitunter auch in der Nacht.

Rund um die Uhr

In New York ist etwa ist längst die Nacht hereingebrochen, aber zum Eingang des Stadions Citi Field strömen weiter Menschen. Sie wollen alle geimpft werden. Mehr als 40.000 Zuschauer konnten hier vor der Corona-Pandemie die Baseball-Spiele der New York Mets sehen, seit Februar wird hier rund um die Uhr geimpft. Es geht enorm schnell, wie ein 49-jähriger Mann namens Bayro erzählt: . „Ich bin um 8.30 Uhr reingegangen, um 8.37 Uhr hatte ich meine Impfung.“

Er ist heilfroh, dass die neue Regierung „Tempo gemacht hat“. Endlich arbeiteten lokale Behörden mit Washington Hand in Hand. Ein Beispiel seien 24-Stunden-Impfzentren, wie dieses Stadion. Sie seien wichtig. „Warum? Weil es New York ist. Wir sind die ganze Nacht wach. Wir arbeiten lange“, sagt Bayro. „So leben wir hier. Wir leben schnell. Also müssen wir auch jetzt schnell sein.“

Rollende Impf-Trucks

Aber nicht nur in der Metropole an der Ostküste wird in der Nacht geimpft. Mobile Impf-Trucks rollen durch ländliche Gebiete und impfen alle, die es wollen, egal, wann. Im Bundesstaat Maryland etwa klappert eine mobile Einheit unter anderem gezielt entlegene Geflügelbetriebe ab, um dort Arbeiter zu impfen, die andernfalls womöglich nicht den Weg zur nächsten Impfstelle antreten würde.

Biden hat an vielen Schrauben gedreht, damit das Tempo erreicht und gehalten werden konnte: Er orderte Hunderte Millionen Impfdosen verschiedener Hersteller, spannte die Apotheken im Land als Impfstationen ein, die in den USA oft in Supermärkten zu finden sind. Daneben ließ Biden die US-Katstrophenschutzbehörde Massenimpfzentren errichten, rekrutierte in großer Zahl Impfer. So dürfen auch pensionierte Ärzte und Pfleger Impfungen spritzen.

In vielen Impfzentren im Land sind außerdem Freiwillige für logistische Aufgaben im Einsatz - viele von ihnen haben im Gegenzug für ein paar Stunden Mitarbeit eine Impfung bekommen, früher als sie sonst dran gewesen wären.

Bis 4 Mio. am Tag

Im Schnitt bekamen in den USA zuletzt  gut drei Millionen Menschen unbürokratisch pro Tag eine Impfung, an manchen Tagen mehr als vier Millionen. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen hat bereits mindestens eine Impfspritze bekommen, unter den Älteren ab 65 Jahren sind es mehr als 80 Prozent.

Bei der Vergabe der Impfdosen wurde in den USA von Anfang an die Impfberechtigung nicht streng geprüft, also ob jemand zu einer bevorzugten Gruppe gehört, mit Vorerkrankung oder Risikoberuf. Diverse Bundesstaaten öffneten ihre Impfungen nach und nach für alle - ohne jede Priorisierung nach Alter, Gesundheitszustand oder Beruf - und gewährten teils auch bewusst Menschen aus anderen Staaten eine Spritze. Auch das beschleunigte das Prozedere.

Genug Impfstoff

Seit vergangenen Montag sind jetzt alle Amerikaner ab bereits 16 Jahren berechtigt, einen Impftermin zu vereinbaren. Biden hat früh versprochen, bis Ende Mai genügend Impfstoff für alle rund 260 Millionen Erwachsenen in den USA zu haben. Insgesamt 600 Millionen Impfdosen sicherte sich die Regierung von Moderna und Biontech/Pfizer.

Dazu kommen 100 Millionen Dosen von Johnson & Johnson - der derzeit aber wegen vereinzelter medizinischer Komplikationen in den USA nicht gespritzt wird. Aber da genug Impfdosen der anderen Hersteller da sind, wird auch das den Impferfolg von Bidens Regierung nur wenig bremsen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten - zumindest beim Impfen, wie es scheint.

 

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