Politik | Ausland
06.06.2017

Imame verweigern Terroristen von London das Totengebet

Mehr als 130 muslimische Religionsführer weigern sich, den mutmaßlichen Attentätern von London die letzten Worte der Vergebung auszusprechen.

Es ist mehr als nur ein Zeichen des Protests. In einem beispiellosen Schritt haben mehr als 130 Imame und muslimische Religionsführer angekündigt, den drei Terroristen von London, die am Wochenende sieben Menschen töteten und 50 verletzten, das Totengebet verweigern zu wollen.

Analog zum Christentum wird die traditionelle Beerdigungszeremonie normalerweise jedem Muslim zuteil. Egal, was er getan hat.

Aus Schmerz über das Leid der Opfer und ihrer Familien habe man aber beschlossen, das Totengebet Salat al-Janaaza, bei dem um Vergebung für die Taten der Verstorbenen und seinen Eintritt in das Paradies gebetet wird, für die drei inzwischen identifizierten Attentäter nicht zu sprechen, teilte der britische Muslimrat (MCB) am Montagabend mit. Man sei "geschockt und abgestoßen" vom Verhalten der Attentäter, deren "unhaltbares Handeln, den Lehren des Islam widerspricht".

Die Imame fordern auch andere Muslime und religiöse Autoritäten auf, es ihnen gleich zu tun. Die Terroristen würden vergeblich versuchen, die Gesellschaft zu spalten und genössen "weder die Legitimität noch Sympathie" der muslimischen Gemeinde.

"Genug ist genug"

"Es ist die islamische Pflicht eines jeden Muslim loyal zu dem Land zu sein, in dem er lebt." Man werde nun Fragen stellen, um zu verstehen, wie "der Hass in einigen Elementen unserer eigenen Gemeinschaften Fuß fassen konnte", heißt es in der Erklärung (hier im Original), die von Vertretern unterschiedlicher Strömungen des Islams unterzeichnet wurde, weiter.

"Wir wollen etwas dagegen tun", zitiert der Guardian den Generalsekretär des britischen Muslimrates, Harun Khan. "Genug ist genug. Wir sind bereit, diese schwierigen Unterhaltungen zu führen."

Polizei identifiziert auch dritten Attentäter

Am Dienstag idenzifizierte die Polizei indes auch den dritten Attentäter. Dabei handle es sich um einen 22-Jährigen mit marokkanischem Vater und italienischer Mutter.

Im März 2016 war Youssef Zaghba auf dem Flughafen von Bologna aufgehalten worden, der Stadt, aus der seine Mutter stammt. Er wollte in die Türkei fliegen, um von dort Syrien zu erreichen. Er war damals wegen internationalem Terrorismus angeklagt, aber freigesprochen worden. Seitdem stand er auf den Listen der gefährlichen Personen. Zuletzt arbeitete er in einem Londoner Restaurant und hatte weiterhin Kontakt zu seiner Mutter in Bologna.

Die Eltern des Verdächtigten hatten eine Zeit lang zusammen in Marokko gelebt, sich dann aber getrennt. Die Mutter war nach Bologna zurückgekehrt, Zaghba hatte sie öfters dort besucht.

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