FILE PHOTO: The British flag and a smartphone with a Huawei and 5G network logo are seen on a PC motherboard in this illustration

© REUTERS / Dado Ruvic

Politik Ausland
07/14/2020

Huawei: 5G und die Angst vor chinesischer Spionage

Auf Druck der USA hat Großbritannien den chinesischen Hersteller vom Netzausbau ausgeschlossen. Huawei würde für Chinas Regierung spionieren. Beweise gibt es dafür keine.

von Franziska Bechtold, Georg Szalai

Großbritannien machte am Dienstag eine Kehrtwende mit massiven Folgen für seine technologische Zukunft. Der Nationale Sicherheitsrat entschied, den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei beim Ausbau des Mobilfunkstandards 5G ab 2021 auszuschließen. Bereits eingesetzte 5G-Netzwerkteile müssen bis 2027 entfernt werden. Die Entscheidung kam nach Druck von den USA, die Huawei enge Kontakte zur chinesischen Regierung vorwerfen und als Cyber-Sicherheitsrisiko sehen. Der britische Minister für Digitales, Kultur und Medien Oliver Dowden begründete im Parlament den Bann mit Sanktionen der USA gegen Huawei, die unter anderem Zusammenarbeit mit US-Komponentenherstellern verbieten. „Sie haben potenziell schwerwiegende Auswirkungen auf Huaweis Fähigkeit, neue Ausrüstung in Großbritannien zu liefern,“ sagte Dowden.

Unternehmen wie Huawei, Ericsson, Nokia und Cisco liefern die Hardware, mit denen die Mobilfunker ihre Infrastruktur ausbauen. Hier setzt die Befürchtung an, dass Huawei bereits bei der Produktion eine sogenannte Hintertür (Backdoor) einbauen könnte. Diese nachträglich zu finden ist dann fast unmöglich und zum Schließen der Hintertür muss oft die ganze Hardware-Komponente getauscht werden. Bei einem laufenden 5G-Netz würde das bedeuten: Netzausfälle. Politiker und Behörden, vorrangig aus den USA, befürchten, dass Huawei mit der Hintertür jederzeit absichtlich das Netz ausfallen lassen könnte – speziell in Krisenzeiten. Zudem sorgt man sich, dass die Standorte, Nachrichten und Telefonate von Millionen Bürgern und Regierungsinstitutionen abgegriffen und an die chinesische Regierung weitergegeben werden.

Geheimdienste

Diese Backdoor-Technologie ist weder neu noch eine chinesische Erfindung. Dass Geheimdienste Schlupflöcher nutzen, um andere Staaten und die eigenen Bürger auszuspionieren, sollte spätestens seit Edward Snowdens Enthüllungen keine Überraschung mehr sein. Seither steht auch der amerikanische Netzwerk-Anbieter Cisco immer wieder in der Kritik, durch Sicherheitslücken und bewusst eingebaute Hintertüren die US-Spionage zu unterstützen. Belege für die Behauptung, Huawei würde solche Hintertüren für China einbauen, gibt es nicht. Auf eine parlamentarische Anfrage an Bundeskanzler Sebastian Kurz vom April hieß es, er habe „keine Kenntnisse“ darüber, ob es „bei 3G- und 4G-Equipment von Huawei und ähnlichen chinesischen Unternehmen Verdachtsfälle von Cyberspionage oder ähnlichen Sicherheitsrisiken gab“.

Huawei dementiert die Vorwürfe gegenüber dem KURIER: „Huawei hat noch nie den Auftrag bekommen, Backdoors oder Spyware in die Systeme zu integrieren“, sagt Roman Hoffmann, Vize-Präsident von Huawei Austria.

Magenta und Telekom

In Österreich will A1 beim 5G-Ausbau die Zusammenarbeit mit Nokia fortsetzen, Drei arbeitet vor allem mit ZTE zusammen, wie die Unternehmen mitteilten. Allerdings habe Huawei bei Drei einen „kleinen Footprint“. Magenta arbeitete bisher mit mehreren Herstellern zusammen, „vor allem Ericsson, Nokia, Cisco und Huawei“, sagt ein Unternehmenssprecher. Für den 5G-Ausbau gebe es noch keine Entscheidung. In Deutschland fährt die Telekom eine klare Strategie. Sie will die langjährige Zusammenarbeit mit Huawei für den 5G-Ausbau weiterführen und sogar auf „US-freie“ Netzbauteile setzen. Da die gesamte bestehende Infrastruktur der Deutschen Telekom auf Bauteilen des chinesischen Herstellers basiert, würde ein Umbau einen Schaden in Milliardenhöhe bedeuten.

In Großbritannien könnte Ähnliches bevorstehen. „BT und Vodafone haben gewarnt, dass ein Herausreißen von bestehender Infrastruktur in weniger als 5 bis 7 Jahren zu lokalen Blackouts führen würde,“ sagt James Barford, Telekom Analyst bei Enders Analysis in London, dem KURIER. Digitalminister Dowden gab zu, dass der Bann Auswirkungen haben wird: „Er bedeutet eine kumulative Verzögerung des 5G-Ausbaus von 2 bis 3 Jahren und Kosten von bis zu zwei Milliarden Pfund (2.20 Milliarden Euro).“

Die EU-Kommission hat sich im Jänner lediglich auf einen Kompromiss geeinigt. In ihrer Risikobewertung der 5G-Netze wird kein Anbieter ausgeschlossen. Die Mitgliedsstaaten erhalten einen „Werkzeugkasten“ für den Ausbau. Hier wird empfohlen, „risikoreiche Anbieter“ (Huawei wird nie namentlich benannt) von „kritischen oder sensiblen“ Teilen der Netzwerke, etwa bei Verteidigungseinrichtungen oder Forschungsinstituten, fernzuhalten.

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