Politik | Ausland
06.05.2018

Hisbollah: „Haben Libanon und Syrien vor Terroristen verteidigt“

Der Außenpolitik-Sprecher der Hisbollah, Ammar Mussawi, sprach über Syrien und die Krisen in der Region

Könnten die derzeitigen Vorfälle in Syrien zu einer weiteren US-Intervention führen?

Einige Weltmächte dachten, sie würden den Zusammenbruch des Assad-Regimes erleben, doch das ist nicht passiert. Diese Mächte haben die Terroristen (Rebellen) in Syrien unterstützt und tun es nach wie vor, sogar Trump. Und jetzt, da das Regime auf dem Vormarsch ist und die Opposition verliert, versuchen sie, das zu rechtfertigen. Warum sollte das syrische Regime, das auf dem Vormarsch ist, chemische Waffen einsetzen? Es gab viel härtere Zeiten für das Regime, und es setzte keine C-Waffen ein. Das Problem des Westens war schon immer, dass sie glauben, sie seien im Besitz der Wahrheit. Es ist keine Diskussion mit ihnen möglich. Aber abgesehen davon: Alle Anschuldigungen werden nichts verändern, selbst wenn sie das Regime bombardieren. Jeder Angriff der USA und Israels wird eine rechtswidrige Aggression bleiben. Wer gibt ihnen das Recht, so zu verfahren? Sind sie Richter und Feind zugleich?

Die Hisbollah hat ungefähr 1600 Kämpfer in Syrien verloren. Wie können Sie diese Verluste ersetzen?

Ja, wir haben viele Märtyrer verloren. Sie haben den Libanon und Syrien vor Terroristen verteidigt. Trotzdem sind wir nach wie vor bereit, uns gegen Israel zu verteidigen – selbst deren Generale sagen, dass die Hisbollah durch diesen Krieg viel an Erfahrung gewonnen hat.

Thema Gaza-Proteste, wo minderjährige Palästinenser über die Grenze ins Feuer geschickt werden. Halten Sie das für ok?

Was in Gaza passiert, ist eine weitere israelische Aggression gegen die Palästinenser. Das sind Menschen ohne Waffen, die brutal getötet werden. Die Verantwortung sollte nicht bei den Palästinensern, sondern bei den Israelis gesucht werden.

Die Spannungen zwischen der Hisbollah und Israel nehmen zu. Gibt es ein Kriegsrisiko?

Die Israelis sind die aggressive Partei in diesem Konflikt, sie sind beispielsweise illegal durch unseren Luftraum geflogen, um Syrien zu bombardieren. Sowohl die libanesische Armee als auch wir, der Widerstand, sollten jederzeit für einen Konflikt mit Israel bereit sein. Durch diese Bereitschaft wird Israel den Libanon nicht so schnell attackieren.

In der Region herrscht ein Konflikt Iran – Saudi-Arabien. Wie beeinflusst dieser Konflikt den Libanon?

Nach unserer Meinung sollten diese Differenzen den Libanon nicht beeinflussen. Wir hoffen, dass beide Länder zu einer Lösung finden. Ich weise aber darauf hin, dass es Saudi-Arabien war, das unseren Premier Saad Hariri vergangenen Herbst gegen dessen Willen festgehalten hat. Das war ein klarer Versuch des saudischen Königshauses, die Sicherheit und Stabilität im Libanon zu zerstören. Durch Einigkeit der libanesischen Bevölkerung konnte die Krise gelöst werden.

Sie haben im Libanon eine Flüchtlingskrise: 1,8 Millionen Syrer sind im Land. Wie kann dieses Problem gelöst werden?

Wir benötigen die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Diese ist auch für dieses Problem verantwortlich. Es sind nicht die Libanesen, die die Syrien-Krise verursacht haben, während die internationale Gemeinschaft versucht, Syrien zu destabilisieren. Trotzdem haben wir – so wie manche andere Länder – keine Flüchtlinge in Boote gesetzt und nach Europa geschickt. Die Welt will, dass wir die Flüchtlinge von Europa fernhalten – mein Gegenvorschlag: Die Lage in Syrien wird ruhiger, warum sollten die Syrer nicht in ihr Land zurückkehren?

Die UNO ist in Syrien und im Libanon präsent. Kann sie helfen, die Probleme zu lösen?

Wir hoffen es. Und wir hoffen, dass sie Fortschritte machen werden, ohne dass ihnen jemand Steine in den Weg legt und unterstützen jeden, der für Reformen in der UNO kämpft.

Wie sollten diese Reformen aussehen?

Es sollte ein Gleichgewicht zwischen den Ländern herrschen, sodass die Probleme in der Region – vor allem das der Palästinenser – gelöst werden. In den vergangenen 70 Jahren hat die UNO nichts für die Palästinenser getan.