© REUTERS/LEE SMITH

Politik Ausland
11/26/2020

Verstöße in Großbritannien: Heimliche Gottesdienste in der Scheune

Kirchenvertreter in Großbritannien protestieren gegen die Einschränkungen für Gläubige. Der Kirchenbesuch diene demnach der "mentalen Gesundheit".

von Georg Szalai, London

"Lasset uns beten" – heimlich in einer Scheune auf einer abgelegenen Farm in West-England zum Beispiel. Im zweiten englischen Lockdown sind auch ungewöhnliche Orte zu Treffpunkten für Gläubige geworden, die ein Verbot von Gottesdiensten in die Illegalität getrieben hat. "Es fühlt sich wie eine Untergrund-Kirche in China an", zitierte der Observer einen protestantischen Pastor. Einladungen wurden mündlich an Vertraute weitergegeben. "Dass wir aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung herumschleichen müssen, um Gott anzubeten, ist alarmierend".

Die Londoner Polizei sagte nach dem ersten Lockdown-Wochenende, sie habe einige religiöse Zusammenkünfte aufgelöst. Bald hat das zwar ein Ende, weil Gottesdienste nach dem Lockdown ab 2. Dezember in allen drei Corona-Warnstufen in England, mit Distanzierungsregeln, wieder erlaubt sein werden. Aber dass englische Gotteshäuser vier Wochen lang für gemeinsame Feiern großteils geschlossen wurden – individuelle Gebete, kleine Beerdigungen und Angebote wie Nahrungsmittelbanken sind erlaubt –, ließ so manchen um die Religionsfreiheit fürchten.

122 christliche Glaubensvertreter haben eine Anfechtung des Verbots begonnen und eine gerichtliche Überprüfung gefordert. Höchste Vertreter der anglikanischen und katholischen Kirchen, des orthodoxen Judentums, Islams und Hinduismus beklagten in einem Brief an den britischen Premier Boris Johnson, dass Gottesdienste als "Teil des essentiellen Gefüges der Nation" für mentale Gesundheit und sozialen Zusammenhalt wichtig und sie mit dem Verbot "überhaupt nicht einverstanden" seien.

Ex-Premier May warnt

Auch Ex-Premierministerin Theresa May warnte: "Ich mache mir Sorgen, dass die heutige Regierung, die es mit den besten Absichten illegal macht, einen öffentlichen Gottesdienst abzuhalten, einen Präzedenzfall schafft, der in Zukunft von einer Regierung mit den schlechtesten Absichten missbraucht werden könnte".

Für Donnerstag ist eine Debatte im Unterhaus in London über die Auswirkungen der Pandemie auf Religionsfreiheit geplant. Das Verbot bedeutete "große Frustration – insbesondere ohne Beweise dafür, dass Kirchen nicht ordnungsgemäß mit COVID-Richtlinien umgegangen sind, und ohne Fälle in England, wo Kirchen die Krankheit verbreitet haben", sagt der anglikanische Pfarrer Dave Brown von der St. Nicholas Kirche in Stevenage, nördlich von London, dem KURIER. Er hat im Lockdown auf Live-Streams gesetzt. Teil eines seiner Video-Gottesdienste, die mit "essentiellem" Personal erlaubt sind, waren Gebete, deren Texte Zuseher daheim auf einem Monitor mitlesen konnten, Lesungen samt musikalischer Untermalung. Das Videoangebot mache es zwar "leichter, in Kontakt zu bleiben und sich gegenseitig zu ermutigen", aber ersetzen könne es gemeinsame Gottesdienste nicht, erklärt Brown, bleibt aber optimistisch. "Wir hoffen und beten, dass Gottes Reich gewachsen sein wird, wenn das Virus aus der Erinnerung verschwindet".

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