IMPFUNG: ANKUNFT VON IMPFDOSEN  FÜR ÖSTERREICH

Die erste Impflieferung - knapp 10.000 Dosen - traf am Samstag in Österreich ein. Ab Sonntag wird sie "verimpft".

© APA/HANS PUNZ / HANS PUNZ

Politik Ausland
12/26/2020

Hat Europa getrödelt? Welche Länder beim Impfen schneller sein werden als Österreich

Die USA wollen bis Ende März 30 Prozent ihrer Bevölkerung geimpft haben, Großbritannien schafft 18 Prozent. In Österreich sind derzeit fünf Prozent realistisch. War die EU zu langsam?

von Evelyn Peternel

"Trödelstart" und "Klecker-Impfung" schreibt das deutsche Boulevardblatt Bild, der Spiegel schreibt von einem "Planungsdesaster". Europa hat beim Kampf gegen Corona bei der Impfstoffbeschaffung versagt, so der Vorwurf - andere Länder seien deutlich schneller gewesen, bei uns kämen die Vakzine zu spät und in zu geringen Mengen.

Stimmt das?

Auf den ersten Blick: ja. Andere Staaten, allen voran die USA, Großbritannien und Israel, haben sich durch geschickte Vertragsverhandlungen und schnellere Zulassungen einen Startvorteil gesichert. Sie alle werden – so lautet zumindest das Versprechen der jeweiligen Regierenden - bis Frühling deutlich mehr Menschen immunisieren können als die EU-Länder.

30 Prozent bis März geimpft

Großbritannien etwa, wo der BioNtech-Pfizer-Impfstoff ja weltweit als erster zugelassen wurde, hat mit Stand 24. Dezember schon etwa 800.000 Menschen geimpft. Bis Ende des März, so Gesundheitsminister Matt Hancock, sollen es 12 Millionen sein - alle Briten, die älter als 65 Jahre alt sind.

Damit hätte das Vereinigte Königreich eine Impfquote von 18 Prozent erreicht. Ein Wert, den Israel und die USA noch übertreffen wollen: Israel will bis Ende März 60 Prozent schaffen, die USA 30 Prozent der Bevölkerung immunisieren. In beiden Ländern haben die Impfungen schon begonnen, in den USA sogar schon mit zwei Vakzinen – BioNTech und Moderna.

Österreich startet - wie die restliche EU - am Sonntag mit der Impfkampagne. Am Samstag wurde der erste Impfstoff geliefert:

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Aufs falsche Pferd gesetzt?

Bis Ende März will man hierzulande 450.000 Menschen mit dem Impfstoff von BioNTech versorgen - 900.000 Dosen werden bis dahin geliefert, zwei Impfungen sind pro Kopf nötig. Dann hätte Österreich eine Impfrate von 5 Prozent. Wenn Moderna im Jänner zugelassen wird, kommen nochmal 100.000 Personen hinzu, doch das erhöht die Quote auch nicht massiv.

In Deutschland etwa rechnet man bis März mit einer Durchimpfungsrate von acht Prozent. Wie kann das sein?

USA waren früher dran

Möglich ist das nicht nur, weil in den USA und Großbritannien früher mit dem Impfen begonnen wurde. Vielmehr war es geschickte Planung. Die US-Regierung hat sich nach Bekanntwerden der höchst vielversprechenden Daten der beiden ersten Kandidaten im Herbst Nachschub gesichert. 100 Millionen Dosen hatte Washington bis dahin bei Pfizer/BioNTech geordert gehabt, 100 weitere Millionen wurden dann nachbestellt. Dazu kommen noch 200 Millionen, die die US-Regierung bei Moderna gekauft hat – mit den 300 Millionen Dosen von AstraZeneca hat man deutlich zu viel Impfstoff für die eigene Bevölkerung parat.

Diese Argumentation gibt es auch in Europa. "Mehr als genug Impfstoffe“ habe man, heißt es hierzulande aus Brüssel - man habe sich Impfstoffe für zwei Milliarden Menschen gesichert, so der österreichische Impfstoff-Koordinator Clemens Martin Auer. Und das bei einer Bevölkerung von 446 Millionen Einwohnern in der EU.

Verteilung ist anders

Nur: Der Vergleich hinkt. Denn die Verteilung in Europa ist eine ganz andere. Das Gros der Impfstoffe hat die EU derzeit noch bei Herstellern geordert, deren Vakzine noch länger nicht zugelassen werden – 300 Millionen etwa beim französischen Produzenten Sanofi, dessen Vakzin jetzt herbe Rückschläge erlitten hat. Es wird vermutlich frühestens im Herbst 2021 auf den Markt kommen.

Von BioNTech und Moderna – also den beiden vielversprechendsten Kandidaten – hat man deutlich weniger bestellt, nämlich 200 und 80 Millionen. Das hätte man allerdings durchaus aufstocken können, und zwar auf bis zu 500 Millionen Dosen bei BioNtech etwa – nur diese Karte hat man in Brüssel laut Spiegel nicht gezogen. Warum, ließ die EU-Kommission unbeantwortet.

Deutschland wagt Alleingang

Im weltweiten Vergleich hinkt die EU - und damit freilich auch Österreich - nun eindeutig hinterher. Deutschland, das diese Lage für unzumutbar hält, hat darum den Alleingang gewagt und auf eigene Faust bei BioNTech nachbestellt. 30 Millionen Dosen zusätzlich bekommt unser Nachbar, sobald die EU-Kontingente ausgeschöpft sind. 

Eine Möglichkeit, die auch Österreich hätte - sogar auf dem Weg über die EU. Die gute Nachricht: BioNTech kündigte am Samstag an, seine Produktionskapazitäten massiv aubauen zu wollen und dazu auch auf Kooperationen setzen zu wollen. 

"Wenn von der EU noch eine Option gezogen wird und sie weitere 100 Millionen Impfdosen ordert, kommen nochmals zwei Millionen Impfdosen dazu. Dann hat Österreich die Option, 2021 insgesamt sogar bis zu 5,5 Millionen Impfdosen geliefert zu bekommen", sagte der Pfizer-Österreich-Chef Robin Rumler jüngst im KURIER-Interview (siehe Video unten)

Im Alleingang wie Deutschland will Österreich das, so Clemens Martin Auer kürzlich zum KURIER, aber jedenfalls nicht tun. „Wir haben ja genug Impfstoffe bestellt.“ Von BioNtech kommen in Summe etwa 3,5 Millionen Dosen, von Moderna 1,6 Millionen. Vom AstraZeneca-Impfstoff - von dem man sich eine Zulassung im Februar erhofft, der aber eine geringere Wirksamkeit aufweist als die anderen beiden Vakzine - sind ungefähr sechs Millionen vertraglich zugesichert. Neben Pfizer-Biontech gibt es noch Optionen auf weitere drei Millionen von den zwei weiteren Herstellern, die Verträge sind aber noch nicht unterschrieben.

Angesprochen auf den Alleingang Deutschlands sagte Auer im Standard: „Mit dem Impfstoff wird derzeit wohl auch Politik gemacht. In der aktuellen Pandemie entsteht schnell Hysterie. Das bringt Politiker in Zugzwang. Wie gesagt: Die EU geht hier geschlossen vor.“

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