Politik | Ausland 07.02.2018

"Gute Nachrichten" aus Ungarns Spitälern

Zwei Drittel aller ungarischen Krankenhäuser sind untragbar, so die Opposition. © Bild: REUTERS/KAROLY ARVAI

Ungarische Krankenhäuser sollen ihrem schlechten Ruf entgegenwirken – mit "Good News".

Auf einmal frequentieren Fidesz-Politiker Ungarns Krankenhäuser häufiger. Allerdings nicht als Patienten, sondern um Bänder zu durchschneiden, Hände zu schütteln, Versprechungen zu machen. Das sagt ein Krankenhaus-Leiter in der ungarischen Tageszeitung Nepszava über Mitglieder der Regierungspartei von Ministerpräsident Viktor Orbán.

Die rechtskonservative Regierungspartei Fidesz hat offenbar eine PR-Offensive im Gesundheitsbereich gestartet. Neben den Fototerminen sollen nun Krankenhaus-Leitungen pro Woche zwei positive Pressemeldungen über ihre Einrichtung veröffentlichen.

Das Gesundheitssystem in Österreichs Nachbarstaat steht seit Jahren schwer unter Beschuss. Von einer "vernachlässigten" Gesundheitsversorgung spricht die Opposition. Rund zwei Drittel aller ungarischen Krankenhäuser seien eigentlich nicht länger tragbar. Unlängst kursierte die Meldung, dass in einem psychiatrischen Krankenhaus eine Ratte aus dem doppelten Plafond fiel. Zwei Jahre zuvor war dasselbe Spital schon in den Medien, weil sich Fäkalien in den Gängen verteilten, nachdem eine verstopfte Toilette übergegangen war. Ombudsmann-Berichte meldeten Missstände wie an Heizkörpern fixierte Patienten, Hygienemängel, Bettenknappheit und akuten Renovierungsbedarf. Dazu kommt ein immer stärker werdender "Braindrain", die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte nach Westen, insbesondere auch von Ärzten. Eine Krankenschwester erhält rund 400 Euro netto pro Monat, rund ein Viertel des Gehaltes in Österreich.

Drei Jahre Wartezeit

Die Sängerin Kinga Krámli startete kürzlich eine Kampagne, um gegen die langen OP-Wartezeiten zu kämpfen. "Stoppt das Schweigen", steht auf einem Post-It-Zettel, den sie sich auf ihren Mund geklebt hat. Die 34-jährige Ungarin hat Endometriose, eine oft sehr schmerzhafte chronische Erkrankung der Gebärmutter. Für die notwendige Operation bekam sie einen Termin – für Jänner 2022. Medienrecherchen ergaben, dass Hunderte Patientinnen mehr als drei Jahre auf diese OP warten, obwohl Regierungsvertreter behaupteten, die Wartezeit betrage maximal zwei Monate.

Die simple Antwort der Regierung: Das Gesundheitssystem braucht bessere PR. Denn im April wird gewählt und Viktor Orbán hat offenbar Angst, dass ihm sein marodes Gesundheitssystem im Wahlkampf ein Bein stellen könnte.

( kurier.at , kks ) Erstellt am 07.02.2018