Politik | Ausland
12.11.2018

Russischer Geheimdienst: Ein Skandal jagt den nächsten

Putin lobte den Militärgeheimdienst für seine „Professionalität“. Im Widerspruch dazu stehen zahlreiche Skandale.

Es ist noch gar nicht so lange her. Erst Anfang November lobte Präsident Wladimir Putin die "Professionalität" des größten Geheimdienstes des Landes. Anlass war das 100-jährige Bestehen von GRU, dessen Kürzel übersetzt einfach "Hauptverwaltung für Aufklärung" bedeutet. Die jüngste Bilanz seiner Agenten kann es nicht gewesen sein - denn die ist voll von peinlichen Blamagen und internationalen Skandalen

Die jüngste Blamage kam just aus Österreich: Vergangene Woche wurde bekannt, dass ein pensionierter Bundesheer-Offizier fast 30 Jahre lang Informationen an den russischen Geheimdienst geliefert haben soll. Oberst M. ist nun in Haft. Die russische Regierung dementiert die Vorwürfe.

305 Agenten enttarnt

Und natürlich der Fall Skripal. Der Krimi um den den ehemaligen Doppelagenten Sergei Skripal katapultierte GRU in die internationalen Schlagzeilen. Skripal war im März Opfer eines Giftanschlags geworden. Im Oktober gab das britische Recherche-Kollektiv Belling Cat bekannt, im Besitz einer Liste von 305 Personen zu sein, die vermutlich Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes seien.

Über eine öffentlich zugängliche Datenbank recherchierte es Fahrzeuge, die unter der angeblichen Adresse des Cyber Warfare Departements des russischen Geheimdienstes registriert sind. Die Einträge enthalten die vollen Namen und Reisepassnummern, sowie in den meisten Fällen die Mobiltelefonnummer. Wenn diese Personen tatsächlich Mitarbeiter des GRU sein sollten, wäre das eine massive Sicherheitslücke.

Cyberangriffe in Europa

Als Reaktion auf die Skripal-Affäre machen westliche Regierungen immer wieder die Umtriebe GRUs publik. So gab etwa die niederländische Verteidigungsministerin Ank Bijleveld am 4.Oktober. bekannt, dass ein russischer Spionageangriff auf die Den Haager Organisation OPCW vereitelt werden konnte.

Der Angriff führte schon im April zur Ausweisung von vier russischen Staatsbürgern. Die OPCW (Organisation für das Verbot Chemischer Waffen) beschäftigte sich unter anderem mit dem mutmaßlichen Einsatz verbotener chemischer Waffen durch das mit Russland verbündete Assad-Regime in Syrien und mit dem Anschlag auf Skripal.

Hackergruppen wie „Fancy Bear“ und „Sandworm“ verüben seit Jahren schwere Angriffe auf Datennetze im Westen. Experten ordneten sie schon länger russischen Geheimdiensten zu. Die britische Cyberabwehr konfrontierte den Militärgeheimdienst GRU im Oktober mit einer Liste von 12 Hackergruppen, die ihnen zuzurechnen seien. Dem russischen Dienst wird vorgeworfen, eine weltweite Serie an Cyberangriffen verantwortet zu haben. Dazu zählt etwa der Angriff auf einen ukrainischen Flughafen und eine TV-Station in Großbritannien. Experten betonen stets, wie schwierig die eindeutige Zuordnung eines Cyberangriffes ist.

Nichtsdestotrotz hatten Anfang Oktober bereits das FBI und das US-Justizministerium sieben Agenten des GRU angeklagt. Dabei ging es unter anderem um Hackerangriffe auf Organisationen des Weltsports, wie etwa FIFA, den Internationale Sportsgerichtshof CAS, die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und den Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF.

Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert gab im Oktober bekannt, die Bundesregierung gehe "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass hinter der Kampagne APT28 der russische Militärgeheimdienst GRU steckt". Laut Experten sei die Hackergruppe APT28 für den Hack auf den Deutschen Bundestag im Jahr 2015 verantwortlich.

Bundesheer: Offizier soll für Russland spioniert haben