Die Ortschaft Skala Sikamineas auf Lesbos.

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Politik Ausland
03/11/2020

Griechenland meldet erste Corona-Infizierte auf Lesbos

Die Erkrankte ist eine Einheimische und wird mittlerweile im Krankenhaus isoliert behandelt.

Auf der griechischen Insel Lesbos gibt es den ersten Corona-Fall. Infiziert hat sich eine Einheimische. Lesbos ist in Europa zu trauriger Bekanntheit gelangt, weil 20.000 Migranten und Flüchtlinge dort im Elend leben.

Israel-Reise

Am Montag hätten die griechischen Behörden den ersten Corona-Fall auf der ostägäischen Insel bestätigt, berichtet die deutsche Zeitung Die Welt. Eine 40-jährige Frau aus dem Dorf Plomari habe sich vermutlich bei einer Reise nach Israel infiziert. Nach ihrer Rückkehr hatte sie noch ein paar Tage als Verkäuferin in einem Supermarkt gearbeitet. Nun ist sie im Krankenhaus in Mytilini in Quarantäne.

Zur Einordnung: Mytilini und das Flüchtlingslager Moria, wo die mit Abstand meisten Gestrandeten ausharren, liegen rund sechs Kilometer entfernt.

"Corona allein ist schon ein großes Problem", sagte Michal Aivaliotis, der Direktor der örtlichen Volkshochschule, zur Welt. "Aber wir auf Lesbos haben jetzt zwei Probleme: Corona - und die Menschen in Moria. Wenn sich das Virus ausbreitet, haben wir hier eine Katastrophe."

Katastrophale Zustände

Lesbos gilt als Insel abseits jeglicher Normalität. Überfüllt sind das Flüchtlingslager Moria wie auch das kleine Krankenhaus der Insel. Es ist einst für nicht mehr als 30.000 Einwohner gebaut worden. Jetzt stehen Geflüchtete und Einheimische gleichermaßen Schlange.

Das Lager von Moria ist inzwischen eine kleine Stadt aus Hütten und Zelten geworden. Die hygienischen Zustände sind katastrophal.

Rechtsextreme auf Lesbos

Am vergangenen Freitag berichteten die Nachrichtenagenturen, dass Rechtsextreme aus Deutschland und Frankreich nichts Besseres zu tun hatten, als nach Lesbos zu reisen. Die Arbeit von Flüchtlingsbetreuern machte dies, abseits vom Leid der Geflüchteten, noch schwieriger. Sie waren in den vergangenen Tagen vermehrt mit Drohungen aus der Bevölkerung und nun auch von rechtsextremen Gruppierungen konfrontiert. Einige Hilfsorganisationen mussten ihre Arbeit temporär einstellen.

Am Samstag wurde ein Aufnahmezentrum für Flüchtlinge auf Lesbos in Brand gesteckt. Aus der Schweizer Nichtregierungsorganisation One Happy Family, die die Einrichtung für Flüchtlingsfamilien betreibt, hieß es, das Gebäude sei schwer beschädigt worden, Menschen seien nicht verletzt worden.