Kalte Wohnungen, bald auch ohne Licht

Greece Financial Crisis Poverty
Foto: AP/Petros Giannakouris Ein Mann vor einer Suppenküche in Athen - die Armut ist in Griechenland überall angekommen.

Verarmt. Griechischer Bürgermeister: „Wir haben das Schlimmste noch nicht hinter uns.“

Die Angst unterzugehen hat das kleine griechische Bergdorf Mesochora schon lange. Vor zehn Jahren wurde die gewaltige Staumauer vollendet. Wird das Tal wie geplant geflutet, versinkt das 400-Einwohner-Dörfchen im Stausee. Doch Bürgermeister Giorgos Chondros sieht diesen Tag noch nicht gekommen. „Seit 25 Jahren kämpfe ich gegen dieses Projekt“, erzählt der End-Vierziger und hegt die Hoffnung, dass es eines Tages ganz abgesagt werden könnte.

Giorgos Chondros, Bürgermeister… Foto: Ingrid Steiner-Gashi Bürgermeister Giorgos Chondros im dicken Pullover: „Diesen Winter können wir das Heizen nicht zahlen“ Viel mehr macht Chondros, der auf Einladung der globalisierungskritischen Gruppe „Attac“ in Wien war, derzeit die Wirtschaftskrise zu schaffen. Geld für die Gemeinde? Fehlanzeige. Die Schule musste schließen, und auch die Schule im Nachbarort kann, ebenso wie 30 Prozent aller Schulen in Griechenland, wegen akuten Geldmangels nicht mehr heizen. Auch der Arzt ist weg, erzählt Chondros, Patienten und Gemeinde konnten ihn nicht mehr bezahlen.

Fünf Jahre radikale Sparpolitik habe Griechenland durchgemacht, ärgert sich der Bürgermeister von der radikal-linken SYRIZA-Partei. „Aber das Schlimmste haben wir immer noch nicht hinter uns. Heuer müssen noch einmal 17 Milliarden Euro gespart werden. Das heißt, ab Frühling noch einmal Steuererhöhungen, und dann wird auch bei den Beamten noch massiv gekürzt.“ In den kommenden Monaten würden sich die sozialen Spannungen deshalb noch einmal verschärfen, erwartet Giorgos Chondros.

Kein Geld für Strom

27 Prozent Arbeitslose hat das Land, Hilfe vom Staat gibt es nur 12 Monate lang, und auch diese beträgt im Schnitt nur rund 200 Euro. Eine Folge: „In Athen verlieren derzeit 1000 Haushalte pro Tag den Stromanschluss, weil die Leute nicht mehr zahlen können“.

In vielen Familien ist die Pension der Großeltern das einzige Einkommen. „Auch wir müssen oft meine Mutter mit ihrer 400-Euro-Pension bitten, auszuhelfen“, erzählt Chondros. Gemeinsam mit Attac, das eine neue Kampagne für ein „solidarisches Europa“ startet, hofft er deshalb. „Es gibt auch einen anderen Weg aus unseren Schulden, denn die können wir sowieso nie abbezahlen.“

www.unsereuropa.at

Athen

Streik: Polizei zwingt U-Bahn-Fahrer zum Dienst

Nach Tagen des Streiks will die Regierung in Athen die U-Bahnfahrer nun zum Dienst zwingen: Die öffentlichen Angestellten müssen nun zur Arbeit zurückkehren, oder sie wandern ins Gefängnis. Bereitschaftspolizisten haben am vergangenen Freitag sogar ein von streikenden Arbeitern besetztes U-Bahn-Depot gestürmt.  Mindestens zehn U-Bahn-Mitarbeiter seien festgenommen worden. Eine Frau sei mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden.
  "Die Gewerkschaft der U-Bahnfahrer wollte eine blindwütige Konfrontation", begründete der griechische Transportminister Kostis Chatzidakis die Maßnahme im griechischen Fernsehen. Die Gewerkschaft weiderum zeigte sich empört. "Es ist eine Junta. Die werden uns hier tot rausholen", sagte der Chef der U-Bahnfahrer, Antonis Stamatopoulos, im Fernsehen. Dutzende Mitglieder der Gewerkschaft hatten sich bereits am Donnerstag in der Zentralbahnhofsgarage der U-Bahn versammelt und verbarrikadiert. Die Streiks hatten in den vergangenen Tagen ein Verkehrschaos in der Hauptstadt ausgelöst. Beim Sparprogramm der Regierung drohen den U-Bahnfahrern nach Gewerkschaftsangaben Gehaltskürzungen von bis zu 25 Prozent. Bisher gehörten sie zu den privilegierteren Angestellten im staatlichen Bereich. Aus Solidarität zu den U-Bahnfahrern kündigten die Gewerkschaften der Busse und Straßenbahnen einen Streik für Donnerstagnachmittag und Freitag an. Ähnliche Zwangsmaßnahmen waren in den Vorjahren bereits gegen Straßenreinigungskräfte und Fernfahrer angewendet worden. Die Gewerkschaften hatten Widerstand gegen die Anordnung der Regierung angekündigt. "Wir werden nicht nachgeben, wir werden standhalten", erklärte ein Sprecher der Arbeitnehmervertreter.
(Kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?