© APA/AFP/ANGELOS TZORTZINIS

Griechenland
08/12/2021

Griechenland: Brandherde greifen auf Politik über

Die Brandkatastrophen entfachen heftige Kritik an der konservativen Regierung. Mussten die Wälder Windparks weichen?

Die Erleichterung war hörbar. Mit Hupkonzerten begrüßten die Bewohner der Insel Euböa Mittwoch Nacht die ersten Regentropfen. Erstmal seit Tagen zeichnet sich leichte Entspannung nicht nur auf Euböa, sondern auch in anderen Regionen Griechenlands ab, in denen die Feuer gewütet haben.

Umso heftiger aber entzündet sich nun die politische Debatte rund um die größten Waldbrände seit Jahrzehnten.

Klimakrise verantwortlich

Der konservative Regierungschef Kyriakos Mitsotakis machte vor allem die Klimakrise verantwortlich. Sie sei einer der Hauptgründe für die verheerenden Waldbrände: „Ich betone, es ist kein Klimawandel, es ist eine Klimakrise. Und wir als Land sind Teil davon.“ Der soeben veröffentliche aktuelle Bericht des Weltklimarates nennt ja die Mittelmeerregion als eine der Hauptbetroffenen des Klimawandels und seiner Folgen. Auch Mitsotakis machte deutlich, dass die Brände kein griechisches Problem seien, „sondern ein mediterranes und weltweites: Schauen Sie sich an, was in Italien und anderen Länder passiert.“

Doch das wollen weder die Bevölkerung von Euböa noch die politische Opposition so stehen lassen.

Platz für Windräder?

Einsatzkräfte vor Ort erzählten in griechischen Medien, dass der Einsatz von Löschflugzeugen nicht verspätet, sondern auch miserabel koordiniert gewesen sei. Piloten seien in großer Gefahr gewesen. Außerdem seien die Maschinen viel eher rund um Athen als auf der Euböa eingesetzt worden.

Premier dementiert

Doch es ist vor allem ein anderes Gerücht, das auf der Insel umgeht und das auch zahlreiche ausländische Reporter zu hören bekommen. Seit Jahren wird auf Euböa über die Aufstellung von Windrädern gestritten. Die Waldbrände seien den Betreibern der Windparks daher sehr gelegen gekommen, meinen örtliche Bewohner, vermutlich hätten sie selbst sogar die Brände in den teils geschützten Wäldern gelegt, um so Platz zu schaffen. Derartige Spekulationen verbreiteten sich so rasch über die sozialen Medien, dass der Premier selbst mit einem Dementi dagegen halten musste: „Windräder können auch in bewaldetem Gebiet gebaut werden. Dafür muss man den Wald nicht abbrennen.“

"Ohne jeglichen Plan"

Dass Bauspekulanten hinter vielen der alljährlichen Waldbrände in Griechenland und vor allem rund um die Hauptstadt Athen stehen, beschäftigt griechische Medien seit Jahren. Riesige Immobilienprojekte, die ausgerechnet auf ehemaligen Brandflächen entstehen, scheinen die Vorwürfe zu bestätigen.

Die linke Syriza-Opposition attackiert den Premier aber vor allem dafür, dass er den Klimawandel als Ausrede benutze. Die Regierung müsse die Verantwortung für die entstandene Lage tragen. Vor allem auf Euböa, so Syriza-Chef und Ex-Premier, Alexis Tsipras, hätten die Behörden „ohne jeglichen Plan gehandelt“.

Mitsotakis entschuldigte sich bei den Bürgern und versprach, dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würde. Der erste, der bereit ist, die Konsequenzen zu tragen, ist der Staatssekretär für das Krisenmanagement, Nikos Chardalias. Sein Rücktritt, so der Staatssekretär, „liegt im Fach des Premierministers ganz oben.“

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