Politik | Ausland
20.03.2018

Giftaffäre: Russischer Experte bezweifelt Vorwurf gegen Moskau

Angeblicher Mitentwickler von Nowitschok meinte, das Gift könnte auch außerhalb Russlands hergestellt worden sein.

Ein russischer Experte und angeblicher Mitentwickler des Nervengifts Nowitschok hat britische Vorwürfe gegen Russland im Fall des Ex-Agenten Sergej Skripal angezweifelt. Das Gift, das für den Anschlag auf Skripal in Großbritannien verwendet wurde, könne auch außerhalb Russlands hergestellt worden sein, sagte der Chemiker Leonid Rink der staatlichen Agentur RIA Novosti am Dienstag.

Auch in Großbritannien gebe es Spezialisten, die dies hätten machen können. Ob Skripal mit Nowitschok vergiftet wurde, sei leicht zu bestimmen. Jedes Mittel habe eine Art Handschrift von der Herstellung, sagte Rink. "Es wird sich sofort herausstellen, dass dies keine russische Technologie war", sagte Rink. Daher habe Russland bisher von Großbritannien noch keine Proben bekommen, spekulierte er.

Doktorarbeit über Gift

Die Agentur präsentierte Rink als Wissenschafter, der in der Sowjetunion an der Entwicklung von Nowitschok beteiligt gewesen war. Er habe damals auch in seiner Doktorarbeit darüber geschrieben, sagte er. Seine Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Die russische Regierung hatte zuletzt dementiert, dass es in der Sowjetunion ein Forschungsprogramm unter dem Namen Nowitschok gab.

Nowitschok sei kein einzelnes Mittel, sondern ein ganzes System chemischer Waffen, sagte Rink. Er zog Aussagen eines anderen Wissenschafters namens Wil Mirsajanow in Zweifel. Dieser hatte die Existenz des Nowitschok-Programms 1992 enthüllt und war in den vergangenen Tagen von westlichen Medien dazu interviewt worden. Er emigrierte 1994 in die USA.