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Politik | Ausland
05/01/2019

"Gelbwesten" und "Black Block" prägten den 1. Mai in Paris

Der 1.Mai Aufmarsch der Gewerkschaften wurde zum Ausgangspunkt von Ausschreitungen.

Danny Leder aus Paris

Der 1.Mai in Paris stand diesmal überwiegend im Zeichen der Farben gelb und schwarz sowie einiger Zusammenstöße mit der Polizei. Anhänger der seit fünf Monaten rebellierenden "Gelbwesten" und der meistens mit ihnen mitziehenden ultralinken, schwarz vermummten und gewalttätigen Aktivisten (sogenannte „Black Blocks“) hatten sich gleich zu Beginn an die die Spitze des gewerkschaftlichen Aufmarschs gestellt und die eigentlichen Blöcke der Gewerkschafter hinter sich gelassen.

All sofort kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, gelegentlichen Brandlegungen und Verwüstungen, die bis Vorabend anhalten sollten. Damit gestaltete sich der Mittwoch in Paris wie etliche der vorausgegangen 24 Samstage, an denen die „Gelbwesten“ durch die Stadt gezogen waren. Mit rund 40.000 Teilnehmern wurde diesmal auch wieder ein gewisser Anstieg der Demonstranten-Zahl im Vergleich zu den vorausgegangenen Demos der „Gelbwesten“ verzeichnet.

Gewerkschaften und „Gelbwesten“

Der Grund: der linke Flügel der französischen Gewerkschaftsbewegung (in Frankreich gibt es keinen gewerkschaftlichen Einheitsbund, sondern über ein halbes Dutzend rivalisierender Bünde), allen voran die einst KP-nahe CGT und der Linksaußen-Bund SUD, hatten in mehr oder weniger expliziter Weise ein Zusammengehen mit den „Gelbwesten“ befürwortet.

Die extrem lose Bewegung der „Gelbwesten“, verfügt zwar über keine, wie immer geartete gemeinsame Organisation, einige ihrer prominentesten Wortführer befürworten aber schon seit geraumer Zeit gemeinsame Aktionen mit den Gewerkschaften. Die meisten Forderungen, die bei den „Gelbwesten“ laut werden, stimmen durchaus mit den Zielen der französischen Linken überein: etwa die Erhöhung der staatlich fixierten Mindestgehalts und eine massive Besteuerung von Großvermögen und Konzernen.

Klima-Schützer und „Gelbwesten“

Ebenso werden die „Gelbwesten“ von einem Teil der linken Organisationen unterstützt, die sich zu einer alternativen sozial-ökologischen Globalisierung bekennen, wie etwa die (auch in Österreich vertretene) Bewegung „Attac“. Am 1.Mai marschierten in Paris auch Bewegungen, die sich für die Rettung des Klimas einsetzen, mit. Zwischen einem Teil der „Gelbwesten“-Aktivisten und Öko-gruppen gibt es ebenfalls schon seit einiger Zeit eine Annäherung. Alle diese verschiedenen Strömungen stimmen nicht in allem überein, aber der Slogan von einer „Zusammenführung der (öko-sozialen)-Kämpfe“ ist in diesen rebellischen Milieus populär. All diese Gruppen und Tendenzen hatten sich am Mittwoch um die Demo der linken Gewerkschaftsbünde gesammelt.       

Gleichzeitig waren insgesamt 7400 Sicherheitsbeamte in Paris aufgeboten worden, um wieder einmal eine extrem heikle Aufgabe zu bewältigen: einerseits hatte die Polizei Auftrag die traditionelle und – theoretisch – friedliche Demo der Gewerkschaftsbünde und Linksparteien zu gewährleisten. Und gleichzeitig die Gewalttäter der „Black Blocks“ aus der Demo herauszuholen und nötigenfalls festzunehmen. Ein schier unmögliches Unterfangen, wie sich am Mittwoch wieder zeigte: als die „Black Blocks“ an der Spitze der Demo auftauchten, wurden sie von einem Teil der „Gelbwesten“-Demonstranten bejubelt.

Taktik der "Black Blocks"

Entsprechend angefeuert, begannen die „Black Blocks“ mit Flaschen, Boccia-Kugeln, Stahlbolzen und Steinen auf die Polizei-Kordons zu werfen. Die Sicherheitskräfte reagierten mit dem Abschuss von Tränengasgranaten und Gummi-Geschossen, die seit Beginn des „Gelbwesten“-Aufruhrs bereits dutzende Demonstranten schwer verletzt haben, und deren Einsatz von Menschenrechts-Organisationen scharf kritisiert wird.   

Die Taktik der „Black Blocks“, die ihre Vermummung und Ausrüstung in kleinen Rucksäcken mit sich führen, besteht darin, sich in die Menge der Demonstranten blitzschnell zurück zu ziehen, wenn erst einmal die Polizei-Truppen in voller Stärke anrücken. Resultat: vielfach werden Demonstranten, die sich nicht an den Gewalttaten beteiligten, bei den Eindämmungsversuchen der Polizei verletzt. Diese Szenen wiederholten sich am Mittwoch mehrfach.