Auftakt zur Nobelpreis-Woche

© APA - Austria Presse Agentur

Politik Ausland

Friedensnobelpreis geht an Journalisten Maria Ressa und Dmitri Muratow

Nobel-Komitee in Oslo gab Entscheidung bekannt. 329 Personen und Organisationen waren heuer nominiert.

10/08/2021, 12:09 PM

Die beiden Journalisten Maria Ressa von den Philippinen und Dmitri Muratow aus Russland erhalten in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Das gab das norwegische Nobelkomitee am Freitag bekannt. Sie bekommen den Preis fĂŒr ihre BemĂŒhungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung fĂŒr Demokratie und dauerhaften Frieden sei, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Bekanntgabe in Oslo. Mit ihrer Auszeichnung solle die Bedeutung des Schutzes der Meinungs- und Pressefreiheit fĂŒr Demokratie und Frieden unterstrichen werden.

„Es ist ironisch, dass wir in der heutigen Welt mehr Presse und mehr Informationen haben, als die Welt je erlebt hat“, sagte Reiss-Andersen. „Gleichzeitig sehen wir den Missbrauch und die Manipulation der freien Presse und des öffentlichen Diskurses, etwa bei Fake News.“ Der Nobelpreis werde die Probleme nicht lösen, mit denen Journalisten und die Meinungsfreiheit konfrontiert seien. „Aber wir hoffen, dass er Licht auf die Bedeutung der Arbeit von Journalisten wirft, und auch darauf, wie gefĂ€hrlich es ist, die Meinungsfreiheit auszuĂŒben - nicht nur an Orten, die derzeit Krieg und Konflikt erleben, sondern wirklich ĂŒberall auf der Welt.“

Die mehrfach ausgezeichnete Philippinerin Ressa (58) ist Chefredakteurin des Online-Nachrichtenportals Rappler. Sie ist als scharfe Kritikerin des philippinischen PrĂ€sidenten Rodrigo Duterte bekannt. Im vergangenen Jahr war sie in einem Verleumdungsprozess zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Journalistin ging aber in Berufung und ist auf Kaution in Freiheit. Ressa, die in den vergangenen Jahren immer wieder vorĂŒbergehend verhaftet worden war, wies die Beschuldigungen als politisch motiviert zurĂŒck. Das US-Nachrichtenmagazin „Time“ hatte sie 2018 zusammen mit anderen Journalisten als „Person des Jahres“ geehrt.

Kreml-Kritiker

Der Russe Dmitri Muratow ist Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“. Muratow, der schon als Oppositioneller fĂŒr die liberale Partei Jabloko an Wahlen teilgenommen hatte, hatte sich zuletzt auch mit der Demokratiebewegung in Belarus solidarisiert. Er kritisierte in der Vergangenheit zudem öffentlich die Politik des Kreml auf der von Russland 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Er will die GeldprĂ€mie fĂŒr die Entwicklung des unterdrĂŒckten Journalismus in seinem Land einsetzen. „Wir werden versuchen, Leuten zu helfen, die jetzt als Agenten eingestuft sind, die jetzt drangsaliert und aus dem Land vertrieben werden“, sagte der 59-JĂ€hrige am Freitag dem unabhĂ€ngigen Portal Meduza, das ebenfalls als „auslĂ€ndischer Agent“ eingestuft ist. Die Bezeichnung steht international als Stigma in der Kritik, weil sie auch Presse- und Meinungsfreiheit in Russland untergrabe.

Der Kreml wĂŒrdigte die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees. "Wir können Dmitri Muratow gratulieren. Er arbeitet stringent anhand seiner Ideale, er ergibt sich seinen Idealen. Er ist talentiert und mutig", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax. "Das ist natĂŒrlich eine hohe WertschĂ€tzung." Es sei unklar, ob PrĂ€sident Wladimir Putin dem PreistrĂ€ger gratuliere.

Damit haben die Tage der Nobelpreis-VerkĂŒndungen ihren Höhepunkt erreicht. Zuvor waren in dieser Woche bereits die PreistrĂ€ger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Literatur bekanntgegeben worden. Unter ihnen sind mit dem Meteorologen Klaus Hasselmann und dem Chemiker Benjamin List auch zwei Deutsche gewesen. Am kommenden Montag folgt noch der Nobelpreis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften, der als einziger der Preise nicht auf das Testament des Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) zurĂŒckgeht.
Dotiert sind die Nobelpreise in diesem Jahr erneut mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980 000 Euro) pro Kategorie. Verliehen werden sie traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.

Der Friedensnobelpreis wird als einziger Nobelpreis nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen. Er gilt als die renommierteste politische Auszeichnung der Welt. 329 Kandidaten - 234 Persönlichkeiten und 95 Organisationen - sind in diesem Jahr fĂŒr ihn nominiert gewesen. Das war die drittgrĂ¶ĂŸte Zahl an Nominierten jemals. Die Namen der Nominierten werden traditionell 50 Jahre lang geheimgehalten.

Wir wĂŒrden hier gerne ein Login zeigen. Leider haben Sie uns hierfĂŒr keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Liebe Community,

Mit unserer neuen Kommentarfunktion können Sie jetzt an jeder Stelle im Artikel direkt posten. Klicken Sie dazu einfach auf das Sprechblasen-Symbol rechts unten auf Ihrem Screen. Oder klicken Sie hier, um die Kommentar-Sektion zu öffnen.

Friedensnobelpreis geht an Journalisten Maria Ressa und Dmitri Muratow | kurier.atMotor.atKurier.atFreizeit.atFilm.atImmmopartnersuchepartnersucheSpieleCreated by Icons Producer from the Noun Project profilkat