Präsidentschaftskandidat Jean-Francois Copé

© APA/AFP/ALAIN JOCARD

Wahlkampf
10/25/2016

Französischer Politiker: Schokoplunder für zehn Cent

Der konservative Präsidentschaftskandidat Jean-Francois Copé erlebt seinen "Marie-Antoinette-Moment": Er taxierte beliebtes Frühstücksgebäck viel zu niedrig.

Der französische Präsidentschaftskandidat Jean-Francois Copé kauft sein Frühstücksgebäck wohl selten selbst ein. In einem Radiointerview hat der konservative Politiker nämlich den beliebten Schokoladeplunder "pain au chocolat" auf zehn Cent taxiert, weniger als ein Zehntel des tatsächlichen Preises. Bissige Kommentare in sozialen Medien waren die Folge.

"Keine Ahnung"

"Ich weiß nicht, ich habe keine Ahnung, vielleicht zehn, 15 Cent", sagte Copé in dem Interview mit dem Sender Europe 1. Tatsächlich kostet das Gebäck zwischen 1,15 und 2 Euro. Copé habe seinen "Marie-Antoniette-Moment" gehabt, kommentierte die britische Tageszeitung The Guardian mit Blick auf die abgehobene Aristokratin, die ihrem hungernden Volk empfohlen hatte, Kuchen zu essen. Der Guardian berichtete unter dem Titel "Pastry-Pain" (engl. für Probleme mit Süßgebäck).

Ein Twitter-Nutzer ätzte, dass Copé seiner Zeit nicht gerade voraus sei: Im Jahr 1986 hätten die "chocolatines" nämlich 20 Centimes gekostet (die kleinere Währungseinheit des Franc, Anm.). Andere Kommentatoren stellten einen Zusammenhang zwischen Copés Unter-Schätzung und seinen miserablen Umfragewerten (zwei Prozent) bei der Republikaner-Vorwahl her. Der RadiosenderEurope 1stellte unter dem Titel "Sind Sie auch so realitätsfern wie Jean-Francois Cope?"einen Test mit elf Fragen zum Preis von Produkten des täglichen Bedarfs ins Internet.

Diät als Ausrede

Cope versuchte seinen Lapsus im Radiointerview damit zu erklären, dass er das süße Gebäck "nicht sehr oft" kaufe, weil er "wegen der Kalorien etwas vorsichtig" sein müsse. Dazu postete er auf Twitter ein Foto mit vitaminreichem Gemüse.

Später bezeichnete er die Kritik als "lächerlich". Er gestehe seinen Fehler ein, brauche aber keine "moralischen Lektionen".

Fragen nach dem Preis von Produkten des täglichen Bedarfs gehören zum Standardrepertoire in Vorwahlinterviews. Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtet, gab sich im US-Wahlkampf 1992 der damalige Präsident George W. Bush eine Blöße, weil er nicht wusste, wie viel eine Gallone Milch kostet. Der britische Premier David Cameron musste im Jahr 2013 bei der Frage nach dem Preis für einen Laib Brot passen.

Drei Wurstsemmeln um zehn Euro

2004 sorgte die ÖVP-Jungpolitikerin Silvia Fuhrmann (heute: Silvia Grünberger) für Kopfschütteln, als sie in der Debatte um Pensionskürzungen sagte: "Um 10 Euro kann man beim Billa gerade drei Wurstsemmeln kaufen." Der ungefähr doppelt so hoch geschätzte Preis für eine Wurstsemmel galt manchen als Beweis für unterstellte Abgehobenheit und Weltfremdheit. Eben ein"Marie-Antoniette-Moment".

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