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Politik Ausland
09/08/2020

Filmdreh in unterdrückter Provinz: Boykottaufrufe gegen Disneys Mulan

Die Realverfilmung des 90er-Jahre-Hits wurde im chinesischen Xinjiang gedreht, wo Peking bis zu einer Million Uiguren in Lagern festhält.

von Irene Thierjung

Millionen Disney-Fans - darunter auch viele Erwachsene - haben auf den 4. September hingefiebert, seit dem die Realverfilmung des Trickfilm-Klassikers "Mulan" aus dem Jahr 1998 via Disney+ gestreamt werden kann. Doch die Freude über ein Wiedersehen mit der kämpferischen Chinesin, die an Stelle ihres Vaters in die kaiserliche Armee eintritt, ist inzwischen deutlich geschmälert. 

Menschenrechtler weltweit rufen zu einem Boykott des Films auf - nicht nur, weil sich die Hauptdarstellerin Liu Yifei positiv über die Niederschlagung der pro-demokratischen Proteste in Hongkong geäußert hat. Es geht seit Erscheinen des Films vor allem darum, dass "Mulan" großteils in Xinjiang gedreht wurde, jener chinesischen Provinz, in der die Führung bis zu einer Million Muslime in Umerziehungslagern festhalten soll.

Film-Trailer zu "Mulan"

"Special Thanks"

Im Abspann des Streifens entdeckten Zuseher Danksagungen ("Special Thanks") an mehrere staatliche chinesische Stellen in Xinjiang (etwa das "Publicity department of CPC Xinjiang uyghur autonomous region committee") und machten dies publik. 

Gedankt wird auch dem "Public security bureau in Turpan", das laut dem bekannten Xinjiang-Experten Adrian Zenz für den Betrieb der Umerziehungslager verantwortlich ist. Das "Publicity department" sei für die staatliche Propaganga in Xinjiang zuständig, wie Zenz der britischen BBC erklärte. Stellungnahmen gab es bisher weder von Disney noch aus Peking.

Folter und Indoktrinierung

In Xinjiang geht Peking seit Jahren aufs Härteste gegen die muslimische Minderheit der Uiguren vor, die sie in der Vergangenheit mehrfach für Terrorangriffe verantwortlich gemacht hat. Die Provinz wird nahezu lückenlos überwacht, Hunderttausende Uiguren sind in Lagern interniert, in denen sie laut Berichten von Menschenrechtlern indoktriniert und misshandelt werden. Es gibt auch Berichte von Zwangssterilisierungen und Zwangsabtreibungen. Die chinesische Führung bezeichnet die Lager als freiwillige Berufsausbildungs- und Anti-Extremismus-Camps.

Zenz zufolge entstand das erste dieser Lager vor rund sieben Jahren in Turpan. Um eingesperrt zu werden, reichte es, wenn eine Frau ein Kopftuch oder ein Mann einen Bart trug.

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