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Politik Ausland
05/20/2021

Fernzug statt Flugzeug: Kommt das Verbot für Kurzstreckenflüge?

EU-Kommissar Timmermans propagiert das Ende für Kurzstreckenflüge. In Frankreich ist es bereits Gesetz: Für kurze Strecken steht die Bahn bereit

von Ingrid Steiner-Gashi

Für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist bei zweieinhalb Stunden Schluss. Jede Strecke, die innerhalb dieser Zeit mit dem Zug bewältigt werden kann, darf künftig nicht mehr als Flug angeboten werden. Wer etwa von der Hauptstadt nach Bordeaux reisen will, muss den superschnellen TGV nehmen.

So sieht es das neue französische Klimagesetz vor. Dieses schreibt das Verbot von Kurzstreckenflügen im Land fest, wenn es einen Zug gibt, der für dieselbe Strecke nicht länger als 150 Minuten braucht.

Ähnliche Vorstöße in Richtung eines Endes für Kurzstreckenflüge kommen nun von immer mehr Seiten. Erst plädierte die deutsche Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock: „Kurzstreckenflüge sollte es perspektivisch nicht mehr geben.“

Dann legte EU-Klimakommissar Frans Timmermans nach: „Bei Strecken unter 600 bis 800 Kilometern soll es nicht mehr sinnvoll sein, das Flugzeug zu nehmen“, sagte der EU-Vizekommissionschef am Donnerstag gegenüber der Funke-Mediengruppe.

Das Ende der Kurzstreckenflüge solle aber nicht mit Verboten erreicht werden, betonte er. Vielmehr solle das Reisen künftig so organisiert werden, „dass es für die Leute attraktiver wird, mit dem Zug zu fahren.“

Die Kostenlüge

Kern der nun aufgeflammten Diskussion ist die hohe Umweltbelastung eines Kurzstreckenfluges – und die Kostenlüge: Kerosin, der Treibstoff für Flugzeuge, ist fast auf der ganzen Welt steuerbefreit.

Die Folge: Die Bahnen leisten ihre klimagerechten Steuern, die Fluglinien aber nicht. Timmermans fordert daher: „Ich bin dafür, dass wir Kerosin besteuern wie andere Treibstoffe.“ Das würde Fliegen erheblich verteuern. Und weil Bahnfahren dann auch nicht mehr teurer wäre, würden sich die Kurzstreckenflüge, so die Hoffnung Timmermans, auf diese Art von selbst erledigen.

Schönheitsfehler

Doch die Pläne für einen Stopp der Inlandsflüge haben – zumindest in Österreich – noch einen Schönheitsfehler: Den Mangel an Hochgeschwindigkeitsstrecken. Wer nach Innsbruck will, braucht mit der Bahn noch immer viereinviertel Stunden, nach Klagenfurt (siehe auch Artikel unten) oder München ebenso – während die Flugzeit eine Stunde beträgt.

Schon vor Corona hat sich allerdings der Trend durchgesetzt, auf so machen Kurzstreckenflug zu verzichten. In fast allen europäischen Ländern stagnieren die Inlandsflüge oder gehen gar zurück.

Die Pandemie dürfte diesen Trend nur noch verstärken: Viele Geschäftsreisende werden künftig auf Videomeetings ausweichen statt ins Flugzeug zu steigen.

Dass ein attraktives Zugangebot den Kurzstreckenflug nahezu obsolet macht, hat der „Eurostar“ bewiesen. 20 Millionen Passagiere fuhren (vor dem Coronajahr 2020) jährlich von Paris, Brüssel oder Amsterdam mit dem Zug durch dem Ärmelkanaltunnel nach London und zurück – eine Unmenge ans CO2, die dem Himmel erspart blieb.

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