Assad im Interview mit Paris Match: Ein Kriegsverbrecher im Nadelstreif.

© EPA/SANA HANDOUT

Politik Ausland
05/07/2020

Familienzwist: Assads reicher Cousin greift den Machthaber an

Es soll zwischen dem Autokraten und dem Geschäftsmann Makhlouf um rund 120 Millionen Dollar gehen. Mitarbeiter aus dessen Unternehmen seien festgenommen worden.

In Syrien hat der reiche Geschäftsmann Rami Makhlouf innerhalb weniger Tage mehrmals mit Kritik an Bashar al-Assad aufhorchen lassen. Der 50-jährige Unternehmer ist ein Cousin des Machthabers.

Am Sonntag veröffentlichte Makhlouf ein zehn Minuten langes Video, in dem er den Sicherheitsbehörden vorwarf, Angestellte seiner Unternehmen festgenommen zu haben und ihn auf "nicht hinnehmbare und unmenschliche" Weise unter Druck zu setzen.

Makhlouf appellierte an Assad, das Vorgehen der Behörden zu beenden. "Hätte irgendjemand erwartet, dass die Sicherheitsbehörden gegen Rami Makhloufs Firmen vorgehen - den größten Unterstützer, Diener und Sponsor dieser Behörden in den Kriegsjahren?", fragt Makhlouf.

Auszug aus dem ersten Video von Makhlouf

Profiteur von Assad fühlt sich "unfair" behandelt

Bisher galt Makhlouf als einer der großen Profiteure des Systems Assad. Viele sehen in ihm ein Symbolfigur der Korruption in dem Bürgerkriegsland. Laut dem Spiegel kümmerte sich Makhlouf, der sein Vermögen unter anderem als Mitbesitzer des Telekommunikationsfirma Syriatel gemacht hat, mit einem weltweiten Netz von Briefkastenfirmen darum, dass Assad trotz Sanktionen an frische Dollar kam.

Er sei aufgefordert worden, seine Geschäfte aufzugeben und den Anordnungen der Behörden ohne Widerworte zu folgen, klagte Makhlouf nun. Er spricht nun plötzlich von "unfairen" Schritten und "Machtmissbrauch". Die Lage sei "schwierig und gefährlich", sagte Makhlouf an Assad gerichtet.

Der Unternehmer monierte auch, die Behörden wollten nachträglich 120 Millionen Dollar bei ihm eintreiben. Weil er auf Facebook darüber rede, würden auch seine Angestellten festgenommen werden.

Zerstrittener Clan

Das Video gilt als weiterer Hinweis auf die Brüche in Syriens herrschender Elite Syrische Medien hatten im Vorjahr bereits von großen Kontroversen zwischen beiden Männern berichtet. Assad soll seinen Cousin vergeblich um finanzielle Hilfe gebeten haben.

In einem am Donnerstag vor einer Woche verbreiteten Video hatte Makhlouf sich in einem seltenen öffentlichen Auftritt per Video bereits direkt an Assad gewandt. Darin beklagte er unter anderem zu hohe Steuerforderungen. Die syrische Regierung äußerte sich bisher nicht.

Makhlouf ist eine der einflussreichsten und bekanntesten Figuren in den Machtzirkeln des Bürgerkriegslandes Syrien. Die USA und die Europäische Union haben Makhlouf auf die Sanktionsliste gesetzt, weil er die syrische Regierung unterstützt. In der Öffentlichkeit war er bisher nur selten zu sehen.

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