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Politik Ausland
09/10/2021

Ex-SPD-Chef Gabriel: "Es wird schwer, Europa zusammenzuhalten“

Sigmar Gabriel, ehemals Außenminister und Vizekanzler unter Angela Merkel, über den Regierungswechsel in Deutschland.

von Martin Gebhart

Für Sigmar Gabriel, ehemals Außenminister und auch Vizekanzler unter Angela Merkel, fällt der Regierungswechsel in Deutschland in eine Art "Gezeitenwechsel in der Welt". Europa stehe vor großen Herausforderungen und einer Verlagerung der Macht in Richtung Asien. Und genau jetzt verlässt eine der führenden Kräfte die politische Bühne. Gabriel: "Und Macron hat auch Wahlen im nächsten Jahr. Dementsprechend wird nicht nur Deutschland, sondern auch Frankreich mehr auf die Innenpolitik schauen."

Doch gerade jetzt bräuchte es Führungskräfte. "Aus meiner Sicht haben wir in Europa eine der schwierigsten Zeiten, weil wir eher Phasen des Scheiterns, der europäischen Unfähigkeit, angemessen auf die Entwicklungen in der Welt zu reagieren, haben", sagt der ehemalige SPD-Vorsitzende. Es gehe um den Einfluss von China, Russland und "andere, die sich immer mehr in Europa einmischen."

Dazu kämen die Folgen der Pandemie. "Die Länder im Norden waren vor der Pandemie stark und werden auch danach stark sein. Viele andere werden schwächer aus der Pandemie herauskommen, als sie reingegangen sind."

Zu wenig Mut

Entscheidend sei, dass die Mitgliedsstaaten der Union gemeinschaftlich handeln. Gabriel: "Dieses Europa zusammenzuhalten, das wird schwer werden. Da wird es auf alle ankommen, nicht nur auf die großen Mitgliedsstaaten. Aber natürlich auch darauf, dass in Deutschland die neue Regierung möglichst schnell aktiv wird."

Für ihn ist es paradox, dass "wir auf der einen Seite in Europa so handlungsunfähig wie noch nie sind, auf der anderen Seite es dringend nötig ist, dass wir gemeinschaftlich handeln." Wobei er glaubt, dass "diejenigen, die die Europäische Gemeinschaft nach dem Weltkrieg gegründet haben, es schwerer hatten als wir – aber vielleicht waren sie auch mutiger als wir."

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