Politik | Ausland
08.11.2018

"Europa ist meine Leidenschaft": Weber will an die EU-Spitze

EVP-Entscheidung: Der 46-jährige Bayer Manfred Weber wurde Spitzenkandidat für die EU-Wahl.

Unter den Klängen von „One Vision“ (Queen)  wurde das Wahlergebnis für Manfred Weber verkündet: Mit 80 Prozent der abgegebenen Delegiertenstimmen ist er der EVP-Spitzenkandidat für die EU-Wahl im nächsten Jahre. Sein Herausforderer, der ehemalige finnische Ministerpräsident Alexander Stubb, bekam 20 Prozent der Stimmen, er nahm es sportlich.

„Das ist kein persönlicher Erfolg, das ist ein Erfolg  der Europäischen Volkspartei“, bedankte  sich Weber bei seinen Wählern bescheiden. Imdunklen Anzug  und blütenweißen Hemd stand er auf der Bühne, die Messehalle von Helsinki erstrahlte in blau-gelb, den Farben der Europa-Fahne. Weber, sonst immer zurückhaltend, zeigte Emotionen, umarmte Parteifreundinnen und -freunde.

Auch wenn Weber als „deutscher Provinzler“ abgetan wurde: Ihm gelang es, die Herzen der Delegierten zu erreichen: „Schutz und Sicherheit“ versprach er ebenso wie „strenge Grenzkontrollen und einen Stopp der illegalen Migration“. Ein Europa, das „bürgernah“ ist und  keines „der Hochgebildeten, der Elite“, verlangte der 46-Jährige in Anspielung an seinen Herausforderer, den unterkühlten und intellektuellen Finnen.

Von Kurz unterstützt

Seit Monaten hat  Weber seine Kandidatur  vorbereitet und in seiner  ruhigen und pragmatischen Art die EVP-Regierungs- und Parteichefs überzeugt, für ihn zu stimmen. Von seinem engen Freund, Bundeskanzler Sebastian Kurz, bekam er schon sehr früh Unterstützung. Gestern unterstrich Kurz erneut die persönlichen und inhaltlichen Vorzüge Webers: Ausgleichend sei er  und ein „Politiker der Mitte“. Gerade  angesichts des Aufstiegs des „simplen Populismus“ brauche es „heute, mehr denn je, eine starke Kraft der Mitte“, die  Weber repräsentiere – und mit ihm die Europäische Volkspartei.

Weber ist seit 2014 Fraktionschef  der EVP im EU-Parlament und führt die größte Gruppe mit 219 Abgeordneten. Verbindlich und taktisch geschickt hält er diese Gruppe zusammen und spannt seine Netze in der EU. In seiner Heimat ist er auch Vizepräsident der CSU, er gehört aber dem liberalen, pro-europäischen Flügel an.

Studiert hat Manfred Weber „Physikalische Technik“ an der Fachhochschule in München, und als Ingenieur hat er zwei Unternehmen  im Bereich Umwelt- , Qualitätsmanagement und Arbeitssicherheit gegründet. 

Privat ist von ihm wenig bekannt. Der  tiefgläubige Katholik aus Wildenberg in Niederbayern ist verheiratet und kinderlos. Als  Junger hat er Gitarre in  einer Band gespielt. Gestern sagte  er bei seiner Rede,  dass  sein  Bruder an Krebs gestorben sei. Als Kommissionspräsident  würde er ein EU-weites  Krebsvorsorge-Programm forcieren.

Ob er Hobbys hat, weiß sein Umfeld gar nicht. „Politik  ist sein Leben“, beschreibt ihn  ein deutscher CDU-Abgeordneter. „Er ist fleißig und  verlässt  immer als Letzter das Büro. “

In der CSU  engagierte er sich schon als Junger, von 2003 bis 2007 war er Landesvorsitzender der Jungen Union Bayern.  2004 wurde er ins Europäische Parlament gewählt  – und arbeitete sich  ständig hoch. Im nächsten Jahre könnte  Weber den politischen Olymp Europas erklimmen und Präsident der EU-Kommission werden.  „Europa ist einfach meine Leidenschaft“, sagte er, nachdem  das Wahlergebnis bekannt wurde.