Politik | Ausland
23.10.2018

Erdoğan: "Mord an Khashoggi wurde Tage im Voraus geplant"

Der türkische Präsident verwies auf starke Indizien, die auf eine geplante Ermordung Khashoggis hindeuten.

  • Erdoğan will Gerichtsverfahren für Verdächtige in Istanbul
  • Der Mord sei Tage im Voraus geplant worden
  • Kritik an Saudis wegen langer Behinderung der Durchsuchungen

 

„Ich rufe König Salman und die saudi-arabische Führung dazu auf, dass die 18 festgenommenen Männer vor ein Gericht in Istanbul kommen sollen“, forderte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei seiner mit Spannung erwarteten Rede zum Fall Khashoggi. „Wer gab den Auftrag? Warum wurde der Körper noch nicht gefunden? Wer ist dieser Kollaborateur, der sich nach dem Vorfall als Jamal Khashoggi ausgab?“ – die Antworten darauf will der türkische Präsident vom wahhabitischen Königreich wissen. Das Thema werde nicht vom Tisch sein, ehe diese Fragen nicht beantwortet seien. Die Türkei habe Indizien dafür, dass die Ermordung Jamal Khashoggis im Vorfeld geplant worden sei. Bereits am 28. September sei das Killer-Team über den ersten Besuch Khashoggis informiert worden und nach und nach in die Türkei eingereist, um am 2. Oktober mit Privatflügen zurück nach Riad zu fliegen.

Die Rede Erdoğans fiel deutlich abgeschwächter auf als erwartet – zuvor hatte er „die nackte Wahrheit“ angekündigt. Er bestätigte allerdings viele Informationen, die im Vorfeld durch türkische Medien aufgetaucht waren und kritisierte Saudi-Arabien dafür, die Untersuchungen im Konsulat so lange blockiert zu haben.

Erdogan hatte am Wochenende versprochen, es werde die ganze Wahrheit über Khashoggis Tod im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul ans Licht kommen. Auch die USA, wo Khashoggi zuletzt im Exil lebte, sind an einer Klärung der Angelegenheit interessiert. Nach einem Bericht der „Washington Post“ machte sich CIA-Chefin Gina Haspel am Montag auf den Weg in die Türkei. Demnach ist die größte Sorge Washingtons, dass Erdoğans Enthüllungen den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman als engen Verbündeten der Regierung Trumps schwer belasten könnten.

Khashoggi hatte das Konsulat am 2. Oktober betreten, um Papiere abzuholen, und war nicht mehr herausgekommen. Türkische Ermittler gehen nach Medienberichten davon aus, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Kommando im Konsulat gefoltert, ermordet und zerstückelt wurde. Was auch immer mit dem Regimekritiker geschah, die Darstellung Riads weist Lücken und Widersprüche auf.

 

 

Zunächst hieß es dort, Khashoggi habe das Konsulat wieder verlassen, Meldungen über seinen Tod seien erfunden. Am Wochenende räumte das autoritär regierte Königreich dann die Tötung des 59-Jährigen ein, stellte sie aber als Folge einer eskalierten Schlägerei dar. 18 saudische Staatsangehörige wurden festgenommen. Wo sich Khashoggis Leiche befindet, wisse die Führung in Riad nicht, sagte Außenminister Adel al-Dschubair. Das Sicherheitsteam vor Ort habe eigenmächtig gehandelt und dann versucht, die Tötung zu vertuschen.

US-Präsident Donald Trump hält die offizielle Erklärung Saudi-Arabiens nach wie vor für unzureichend und kündigte am Montag an: „Wir werden der Sache auf den Grund gehen.“ Später sagte er der Zeitung „USA Today“, der saudische Kronprinz habe ihm versichert, dass weder er noch König Salman in die Sache verwickelt seien. Sollte sich das Gegenteil herausstellen, „wäre ich sehr verärgert darüber“. Der Fall Khashoggi sehe für ihn aus wie ein „schiefgelaufenes Komplott“.