Epstein-Mails von Mette-Marit stürzen Norwegens Königshaus in die Krise
Mette-Marit über eMails: „Es ist einfach peinlich.“
Am 23. Oktober 2011 verfasst Mette-Marit die eMail, die in ihrer Heimat heute wohl für am meisten Kopfschütteln sorgt: "Ich habe dich gegoogelt", schreib Norwegens Kronprinzessin. Und: "Es sah wirklich nicht zu gut aus." Dazu ein Smiley. Adressat: der US-amerikanische Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Die Nachricht wurde am Freitagabend vom US-Justizministerium veröffentlicht - gemeinsam mit Millionen weiteren Akten, darunter Gerichtsunterlagen, Ermittlungsdokumente oder ärztliche Atteste, sowie Tausende Fotos und Videos. Der Name der norwegischen Kronprinzessin taucht darin Hunderte Male auf.
Gutes Verhältnis
In ihrer skandinavischen Heimat hat sie damit einen handfesten Skandal losgetreten: So war zwar bereits 2019 bekannt geworden, dass die Ehefrau des Kronprinzen Haakon Kontakt zu dem im selben Jahr verstorbenen Multimillionär hatte. Damals hieß es jedoch, sie habe nichts von Epsteins Vergangenheit gewusst.
Was genau sie bei ihrer Google-Recherche im Jahr 2011 fand, ist auch heute nicht bekannt. Fest steht jedoch: Epsteins Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im Jahr 2008 war öffentlich dokumentiert - Mette-Marit jedoch brach den Kontakt nicht ab.
Intensive Freundschaft?
Im Gegenteil: Die nun veröffentlichten Akten offenbaren, dass Epstein und Mette-Marit eine längere und intensivere Freundschaft pflegten als bisher bekannt. So teilte die 52-jährige Prinzessin Details aus ihrem Familienleben (z. B., ob es "unangemessen für eine Mutter" sei, ihrem 15-jährigen Sohn ein Wandposter von "zwei nackten Frauen, die ein Surfbrett tragen, vorzuschlagen") und aus dem royalen Alltag, etwa von der "langweiligen" Hochzeit des luxemburgischen Thronfolgers.
Als Epstein ihr im Herbst 2012 schrieb, er halte sich in Paris auf und sei auf der Suche nach einer Frau ("aber ich bevorzuge Skandinavien"), antwortete Mette-Marit: "Paris ist gut für Seitensprünge. Skandinavierinnen sind bessere Ehefrauen."
Mit Komplimenten hielt sie nie zurück: Im Herbst 2012 bezeichnete sie Epstein als "charmant." 2013 schrieb sie: "Ich vermisse dich, mein verrückter Freund." Aus den Akten geht zudem hervor, dass sie vier Tage in Epsteins Anwesen in Palm Beach verbrachte.
Krise für das Königshaus
Trotz der prompten Entschuldigung der Kronprinzessin, die von einer "einfach peinlichen" Aktion sprach, orten Royal-Experten einen massiven Reputationsschaden für Norwegens Königshaus und staatliche Institutionen insgesamt.
So werden in den jüngst veröffentlichten Akten auch weitere hochrangige norwegische Politiker mit Epstein in Verbindung gebracht: Darunter der frühere Außenminister und heutige Leiter des Weltwirtschaftsforums in Davos, Børge Brende, der ehemalige Ministerpräsident Thorbjørn Jagland sowie ein norwegisches Diplomatenpaar, dessen Kinder laut Testament des Multimillionärs jeweils fünf Millionen Dollar erhalten sollten.
Sie alle bedauern ihre Verbindung zu Epstein. Von dessen illegalen Machenschaften hätten sie keine Kenntnis gehabt. Eine Petition fordert bereits den Ausschluss Jaglands aus der Arbeiderpartiet. Norwegens Grüne fordern eine unabhängige Untersuchungskommission im Parlament.
Russland-Verbindung
Nach wie vor unklar sind die Russland-Verbindungen von Epstein. Russischen Frauen soll er Geldzahlungen oder Kontakte in die Model- oder Finanzbranche versprochen haben: Neben der "schönen" 26-jährigen Russin, die Epstein Prinz Andrew 2010 anbot und einer russischen "Rekrutiererin", die in einer Züricher Bank gearbeitet und Epstein immer wieder Vorschläge von "guten Mädchen" gemacht hat, ist auch die Rede von einem "russischen Model Contest", bei dem Epstein "Zugriff auf alle Vorauswahlen, Abstimmungen, Dateien und Fotos" gehabt haben soll.
Zudem geht es in den Chats im Jahr 2012 um Ilja Ponomarjow, einen russischen Oppositionellen und damals Abgeordneten der Staatsduma. Er und "seine sehr schlaue und süße Freundin" werden in den Chats als Hauptorganisator des politischen Widerstands gegen Kremlchef Wladimir Putin bezeichnet, Ponomarjow könnte "Putin ersetzen und selbst Präsident werden". Ponomarjow hat sich gegen die russische Annexion der Krim gestellt, ist in die Ukraine geflüchtet und nach dem Überfall auf die Ukraine den ukrainischen Streitkräften beigetreten. Gegen ihn laufen in Russland Gerichtsverfahren.
Spekulationen um eine Verbindung Epsteins zu Russland waren bereits im November des Vorjahres aufgekommen: Politico hatte über Behauptungen Epsteins berichtete, er habe Russland Informationen zu US-Präsident Donald Trump gegeben. In den neuen Akten – darunter sind nicht nur Chatverläufe, sondern auch geteilte Medienberichte oder FBI-Breifings, wird Putin 1.036 Mal genannt, "Russia" kommt 5.782 Mal vor, "Moscow" 9.505 Mal.
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