U.S. President Trump leads coronavirus task force daily briefing at the White House in Washington

© REUTERS / JONATHAN ERNST

Politik Ausland
03/20/2020

Trump zeigt in Corona-Krise Nerven: "Fürchterlicher Reporter!"

Der US-Präsident reagiert wütend auf Reporterfragen und verbreitet Halbwahrheiten

von Konrad Kramar

Lästige Reporterfragen so etwas kann Donald Trump in diesen Tagen gar nicht vertragen. "Sie sind ein furchtbarer Reporter", herrschte er bei seinem täglichen Auftritt vor der Presse einen Reporter des US-TV-Senders NBC an. Der hatte eigentlich nur ganz standardmäßig gefragt, was der Präsident denn zu den Leuten sagen würde, die ihm gerade zuschauen würden und Angst hätten. Trump aber bekam regelrecht einen Wutanfall, sprach von einer "sehr bösartigen Frage" und einem "sehr schlechten Signal", das die US-Bürger so erhalten würden.

"Erstklassig vorbereitet"

Schon am Vortag hatte sich eine ähnliche Szene abgespielt, als die Frage gestellt wurde, ob der Präsident vielleicht schlecht auf die Krise vorbereitet gewesen sei.

„Erstklassig vorbereitet“ sei er gewesen, schlug Trump seinen ohnehin gewohnten Tonfall an. Die einzigen, die nicht vorbereitet waren, sei „die Lügenpresse“ gewesen: „Die hat das ganze unfair behandelt.“

Setzt auf Malaria Medikament

Trump nützte den Auftritt am Freitag außerdem, um massiv Werbung für eine altes Malaria-Medikament zu machen. Cloroquin hatte in einigen  Fällen Wirksamkeit bei Corona-Patienten gezeigt. Grund genug für den Präsidenten, um es als mögliche Therapie zu propagieren: "Es mag funktionieren, es mag nicht funktionieren. Ich hab da ein gutes Gefühl". Wenig überraschend fügte der Präsident gleich auch noch eine heftige Dosis Eigenlob dran: "Ich bin ja ein schlauer Kerl." Dass Experten davor warnen Cloroquin jetzt schon anzupreisen und so Engpässe zu riskieren, kümmert ihn da wenig.

Bewährte Feindbilder

Trump bleibt also auch in der Krise Trump. Kurzfristig hat der US-Präsident es ja mit einer präsidialen versöhnlichen Rolle versucht, hatte seine Landsleute aufgefordert zusammenzuhalten, inzwischen aber setzt er wieder auf bewährte Feindbilder, Eigenlob und beantwortet Kritik ausschließlich mit Untergriffen.

Großspurig hatte der Präsident vor wenigen Tagen behauptet, er habe die Krise früher als alle anderen erkannt. Auf die Frage von Reportern, wie Trump – er hatte noch vor wenigen Wochen das Virus als keine Gefahr für die USA abgetan – zu dieser Behauptung komme, wurde der grob. Er habe vor Reisenden aus China gewarnt und sei „dafür wieder einmal als Rassist beschimpft worden“.

Das „China-Virus“

Tatsächlich nutzt Trump jede Gelegenheit, um China für die Pandemie verantwortlich zu machen. Klar wird das schon bei der Wortwahl. Der Präsident spricht nicht vom Coronavirus, sondern vom „China-Virus“. Die US-Zeitung Washington Post hat nun sogar ein Redemanuskript veröffentlicht, auf dem er handschriftlich genau diesen Begriff eingefügt hatte.

einen Twitter Post Platzhalter.

Wir würden hier gerne einen Twitter Post zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Twitter zu.

Ohnehin schon im Wahlkampf-Modus, nützt Trump auch jede Gelegenheit, um zu betonen, wie großartig sein Umgang mit der Krise ist. Der Plan, jedem Amerikaner 2.000 Dollar in die Hand zu drücken, stammt ja tatsächlich von ihm. Auch wenn Experten solche Gießkannen-Methoden eher skeptisch beurteilen, bei Trumps-Kernwählerschicht kommt das an.

Ausgangssperre

Was die Trump-Kapriolen nicht verhindern können, ist die rasante Eskalation der Krise in den USA. New York, das inzwischen mehr als 4.000 offiziell Infizierte meldet, ist zum Zentrum der Epidemie an der US-Ostküste geworden. In Kalifornien, immerhin die fünftgrößte Wirtschaftsmacht weltweit, gilt seit Freitag strikte Ausgangssperre.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.