Mahnwache für al-Kasaesbeh in Jordanien

© REUTERS/MUHAMMAD HAMED

Dschihadisten-Miliz
02/04/2015

Jordanien rächt tote IS-Geisel blutig

Laut IS-Video wurde ein entführter jordanischer Pilot verbrannt - Amman richtete Dschihadisten hin.

Auge um Auge: Das Königreich Jordanien und die Terrormiliz Islamischer Staat liefern sich ein blutiges Rachespiel. Gestern wurde bekannt, dass der vom IS entführte jordanische Pilot Muath al-Kasaesbeh grausam getötet wurde. Auf dschihadistischen Internetseiten wurden am Dienstag Bilder aus einem Video veröffentlicht, die zeigen, wie die Geisel bei lebendigem Leib verbrannt wird. Es ist die bisher wohl brutalste Hinrichtung eines IS-Gefangenen: Offenbar in Benzin getränkt wartet der Todgeweihte in einem Metallkäfig, bis ein maskierter Dschihadist mit einer Fackel Feuer legt und eine Flammenspur auf den Käfig zurast. Zwar konnte die Nachrichtenagentur Reuters die Echtheit der Aufnahmen nicht nachprüfen, die Angehörigen des Piloten wurden jedoch vom jordanischen Streitkräftechef informiert, dass der IS Kasaesbeh getötet habe. Die Exekution soll bereits Anfang Jänner erfolgt sein.

Armee nahm Rache

Der IS hatte von Amman im Austausch für den Piloten die Freilassung der militanten Islamistin Sajida Al-Rishawi gefordert: Die Irakerin war 2005 nach einem blutigen Terroranschlag auf ein Hotel festgenommen worden. Dieser Austausch wurde von Jordanien nicht vollzogen. Stattdessen schwor das jordanische Militär Rache: "Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein", sagte ein Armeesprecher in einer Ansprache im jordanischen Fernsehen am Dienstag. "Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde."

Am Mittwoch wurde dann die Islamistin Al-Rishawi im Morgengrauen gehängt. Zudem wurde ein ranghohes Al-Kaida-Mitglied hingerichtet. Der Mann war wegen Anschlagsplanungen gegen das Königreich zum Tode verurteilt worden. Beide Todesurteile wurden im Swaka-Gefängnis südlich der Hauptstadt vollstreckt.

Der 26 Jahre alte Jordanier Kasaesbeh war der erste Pilot der Anti-IS-Allianz, der in die Hände der Dschihadisten fiel. Er war am 24. Dezember mit seinem Kampfflugzeug in der Nähe von Raqqa abgestürzt, der im Nordosten Syriens gelegenen IS-Hochburg. Der getötete, erst 26-jährige Pilot stammt aus einer einflussreichen jordanischen Familie. Sein Vater ist Scheich des Bararsheh-Stammes im Süden Jordaniens - auch er forderte Rache. Ebenso wie die in der islamischen Welt viel geachtete Azhar-Universität in Kairo: Der IS sei eine "teuflische" Organisation, die einen Krieg gegen Gott führe, sagte Großmufti Scheich Ahmed al-Tajib. Ihre Barbarei werde von Gott nicht anerkannt. Man müsse die Terroristen auf gleiche Weise bestrafen - Kreuzigungen und Verstümmelungen inbegriffen.

"Welche Ideologie sie auch immer bedienen, sie ist ruiniert"

US-Präsident Barack Obama hat die IS-Terrormiliz als bösartige und barbarische Organisation verurteilt. Die mutmaßliche Ermordung des Piloten Muath al-Kasaesbeh werde die Bemühungen des Anti-IS-Bündnisses nur verdoppeln, sagte Obama. "Welche Ideologie sie auch immer bedienen, sie ist ruiniert", sagte Obama. Die Extremisten des IS seien nur an Tod und Zerstörung interessiert. Bestätigen könne er die auf dschihadistischen Internetseiten veröffentlichten Bilder aus einem Video derzeit allerdings nicht.

Obama empfing auch kurzfristig den jordanischen König Abdullah II. im Weißen Haus. Der König hält sich derzeit in der US-Hauptstadt auf, eine Begegnung mit Obama war aber ursprünglich nicht vorgesehen.

Der IS hatte erst am Wochenende ein Video von der Ermordung einer anderen Geisel, des japanischen Journalisten Goto, veröffentlicht. Er war im Oktober in Syrien verschleppt worden, wo er nach seinem entführten Freund Haruna Yukawa suchen wollte; Yukawa wurde ebenfalls vor wenigen Tagen vom IS ermordet (mehr dazu lesen Sie hier).

Tausende Entführte

Die drei reihen sich in ein Geiselgeschäft der Miliz ein, dem nach Medienberichten in den vergangenen Jahren wohl Tausende zum Opfer fielen. Nach Angaben der New York Times entführte der IS seit Ende 2012 mindestens 23 Europäer und US-Amerikaner. Während die meisten Europäer freigekauft wurden, zeigte der IS den Tod von drei US-Bürgern und zwei Briten seit August in mehreren Enthauptungsvideos. Am Leben sind laut New York Times nur noch eine US-amerikanische Entwicklungshelferin und der britische Journalist John Cantlie, der seit September IS-Propagandavideos drehen muss.

In die Tausende gehen jedoch Entführungen von Syrern und Irakern. Während manche verschleppt werden, um von den Familien Lösegelder zu erpressen, verschwinden andere, um jede Art von staatlichem Fundament im Hoheitsgebiet des IS zu erschüttern. Medien berichten von Hunderten Ärzten, Polizisten, Anwälten und Journalisten, die in den vergangenen Jahren im Irak und in Syrien verschwanden. Auch knapp 40 indischstämmige Gastarbeiter gelten seit mehr als sieben Monaten als verschollen.

Wie schwierig der Kampf gegen IS ist, lesen Sie hier: Militärexperte Feichtinger sagt jahrelangen Kampf gegen die Extremisten voraus.

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