Donald Trump bei der TV-Debatte zwischen den republikanischen Bewerbern

© APA/AFP/ROBYN BECK

USA
12/16/2015

Donald Trump: "Undenkbar?– Unvermeidlich!"

Der Brutal-Populist ist vorerst nicht zu stoppen, eine Kandidatur bedrohlich nah.

von Konrad Kramar

Es ging um Terrorismus, Islamisten und Einwanderer – und eigentlich ging es schon wieder nur um einen: Donald Trump. Auch bei der jüngsten TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftswerber stand der Milliardär und Showman erneut im Mittelpunkt. In der Vorwoche hatte er mit seiner Forderung, sämtlichen Muslimen die Einreise in die USA zu verbieten, für eine Welle der Empörung gesorgt. In der Kandidatenrunde legte er gleich noch einmal nach: Das Internet müsse bei der Jagd nach islamischen Extremisten zum Teil gesperrt werden. Und wieder blieb seinen Mitbewerbern nichts übrig, als sich an den Provokationen der Reality-Show-geprüften Rampensau Trump abzuarbeiten.

Die Wähler danken ihnen diese Mühe nicht. Nach einer kurzen Schwächephase hat der Terror in Paris und danach in Los Angeles dem Islamhasser Trump in den Umfragen wieder klar an die Spitze des Kandidatenfeldes gespült. Bis zu 41 Prozent der republikanischen Wähler sprechen sich für ihn aus. "Trump ist vom undenkbaren zum unvermeidlichen Kandidaten geworden", machte der konservative TV-Sender Fox News erst kürzlich seine Sympathien für den mehrfach geschiedenen Lebemann mit einer Vorliebe für Blondinen deutlich.

Wie Rechtspopulisten

In der Führungsspitze der Republikaner greift die ernüchternde Einsicht um sich, dass man Trump anfangs unterschätzt und jetzt kaum noch ein Mittel gegen ihn in der Hand hat.

Die treue Kernwählerschaft Trumps sind Männer der weißen unteren Mittelschicht. Ohne die aber können die Republikaner keine Präsidentschaftswahl gewinnen, wie etwa ein Parteistratege gegenüber der New York Times erläutert: "Hochgebildete Besserverdiener gehören den Demokraten. Republikaner müssen sich viel mehr als früher auf die weiße Arbeiterklasse stützen." Diese Arbeiterklasse ist akuter vom sozialen Abstieg bedroht denn je, frustriert und wütend – und daher für Trumps populistische Sprüche mehr als empfänglich. Trump sei durch den wachsenden Riss in der amerikanischen Gesellschaft durchmarschiert. Immer häufiger wird er mit Europas Rechtspopulisten wie dem französischen Front National verglichen.

Offensichtlich habe man völlig falsch eingeschätzt, was republikanischen Wählern wichtig sei, welche Themen sie persönlich ansprechen würden. "Wir haben uns viel zu sehr um die großen Spender gekümmert", kritisiert ein Insider, "unsere Kandidaten sind viel eher mit Geldgebern auf einer Linie als mit normalen Wählern."

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