Rodrigo Duterte
09/06/2016

Die vielen Entgleisungen des "Trumps der Philippinen"

"Hurensohn". US-Präsident Obama verweigert Treffen mit dem Staatschef. Fluchen ist allerdings Dutertes geringstes Vergehen.

von Ulrike Botzenhart

Endlich einmal fern vom US-Wahlkampf mit dem omnipräsenten Donald Trump – und dann muss sich Präsident Barack Obama in Asien ausgerechnet von einer philippinischen Version eines fluchenden Großmauls beleidigen lassen. Wegen amerikanischer Kritik an seiner rigorosen Anti-Drogen-Politik hat Präsident Rodrigo Duterte den US-Präsidenten als "Hurensohn" beschimpft. Obama konterte trocken, Duterte sei "sicher ein bunter Vogel", und sagte kurzerhand ein geplantes Treffen ab. Von Duterte kam eine mehr als halbherzige Entschuldigung.

Obama befindet sich in bester Gesellschaft, beschimpft Duterte doch pausenlos Menschen – egal, ob prominent oder nicht – als "Hurensohn". Dabei machte der Präsident des katholischen Inselstaates mit mehr als 100 Millionen Einwohnern selbst vor dem Papst nicht halt. Den Vereinten Nationen, die ebenfalls Kritik an seinem Anti-Drogen-Kurs geübt hatten, jagte der 71-jährige Jurist aus einfachen Verhältnissen ein "Fickt euch" entgegen, "haltet endlich einmal die Klappe".

44 Getötete pro Tag

Kritischen Journalisten droht er mit dem Tod, genau so wie Kleinkriminellen. Menschenrechtsaktivisten warnen eingehend vor Duterte und einer Rückkehr in düstere Zeiten wie unter Präsident Ferdinand Marcos, der schließlich 1986 aus dem Amt gejagt worden war. Vor allem Rauschgifthändler, denen Duterte schon als Bürgermeister der Millionenstadt Davao Todesschwadronen geschickt haben soll, müssen um ihr Leben zittern: "Ich werde euch alle umbringen, in die Bucht von Manila werfen und damit die Fische füttern." Als erstes kämen Soldaten, Polizisten, Bürgermeister dran, die im Rauschgifthandel aktiv seien. Eine Drohung, mit der Duterte rund um den Globus berühmt wurde und die ernst zu nehmen ist. Die jüngste Bilanz veröffentlichte die Polizei am Dienstag: Seit 1. Juli wurden demnach im erbitterten Kampf gegen die Kriminalität, den Duterte seinen Wählern versprochen hatte, 2927 Menschen von Polizei und Bürgerwehren getötet. Im Schnitt 44 pro Tag.

Und so ähnlich soll es weitergehen: "Es werden haufenweise Kriminelle getötet werden, bis der letzte Fixer von der Straße ist, bis der letzte Drogenproduzent getötet ist, werden wir weitermachen", polterte Duterte, der noch an einer zweiten Front kämpft: Im Süden der Philippinen läuft eine Großoffensive gegen die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf. Diese rächte sich nach eigenen Angaben Freitagabend mit einem Bombenanschlag in Davao, wo Duterte die Wochenenden verbringt.

Aufruf zum Mord

Doch der oberste Polizeichef des Landes, General Ronaldo Dela Rosa, mutmaßte, dass hinter der Bluttat Rauschgifthändler stünden. Der General baut auf Hilfe von Süchtigen, die Drogenbosse zu ermorden. In einer im Fernsehen ausgestrahlen Ansprache vor festgenommen Drogenkonsumenten stachelte er die Süchtigen auf: "Sie leben von eurem Geld. Ihr wisst, wer die Drogenbosse sind. Wollt ihr sie töten? Macht nur. Es ist erlaubt, sie zu töten, weil ihr die Opfer seid."